Luka Jovic

Luka Jovic kommt als relativ unbekanntes Talent nach Frankfurt. Schnell zeigt sich: So einen Stürmer hat es bei der Eintracht seit langem nicht gegeben. Unsere Nummer 5 im Ranking der besten 20 Eintracht-Spieler der vergangenen 20 Jahre.

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Weidenfeller über Jovic
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Luka Jovic war gerade ein paar Tage da, da ging das Geraune schon los. "Es ist beeindruckend, wie er die Dinger einschweißt. Ob mit dem Kopf oder dem Fuß", staunte sein Kollege Danny Blum im ersten Eintracht-Trainingslager im Sommer 2017. Ähnliches vernahm man von den anwesenden Journalisten und Trainings-Kiebitzen. Mit dem jungen, schüchtern wirkenden Typ, den die Eintracht aus der Reserve Benfica Lissabons geholt hatte, schien den Hessen ein dicker Fisch ins Netz gegangen zu sein. Oder wie es sein Teamkamerad Kevin-Prince Boateng ausdrückte: "Jeder, der Ahnung von Fußball hat, weiß, dass er ein ganz großer Spieler werden kann."

"Serbischer Falcao"

Jovic, bei seinem Wechsel zur Eintracht gerade 19 Jahre alt, hatte da bereits zwei Fußballerleben hinter sich. Zunächst jenes in seiner serbischen Heimat, wo er bereits als Teenager als "Serbischer Falcao" und kommender "bester Torjäger Europas" gefeiert wurde, mit 16 sein Debüt in der ersten Liga gab (und traf) und die Schuldenlast von Roter Stern Belgrad durch einen lukrativen Transfer quasi im Alleingang tilgen sollte. Und jenes in Lissabon, in Benficas außergewöhnlicher Talentschmiede, der er sich 2016 für knapp sieben Millionen Euro angeschlossen hatte, in der Hoffnung, all die Prophezeiungen würden sich bewahrheiten.

Allein: Es kam anders. Zu viel Heimweh, zu viele Partys, eine mit Stars gespickte Benfica-Mannschaft – Jovics Karriere drohte auf den staubigen Plätzen der portugiesischen Reserveliga zu versanden, bevor sie überhaupt hatte beginnen können. Unterdessen erinnerte man sich bei der Eintracht an Jovic, seine Vorschusslorbeeren und unglaublichen Statistiken aus dem Jugendbereich und angelte sich ein verhindertes Ausnahmetalent zum Schnäppchenpreis.

Weiterer Schritt unter Hütter

Es war ein Glücksfall für Jovic, und damit für Eintracht Frankfurt, dass der junge Serbe in Hessen auf exakt jene beiden Trainertypen traf, die er in dieser entscheidenden Phase seiner Karriere zu brauchen schien. Zunächst der strenge Niko Kovac, der Jovic triezte, forderte und ihm das nötige Arbeitsethos einschliff. Dann der eher gelassene Adi Hütter, der den Gereiften von der Leine ließ. "Niko hat mich aufgeweckt", sagte Jovic 2018. "Adi Hütter hat mir noch ein paar mehr Freiheiten gegeben, so dass ich den Schritt weitergehen konnte."

Und was für ein Schritt das war. Bereits in der Rückrunde seiner ersten Saison in Hessen mehrten sich Einsätze und Tore, unvergessen sein Hackentreffer im DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke. Mit Beginn der Saison 2018/19 war dann kein Halten mehr. Mit Links, mit Rechts, per Kopf, nach Flanke oder Steilpass, volley oder nach Ballannahme, aus vollem Lauf oder dem Stand: Ganz Deutschland konnte plötzlich sehen, was Blum im Trainingslager gemeint hatte. Und in Frankfurt war schnell klar: Einen solchen Stürmer hatte man bei der Eintracht seit Tony Yeboah nicht mehr unter Vertrag.

Fünf-Tore-Gala als Höhepunkt

Der Höhepunkt: Jovics fünf Tore gegen Fortuna Düsseldorf, deren erstes der Serbe mit einem Seitfallzieher erzielte, bei dem sich weniger begabte Stürmer den Rücken gebrochen hätten. Eine "absolute Vollgranate" sei das, meinte Mitspieler Marc Stendera. Es hätte ihm niemand widersprechen wollen, schließlich konnte man Jovic in Echtzeit dabei zusehen, wie er Geschichte schrieb. Das Trikot Jovics aus dem Fünf-Tore-Spiel wanderte noch am selben Abend ins Eintracht-Museum.

Dass Jovic auch in den europäischen Highlight-Nächten traf und traf und traf, gegen Inter, Benfica, Chelsea, brachte ihn schnell zurück in die Notizzettel der ganz großen Klubs. 27 Pflichtspieltore und ein denkbar knapp verpasstes Europa-League-Finale später schlug Real Madrid zu und verpflichtete Jovic für geschätzte 60 Millionen Euro. Bei den Königlichen werden die Mitspieler nicht so schnell ins Staunen geraten wie einst bei der Eintracht. Sonderlich rund lief seine erste Saison bei Real auch nicht. Dass er eines Tages trotzdem noch der "beste Torjäger Europas" wird, scheint nach seiner Zeit in Frankfurt aber zumindest nicht ausgeschlossen.

Experten-Punkte: 408

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So läuft das Bewertungssystem

Für unsere Serie "Die besten 20 Eintracht-Spieler des Jahrtausends" haben wir 25 Experten nach ihren Top 20 gefragt. Dabei waren Mitglieder der hr-Sportredaktion, Kollegen von Zeitungen wie der Frankfurter Rundschau, der Bild, dem Kicker und der FAZ sowie Fan-Blogger und prominente SGE-Anhänger wie Henni Nachtsheim. Für Rang eins gab es 20 Punkte, für Rang zwei 19 und so weiter. Am Ende haben wir alle Punkte zusammengezählt und kamen so auf das finale Ranking.

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Ihre Kommentare Wer sind Ihre 20 besten Eintracht-Spieler der letzten 20 Jahre?

184 Kommentare

  • Russ

  • AMFG ist auch meine Nr. 1. Ich war erstaunt, dass das im Heimspiel am Montag nicht immer rüber kam.
    Was ich nie verstanden habe - und auch den Verantwortlichen (z.B. Bobic) übel nehme, dass man ihn im Grunde genommen abserviert hat. Er hätte einfach noch mal eingesetzt werden müssen. Auch im Pokal-Endspiel.
    Noch eine Anmerkung: Charakterlich auch ganz vorne muss Gacinovic stehen. Unvergessen und für immer im Herzen sein Lauf zum 3:1!!!

  • Gute Liste ! Was hier wieder Leute schreiben! Wusste gar nicht, dass Uwe Bein und Bernd Hölzenbein 2000 noch gespielt haben - der letzten 20 Jahre bedeutet 2000-2020! Maaaaaan!!!!

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