Adi Hütter jubelt - bald auch über Tore von Bas Dost?

Eintracht-Trainer Adi Hütter wird 50 Jahre alt. Die gute Laune zum Geburtstag hat er sich selbst erarbeitet. Weil er gezeigt hat, dass er nicht nur Höhenflug kann, sondern auch Krisenmanagement.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Adi Hütters 50. Geburtstag: Ohne Ständchen

Eintracht-Coach Adi Hütter.
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Kein Kuchen, kein Gesang: Glaubt man Timothy Chandler und Peter Fischer, wird Adi Hütter an seinem heutigen 50. Geburtstag auf zwei geliebte Geburtstags-Standards verzichten müssen. "Einen Kuchen backt ihm lieber jemand anderes als unsere Mannschaft", so Chandler nach dem 5:0 gegen Augsburg. "Ich lass mir da lieber was anderes einfallen. Mit singen räume ich nicht ab", stieß Fischer in eine ähnliche Richtung.

Schlechte Laune wird an diesem Dienstag in Frankfurt aber wohl trotzdem niemand haben, trotz fehlendem Kuchen und Gesang. Hütter hat mit seinem Team einen glänzenden Rückrundenstart hingelegt, in der Liga zehn Punkte aus vier Spielen geholt und auch noch RB Leipzig aus dem Pokal gekegelt. Zumindest ein Sektchen wäre angesichts dieser Bilanz absolut verdient.

Ein Glücksfall für die Hessen

Einen kleinen Teil seiner 50 Lebensjahre – 622 Tage, um genau zu sein – hat Adi Hütter nun bei Eintracht Frankfurt verbracht. Und seit er am 30. Mai 2018 vorgestellt wurde, hat er einiges erlebt. "Fußball zehrt ein bisschen, da kommt die ein oder andere Falte oder ein graues Haar dazu", sagte Hütter auf der Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel. Das ein oder andere graue Härchen hat er dabei sicherlich auch Eintracht Frankfurt zu verdanken. Etwa seinem Einstand vor anderthalb Jahren. 0:5 im Supercup, ein blamables Aus beim Viertligisten Ulm im Pokal: Anfangs deutete nicht viel auf eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit hin.

Es war ein Glücksfall für die Hessen, dass Fredi Bobic und Co. sich vom unglücklichen Einstand Hütters nicht aus der Ruhe bringen ließen. Denn was folgte, war ein Höhenflug, der die Hessen per Vollgasfußball durch die Liga und bis ins Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea segeln ließ. Zu Recht sagte Hütter vor dem Rückspiel in London, das die Hessen denkbar unglücklich verloren: "Das macht mich wahnsinnig stolz, weil man uns das auch nicht zugetraut hat. Ich muss mich manchmal selbst ein bisschen zwicken, weil es außergewöhnlich ist, was wir in diesem Jahr geleistet haben."

Höhenflug und Krisenmanagement – Hütter kann beides

Mit dem kleinen Wermutstropfen, dass die Eintracht auf der Zielgeraden unter der Belastung einknickte und die in greifbare Nähe gerückte Champions-League-Qualifikation noch verspielte. Eine erneute Europa-League-Qualifikation tröstete darüber hinweg. Auch dass Spieler wie Luka Jovic oder Sebastien Haller zu internationalen Topspielern wurden und der Eintracht ungekannte finanzielle Zuflüsse bescherten, ist der Verdienst des Österreichers.

In fast 400 Pflichtspielen in 13 Trainerjahren hat sich Hütter vor seinem Antritt in Frankfurt das nötige Rüstzeug geholt. Er wurde in Österreich und der Schweiz Meister, führte den Dorfklub SV Grödig aus der Zweiten Liga in die Europacup-Qualifikation. Ein Erfahrungsschatz, der ihm vor allem in seinem zweiten Frankfurter Jahr zugutekommt. Die Topspieler der vergangenen Saison sind weg, und mit ihnen zeitweise die spielerische Leichtigkeit. Plötzlich war Krisenmanagement angesagt.

"Ich fühle mich nicht wie 50"

Nur ein Punkt aus den letzten sieben Hinrundenspielen, der Abstiegskampf drohte. Auch das hat Hütter mit der ihm eigenen Erfolgsrezept überstanden: "Ruhe, Geduld und Vertrauen in die eigenen Stärken." Höhenflug und Krisenmanagement – in den letzten Wochen hat Hütter bewiesen, dass er beides kann. Damit passt er, so viel lässt sich nach anderthalb Jahren sagen, äußerst gut zur Diva vom Main.

Und nun? Vielleicht gibt es ja doch einen Kuchen, zumindest von den Fans am Trainingslatz wird es vielleicht Gesang geben. "Ich fühle mich nicht wie 50. Ob ich so ausschaue, lasse ich mal dahingestellt", schmunzelte Hütter. "Ich fühle mich auch im Kopf noch jung. Tagtäglich mit jungen Leuten zu tun zu haben, macht Spaß." Ob die Mannschaft abseits von Kuchen und Gesang ein Geschenk für Hütter hat, wird sich zeigen. Ein Präsent gibt es allerdings vom Trainer an seine Spieler. "Mein Geburtstagsgeschenk für die Mannschaft ist, heute zweimal zu trainieren", so Hütter. Na dann, Happy Birthday.