Adi Hütter
Adi Hütter hat aus der Eintracht ein Spitzenteam geformt. Bild © Imago

Eintracht Frankfurt walzt durch die Bundesliga und begeistert mit seinem dreiköpfigen Wundersturm. Großen Anteil am Höhenflug genießt auch Trainer Adi Hütter. Der heimliche Star der Hessen hält sich aber lieber im Hintergrund.

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Eintracht-Trainer Adi Hütter

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Erfolgsrezept von Adi Hütter

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Nach dem 3:2-Erfolg am vergangenen Donnerstag bei Apollon Limassol stand Adi Hütter mal kurz im Mittelpunkt des Geschehens. Vor dem Frankfurter Fanblock ließ sich der Trainer für den Einzug in die Zwischenrunde der Europa League feiern und zollte den tausenden nach Zypern mitgereisten Eintracht-Anhängern Respekt für ihre unermüdliche Unterstützung.

"Gerade heute hat es gepasst, weil wir etwas erreicht haben, für das die Fans weite Reisen auf sich nehmen", erklärte Hütter seinen ungewohnten Feier-Auftritt. Hinterher sprach er von einem "unglaublich tollen Moment".

Kein Held der Massen

Ansonsten ist das Rampenlicht nicht die Sache des Österreichers. Hütter verzichtet auf markige Sprüche und plaudert nicht aus dem privaten Nähkästchen. 48 Jahre, Familienvater, bodenständig, eng verwurzelt mit der Vorarlberger Heimat. Sympathisch, aber beileibe kein Sonnyboy. Anders als sein Vorgänger Niko Kovac taugt Hütter nicht zum medialen Helden.

Und doch ist der Anteil des Trainers am aktuellen Höhenflug riesengroß. Während sich Fußball-Deutschland verwundert die Augen über diese Eintracht reibt und im fulminanten Angriffstrio mit Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic das Erfolgsgeheimnis ausmacht, kann Hütter im Hintergrund in aller Ruhe an der Umsetzung seiner Spielidee werkeln. Denn die Mannschaft, das ist unverkennbar, trägt eindeutig die Handschrift ihres auf Offensive getrimmten Übungsleiters.  

Widerstände überwunden

Eintracht-Trainer Adi Hütter löst sich Schritt für Schritt aus dem Schatten von Vorgänger Niko Kovac.
Adi Hütter (l.) und sein erfolgreicher Vorgänger Niko Kovac. Bild © Imago

Als Hütter im Sommer sein Amt bei den Hessen übernommen hatte, gab es nicht wenige, die dem Österreicher eine ungemütliche Saison prophezeiten. Gleich eine Handvoll Leistungsträger hatten den Club nach dem Pokalsieg verlassen, und mit Niko Kovac war auch noch der als Vater des Erfolgs gefeierte Trainer dem Lockruf des FC Bayern erlegen.

Die Rückschläge folgten auf dem Fuß: Supercup-Watschn gegen die Kovac-Bayern, peinliches Pokal-Aus bei Regionalligist Ulm. Dazu hatte Hütter nur begrenzten Einfluss auf die von Sportvorstand Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga vorangetriebene Personalpolitik. Die ominöse Trainingsgruppe 2, mit ausgemusterten und später wieder begnadigten Profis wie Marc Stendera oder Marco Fabián, war ebenfalls nicht Hütters Idee. Doch der Neue, der nach dem Schweizer Meistertitel mit YB Bern den Schritt in die Bundesliga wagte, trug die Entscheidungen nach außen klaglos mit.

Der Wandel zum Spitzenteam

Gut drei Monate später haben sich die Hessen in der öffentlichen Betrachtung vom Abstiegskandidaten zum Spitzenteam mit Champions-League-Ambitionen gemausert. Auf dem Weg dorthin bewies Hütter vor allem Flexibilität: Seine ursprünglich präferierte 4-4-2-Formation warf er schnell zugunsten einer Abwehr-Dreierkette mit einem zunächst formschwachen und mittlerweile überragenden Libero Makoto Hasebe über den Haufen. Die auf Pressing ausgelegte Trainingsarbeit ließ die Frankfurter fortan immer mutiger und offensiver agieren.

Hütter funktionierte den als charakterlich schwierig geltenden Flügelstürmer Filip Kostic zum mannschaftsdienlichen Linksverteidiger um. Er baute von Beginn auf den hochtalentierten, aber unerfahrenen Evan N'Dicka in der Innenverteidigung. Und er hatte zu guter Letzt den Mut, seine wuchtige Angriffs-"Büffelherde" Haller, Jovic und Rebic zusammen aufs die Wiese zu schicken. Zur Erinnerung: Die drei sind keine Neuzugänge, spielten aber im auf Defensive ausgelegten Konzept von Vorgänger Kovac keine gemeinsame Rolle. Dem Unterhaltungswert ist die jetzige Ausrichtung in jedem Fall zuträglich.

Mehr Kommunikation, weniger Regeln

Noch etwas hat sich im Vergleich zur zweifelsohne höchst erfolgreichen Kovac-Ära geändert: Hütter hält seine Spieler an einer etwas längeren Leine. Allzu strikte Regeln, mit denen sich Kovac aktuell auch bei den Bayern nicht nur Freunde macht, gehören der Vergangenheit an. "Der Unterschied ist, dass die Arbeit unter Kovac noch intensiver war. Dafür kommuniziert Hütter etwas mehr mit den Spielern", beschrieb Abwehrchef Hasebe die menschlichen Stärken des neuen Coachs. Damit schafft es der Österreicher, auch die Reservisten bei Laune zu halten.

Wie erfolgreich der neue Weg letztlich sein wird, muss sich noch zeigen. Niko Kovac hat die Messlatte schließlich verdammt hochgelegt. Ein erstes Zwischenfazit nach einem Drittel der Saison kann sich aber überaus sehen lassen: Die Eintracht überwintert in Europa und steht nach dem 3:0-Sieg vom Sonntag gegen Schalke 04 in der Bundesliga-Tabelle als Vierter sogar vor dem FC Bayern. Für Kovac ein ziemliches Fiasko, für den neuen heimlichen Eintracht-Star Hütter noch lange kein Grund für Kampfansagen.