Eintracht-Trainer Oliver Glasner hält am Spielfeldrand zwei Finger in die Höhe

Daten werden in der ganzen Welt immer wichtiger. Da kommt auch der Fußball nicht drumherum. Eintracht-Trainer Oliver Glasner unterstützt diese Entwicklung, warnt aber vor falschem Gebrauch.

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zum Video Glasner zerpflückt Statistik: "Was ist, wenn ich im Tor stehe?"

Oliver Glasner
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Wenn Eintracht-Trainer Oliver Glasner eines nicht leiden kann, dann die Floskel: "Das haben wir ja schon immer so gemacht". Da stellen sich dem Österreicher "die Nackenhaare auf", verriet er auf der Pressekonferenz am Donnerstag zum Spiel gegen Hertha BSC. Glasner ist ein vehementer Vertreter der These: "Wir können immer lernen. Und wir sollten immer lernen."

Der Fußball hat das in den vergangenen Jahren gemacht. Die Datenmengen, die heutige Trainer zur Verfügung haben, sind mit denen von vor 20 Jahren überhaupt nicht zu vergleichen. Jeder Sprint, jeder Zweikampf und jeder Pass wird digital erfasst und gespeichert. Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Coaching-Nachwuch, der sich mit diesen Daten auseinandersetzte, spöttisch "Laptop-Trainer" genannt. Heute gehört die computergesteuerte Trainings-Analyse bei jedem Bundesligisten zum Alltag. Glasner selbst baute jüngst sogar auf den "Videobeweis" im Training.

Das Problem mit den "expected goals"

Doch wie so viele guten Sachen hat auch die immer größer werdende Datenmenge ihre Schattenseiten. "Wir haben wahnsinnig viele Daten, aber du brauchst die Balance, um dich nicht in den Daten zu verlieren", sagte Glasner und führte sogleich eine aus seiner Sicht eher weniger gelungene Interpretation von Zahlenmaterial an: die sogenannten "expected goals", die zu erwartenden Tore.

Dieser inzwischen "überall herumschwirrende Wert" gibt auf einer Skala von 0 bis 1 die Wahrscheinlichkeit an, mit der aus einem Schuss ein Tor fällt. Bei einem Elfmeter liegt dieser Wert knapp unter 0,8. Heißt: von zehn Elfmetern gehen etwa acht rein. "Aber es ist doch ein Unterschied, ob Robert Lewandowski einen Elfmeter schießt oder ich und ob Kevin Trapp steht oder ich im Tor stehe", so Glasners Einwand. Der Wert, der statistisch errechnet wurde, sei aber immer derselbe.

Ernst Happel wusste es besser

Die zu erwartenden Tore eines Teams werden in einem Spiel zudem nur aus den erfolgten Abschlüssen errechnet und wie statistisch wahrscheinlich es ist, dass diese Schüsse ins Tor gehen. "Aber wenn ein Querpass durch den Strafraum geht und zwei Spieler grätschen um zwei Zentimeter vorbei, dann ist der Wert 0, weil sie ja den Ball nicht getroffen haben. Aber eigentlich ist es eine Riesentorchance", so der Eintracht-Trainer. Die Statistik habe daher "eine gewisse Unschärfe".

Zahlen und Daten sind per se weder gut noch schlecht. Erst die Einordnung gibt ihnen einen Wert. Das ist auch in der Welt des Fußballs keine neue Erkenntnis. Oliver Glasner hat das etwa von der österreichischen Spieler- und Trainerlegende Ernst Happel gelernt. "Der hat gesagt: 'Ich brauche keinen Innenverteidiger mit 100 Prozent Passquote, wenn er nur zum Torhüter zurückspielt'", erinnert der Eintracht-Trainer und orientiert sich daran. Ein riskanter Pass nach vorne ist zwar nicht unbedingt gut für jede Statistik, dafür aber manchmal eben fürs Spiel.