Adi Hütter
Eintracht-Trainer Adi Hütter Bild © Imago

Kondition bolzen und den Übergang von Niko Kovac zu Adi Hütter meistern – das sind zwei Ziele der Frankfurter Eintracht im Trainingslager in den USA. Der neue Trainer sieht noch viel Handlungsbedarf. Trotz Sonderlob für einen Spieler.

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Am späten Dienstagabend, als die Uhren rund um Salt Lake City langsam aber sicher auf Mitternacht zusteuerten, war die Zeit für das erste Sonderlob gekommen. "Genau deswegen haben wir ihn geholt. Er ist ein Spieler, der Torgefahr ausstrahlt", sagte Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter. "Er hat unglaublich gute Laufwege. Nach seiner Kreuzbandverletzung ist er natürlich noch nicht der Alte. Aber er ist auf einem sehr guten Weg. Er war sehr engagiert und hat sich dieses Tor redlich verdient."

Es braucht nur einen Blick auf die Statistik des Testspiel-Remis' (1:1) gegen den US-amerikanischen Club Real Salt Lake, um zu wissen: Diese Worte waren Nicolai Müller gerichtet. Der Offensivspieler, der quasi die komplette vergangene Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte und von Bundesliga-Absteiger Hamburger SV zu den Hessen wechselte, sorgte nach einer Ecke von Danny Blum per Kopf für den späten Ausgleich. Müllers bisherige Bilanz: zwei Testspiele, drei Tore. Ein erster Lichtblick dieser Sommervorbereitung.

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Dass die Eintracht ob zahlreicher Ab- und Zugänge einmal mehr einen sportlichen Umbruch bewältigen muss, steht seit Wochen fest. Dass es mit dem Trainerwechsel von Defensiv-Fanatiker Niko Kovac zu Offensiv- und Spektakel-Freund Hütter eine neue Spielphilosophie geben könnte, hatte sich ebenfalls angedeutet. Dass Hütter aber diesen Übergang überaus kritisch beäugt und Stand jetzt viel Handlungsbedarf sieht – das ist neu.

"Es fehlt noch sehr viel", sagte der 48-Jährige nach dem Testkick. "Ein bisschen wäre untertrieben. Aber man darf nicht vergessen: Wir haben erst am vergangenen Mittwoch mit dem Balltraining begonnen. Im mannschaftstaktischen Bereich haben wir noch nicht so viel gearbeitet. Die Mannschaft ist noch nicht spritzig, noch nicht aggressiv genug."

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Hütters Vision: In einigen Wochen soll erkennbar sein, dass seine Spieler auf dem Platz in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen treffen. Ein Vorwurf an die Mannschaft, weil es nach nur einer Woche noch nicht richtig anläuft? Völlig fehl am Platze: "Wir haben es dahingehend ja auch noch nicht richtig trainiert."

Und dennoch: Im Trainingslager in den USA ist weit mehr als bloß in Ansätzen erkennbar, in welche Richtung es unter dem neuen Eintracht-Trainer gehen soll: nach vorne. Gerne schnell, gerne direkt. Kommt dem Österreicher das Spielerische in den Einheiten zu kurz, greift er zur Trillerpfeife, unterbricht die Übung und erklärt: wie er sich ein schnelles Umschaltspiel vorstellt, wie Pressing und Gegenpressing auszusehen haben.

Noch weit weg, aber zuversichtlich

Viel Arbeit – aber auch noch viel Zeit bis zum Pflichtspiel-Auftakt im DFB-Pokal am 18. August beim SSV Ulm. Geht es nach dem Frankfurter Coach, sind die fünf Wochen bis dahin auch nötig. "Die Spieler sind neu, ich muss sie noch besser kennenlernen", sagte er. Im Training müsse irgendwann erkennbar sein, was Hütter sehen möchte. "Davon sind wir noch ziemlich weit weg", gesteht er. Verspricht aber auch: "Ich bin zuversichtlich, weil ich schon einige gute Sachen gesehen habe." Klingt fast so, als würde das nächste Sonderlob nicht lange auf sich warten lassen.