Adi Hütter beim Spiel in Leverkusen

Für die Frankfurter Eintracht geht es nach dem Pokal-Highlight gegen Bremen in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen weiter. Trainer Adi Hütter blickt angespannt auf die Partie und macht sich auf einen Balanceakt gefasst.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht in Leverkusen: Bitte nicht noch einmal

Eintracht-Frust in Leverkusen
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Der Stachel sitzt noch tief bei Adi Hütter. Am Samstag (15.30 Uhr) kehrt der Coach mit der Frankfurter Eintracht im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen zum Ort seiner persönlich größten Schmach zurück. Das 1:6 vom Mai 2019, das in dieser Form bereits nach einer guten halben Stunde Bestand hatte, war das schlechteste Spiel, das die Hessen bis heute unter der Ägide des Österreichers absolvierten. "Das war als Spieler und Trainer meine schlimmste Niederlage", meint Hütter und geht damit sogar noch einen Schritt weiter.

Der Coach selbst trug an jenem lauen Sonntagabend keine unwesentliche Mitschuld an der Pleite, die seinerzeit das Ende aller hessischen Champions-League-Träume anleitete. Hütter hatte personell und taktisch munter umgestellt und sich damit schlicht vercoacht. "Das darf uns nicht nochmal passieren", sagt der 50-Jährige nun vor der erneuten Dienstreise in die BayArena: "Wir müssen es weit, weit besser machen als letztes Jahr."

Nur Dost fehlt weiterhin

Zumindest in Sachen Personal dürfte der Frankfurter Übungsleiter keine allzu großen Experimente eingehen. Sämtliche angeschlagenen Spieler konnten nach dem Pokalspiel gegen Werder Bremen kleinere Blessuren auskurieren, so dass die Hessen das Unternehmen Wiedergutmachung in Bestbesetzung angehen können. Auch Mittelfeldmotor Sebastian Rode, der gegen Bremen kurzfristig passen musste, hat seine Magen-Darm-Probleme überwunden. "Ich gehe davon aus, dass alle an Bord sind", sagt Hütter.

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Vier Spiele Sperre für Kostic

Filip Kostic wird der Eintracht in dieser DFB-Pokalsaison nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Serbe wurde nach seiner Roten Karte im Viertelfinale gegen Werder Bremen für vier Spiele gesperrt.

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Einzig Dauerpatient Bas Dost wird der Eintracht in diesem Spiel wie auch in den kommenden Wochen weiter fehlen. Der unter hartnäckigen Adduktorenproblemen leidende Stürmer ist noch immer in der Reha, eine Rückkehr ins Mannschaftstraining aktuell nicht absehbar. "Mein Wunsch ist, dass er nach der Länderspielpause wieder dabei sein könnte", hofft Hütter vorsichtig. Frühestmögliches Comeback wäre demnach im Heimspiel am 5. April gegen den SC Freiburg.

Favoritenrolle klar verteilt

Schwieriger als die nominelle Aufstellung gegen Bayer dürfte für den Frankfurter Fußballlehrer ohnehin die physische und psychische Komponente werden. Gelingt es Hütter, seiner in Europa League und DFB-Pokal brillierenden Mannschaft auch für den Ligaalltag die Sinne zu schärfen? "In der Liga müssen wir aufpassen, dass wir nicht nach hinten reinrutschen", weiß der Coach um die trügerische Lage im Tabellenmittelfeld. Angesichts der kommenden schweren Aufgaben könnte es nochmal ungemütlich werden.

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Voraussichtliche Aufstellungen

Leverkusen: Hradecky - Tah, S. Bender, Tapsoba - Weiser, Aranguiz, Demirbay, Sinkgraven - Havertz, Diaby - Alario

Frankfurt: Trapp - Toure, Abraham, Hinteregger, Ndicka - Ilsanker - Rode, Sow - Gacinovic, Kostic - Silva

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Und mit Leverkusen wartet gleich ein ganz dicker Brocken. Die Rheinländer feierten in elf Rückrunden-Pflichtspielen neun Siege, sind wie die Eintracht in beiden Pokal-Wettbewerben noch dabei und pirschen sich in die Bundesliga mehr und mehr in Richtung Spitze. "Leverkusen ist sehr gut drauf. In ihrer Verfassung sind sie sicher ein Mitfavorit auf den Titel", warnt Hütter vor der Werkself. Entsprechend geklärt sei auch die Favoritenrolle. "Wir müssen defensiv sehr gut sein und trotz allem versuchen, nach vorne zu spielen", formuliert Hütter den Balanceakt.

Ilsanker als Sinnbild

Einer, der sich dem Bayer-Offensivwirbel entgegenstellen könnte, ist Stefan Ilsanker. Der Winter-Neuzugang, der im Pokalspiel gegen Werder trotz zweier Gesichts-Platzwunden bis zum Ende mit Turban durchhielt, steht für jenen unbedingten Kampfgeist und Siegeswillen, der den Hessen zuletzt in der Bundesliga etwas abging. "Über dem linken Auge ist es schon sehr geschwollen. Er schaut ein bisschen wild aus", berichtet Hütter, der seinen Landsmann aber umgehend beruhigte: "Ich habe ihm gesagt, Männer mit ein paar Narben im Gesicht werden interessanter."

Auf Männer mit Narben im Gesicht wird es für die Eintracht sinnbildlich auch am Samstag ankommen. Zumal Leverkusen, das auf die verletzten Lars Bender, Nadiem Amiri und Kevin Volland verzichten muss, ebenfalls eine noch Rechnung offen hat: Das Hinspiel in dieser Saison gewann Frankfurt klar mit 3:0.  

Sendung: hr1, 7.03.2020, 8.00 Uhr