Sébastien Haller mischte beim Training in London mit
Sébastien Haller mischte beim Training in London mit Bild © picture-alliance/dpa

Nicht über sieben Brücken, sondern über die Stamford Bridge muss Eintracht Frankfurt auf dem Weg ins Finale der Europa League gehen. Vorbild in Sachen Wunder ist der FC Liverpool – und sogar das Royal Baby könnte zu einem guten Omen werden.

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Regen. Und ein Busfahrer, der sich auf seinem Smartphone die allerersten Fotos des royalen Baby-Boys Archie Harrison anschaut. Nein, viel britischer hätten die Klischees nicht sein können, die sich bei der Ankunft am Flughafen Stansted rund 60 Kilometer nordöstlich von London offenbarten.

Zumindest für den mitgereisten Reporter-Tross, dem Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter wenige Stunden später im Inneren der Stamford Bridge gegenübertrat. Erst zur Pressekonferenz, dann beim Abschlusstraining. Da waren es nur noch gut 24 Stunden bis zum Halbfinal-Rückspiel in der Europa League beim FC Chelsea. Nach den Partien gegen Donezk, in Mailand und gegen Lissabon der nächste mögliche Meilenstein in der jüngeren Vereinsgeschichte des hessischen Bundesligisten.

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Eintracht kann "Historisches" schaffen

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Das Spiel der Eintracht gibt es am Donnerstag ab 21 Uhr in der hr-iNFO-Vollreportage und im Social Radio bei hessenschau.de. Auch hr1 berichtet ab 19 Uhr ausführlich von der Partie

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Kein Wunder also, dass an die 15 TV-Kameras die Aussagen Hütters dokumentierten. Der Österreicher hofft auf ein "überragendes, ein perfektes Spiel". Seine Mannschaft könne "Historisches schaffen". Aussagen, die Kapitän David Abraham unterstreicht: "Das Ganze hier ist mit großem Stolz verbunden." So viel also zu den Emotionen. Und die Fakten?

Vor dem Europacup-Kracher am Donnerstag drehen sich die spannendsten Fragen ums Frankfurter Personal. Das Wichtigste zusammengefasst: Stürmer Sébastien Haller (Bauchmuskelverletzung) sei in den jüngsten Trainingseinheiten schmerzfrei gewesen und "ein Thema" für das Rückspiel. Im selben Atemzug betont Hütter aber auch, dass er für den endgültigen Kader ja noch zwei Profis streichen müsse. Mittelfeldspieler Sebastian Rode, in Leverkusen mit einer Verschnaufpause bedacht, habe signalisiert, dass er fit ist. Und Jetro Willems sei aus "rein sportlichen Gründen" nicht mit nach England gereist.

Liverpool als Vorbild

Gegen Chelsea, das ist logisch und nachvollziehbar, erwartet der Coach ohnehin einen anderen Auftritt als noch am vergangenen Wochenende. Das historisch schlechte 1:6 bei der Werkself, "die Klatsche", wie Hütter sagt, sei so schnell wie möglich aufgearbeitet worden. Nach einem freien Dienstag habe er sein Team am Mittwochvormittag mit einem "guten Gefühl" wieder in Empfang genommen. Und mit einem Champions-League-Spiel im Hinterkopf, über das in diesen Tagen jeder Fußballfan spricht.

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Wie der FC Liverpool am Dienstagabend den FC Barcelona mit 4:0 besiegt hat und nach einem 0:3 im Hinspiel ins Endspiel der Königsklasse eingezogen ist, steigert bei der Eintracht die Hoffnung auf das eigene Wunder. "Wille, Lust, Leidenschaft, Mut." Das sind die vier Elemente, die Abraham im Spiel der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp identifiziert hat. Und Adi Hütter? Formuliert einen Satz, der gleichermaßen die Marschroute für sein eigenes Team sein könnte: "Liverpool hat gezeigt, was es heißt, wenn man an etwas glaubt." Dass die Frankfurter mit einem vergleichsweise komfortablen 1:1 nach London gekommen sind, gerät bei derlei Pathos fast in Vergessenheit.

Bei Chelsea gibt es Streit

Ein Vorteil für die Hessen könnte zudem sein, dass sich beim FC Chelsea derzeit nicht alles um das Rückspiel dreht. Die "Blues" haben einen Champions-League-Platz mittlerweile über die Premier League sicher, dürften in der Europa League also nicht mehr den allergrößten Druck verspüren. Hinzu kommen der öffentlich ausgetragene Streit zwischen Kapitän Gary Cahill und Trainer Maurizio Sarri sowie der durch ein Transferverbot bedingte Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Zu viel Drumherum, zu wenig Fußball? Für Trainer Adi Hütter jedenfalls wäre es "schon ein Wunder, wenn es Eintracht Frankfurt ins Finale der Europa League schaffen könnte".

Archie als Omen?

Wer auf dem Weg zum Endspiel am 29. Mai in Baku noch auf der Suche noch einem guten Omen ist, dem sei ein Blick auf den vollständigen Namen des Royal Baby empfohlen: Archie Harrison Mountbatten-Windsor. Mountbatten? Jawohl, der englische Zweig des deutschen Adelsgeschlechts Battenberg, benannt nach der Kleinstadt Battenberg in Nordhessen. Quasi ein kleines Stück Hessen im Trubel um Meghan und Harry. Für ein großes Stück eigene Fußball-Geschichte kann Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend selbst sorgen.