Eintracht-Coach Adi Hütter in Lissabon.

Die Eintracht fiebert dem Viertelfinal-Hinspiel gegen Benfica entgegen und ist bereit für die nächste magische Nacht. Der angeschlagene Sébastian Haller könnte jedoch zum Stimmungskiller werden. Oder ist alles nur ein Bluff?

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In Lissabon lässt es sich in diesen Tagen ganz gut aushalten. Die bei der Landung am Mittwochmittag noch etwas schüchterne April-Sonne wärmt Gesichter und Gemüter, in den zahlreichen Straßencafés läuft die Pasteis-de-Nata-Verköstigung auf Hochtouren. Zusätzlich zum ohnehin schon sehr bunten Treiben in Portugals Hauptstadt schmücken am Tag vor dem Europa-League-Viertelfinale der Eintracht bei Benfica immer wieder Frankfurter Fans das Stadtbild. Hier ein Espresso, dort ein kurzer Plausch. So in etwa fühlt sich Urlaub an.

"Man kann diese Vorfreude nicht in einem Satz beschreiben. Unser Traum lebt weiter", fasste Trainer Adi Hütter den Frankfurter Gefühls-Ausnahmezustand auf der Pressekonferenz tief drinnen im Estadio da Luz zusammen. Die Eintracht-Anhänger, dieses Mal sind es offiziell etwas mehr als 3.000, zelebrieren die nun schon 14. internationale Sause in dieser Saison (das Geisterspiel in Marseille zählt nicht) noch immer voller Inbrunst.

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"Normal ist das alles nicht"

Die Mannschaft, seit ebenso vielen Spielen auf europäischer Bühne ungeschlagen, ist heiß auf die nächste Überraschung. Mittlerweile etwas Routine: ja. Gewohnheit: nein. "Normal ist das alles nicht, das muss man klar sagen", so Hütter.

Sollte die Eintracht, die letztmals 1995 gegen Juventus Turin in einem europäischen Viertelfinale stand, am Donnerstag (ab 21 Uhr im Social Radio) mindestens ein Remis erreichen, hätte sie nicht nur die von allen gewünschte gute Ausganglage fürs Rückspiel. Nebenbei wäre auch die niederlagenlose Serie von Atletico Madrid aus der Saison 2011/12 eingestellt. Ein europäischer Rekord in Frankfurter Hand. Auch das hat es sehr lange nicht gegeben.

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Adi Hütter
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Eintracht muss defensiv alles abrufen

Damit es soweit kommt, muss aber wohl einiges zusammenkommen. Benfica, in der heimischen Liga punktgleich mit Meister Porto an der Spitze, geht "ein bisschen favorisiert" in die Partie, wie Hütter einschätzt. "Jahrhunderttalent" (Hütter) Joao Felix und der Ex-Frankfurter Haris Seferovic im Sturm sowie Rafa Silva, Pizzi oder der Brasilianer Jonas im offensiven Mittelfeld gehören zur europäischen Feinkostabteilung.

Die Eintracht muss defensiv alles abrufen und im Spiel nach vorne die richtige Balance finden. Hinzu kommt, dass die stimmungstechnisch verwöhnte Frankfurter Mannschaft erstmals in dieser Europacup-Spielzeit ein echtes Auswärtsspiel vor rund 66.000 portugiesischen Fans bestreiten muss. "Da sind wir ausnahmsweise nicht im Vorteil."

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HEIMSPIEL! EXTRA AM FREITAG

Das hr-fernsehen zeigt am Freitag, 12. April, um 18.25 Uhr eine Sondersendung zum Europa-League-Spiel der Eintracht in Lissabon. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen die Fans und die unterschiedliche Art und Weise, die Reise zum Auswärtsspiel nach Portugal zu bestreiten.

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Vier prominente Wackelkandidaten

Der entscheidende Unterschied zu den so erfolgreich verlaufenden K.o.-Spielen gegen die Topteams Schachtar Donezk und Inter Mailand ist aber wohl der eigene Kader. Nachdem die Eintracht bisher weitgehend von Verletzungen verschont blieb, gibt es vor dem Duell mit Benfica gleich vier prominente Wackelkandidaten.

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Bartlitz still
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Mijat Gacinovic, Sebastian Rode und Sébastien Haller, die allesamt auf Schalke fehlten und schmerzlich vermisst wurden, konnten die ganze Woche nur dosiert trainieren. Defensiv-Kante Martin Hinteregger hat zudem eine Brustkorb- und Kehlkopfprellung sowie eine gebrochene Mittelhand aus Gelsenkirchen mitgebracht und muss sich noch an eine Spezialschiene gewöhnen.

Haller mit individuellem Programm

"Wenn er keine Schmerzen hat, spielt er", zeigte sich Coach Hütter bei seinem Landsmann vorsichtig optimistisch und schrieb Hinteregger eine Einsatzgarantie aus. Deutlich wortkarger gab sich der Österreicher jedoch beim Verletzten-Trio Gacinovic-Rode-Haller. "Das werden wir morgen sehen", waren die einzigen Worte, die Hütter zu entlocken waren. Optimismus klingt anders, sagen die einen. Er lässt sich nicht in die Karten schauen und blufft, die anderen.

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Hütter Still
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Beim Abschlusstraining vor leeren und dennoch imposanten Rängen zeigten sich dann wenig später immerhin Rode und Gacinovic im Kreise der Mannschaft. Stürmer Haller absolvierte zeitgleich in den Katakomben "ein individuelles Spezialprogramm", wie die Frankfurter Medienabteilung mitteilte. Der Einsatz des zweitbesten Scorers und Zielspielers in der Offensive ist fraglich. Ein Ausfall würde die Eintracht, das bewies nicht zuletzt die holprige Partie auf Schalke, treffen.

Mut macht da ein Blick zurück: Denn auch beim Achtelfinal-Rückspiel in Mailand fehlte Haller, der Probleme mit den Bauchmuskeln hat, beim Abschlusstraining. Keine 24 Stunden später stand er auf dem Platz und bejubelte die nächste magische Nacht. Es muss nicht die letzte gewesen sein.