Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic war nach dem 2:1-Sieg gegen Hoffenheim erleichtert.

Die Corona-Krise hat auch Eintracht Frankfurt fest im Griff. Sportvorstand Fredi Bobic erklärt, wie sich die Spieler in der häuslichen Quarantäne fit halten und was ein Saisonabbruch für den Fußball bedeuten würde.

Videobeitrag

Video

zum Video Bobic: "Es werden am Ende nicht die beiden Einzigen sein."

Fredi Bobic am Mikrofon
Ende des Videobeitrags

Das Leben als Vorstand eines Fußballbundesligisten stellt man sich ja ohnehin turbulent vor. Was Fredi Bobic aktuell aber erlebt, ist auch für den erprobten Bundesligafunktionär Neuland. Eine ausgesetzte Saison, mit Covid19 infizierte Spieler, Spieler und ein Teil der Mitarbeiter in häuslicher Quarantäne, Arbeiten aus dem Homeoffice. Und dann das "Gefühl der Ungewissheit" und die Sorge um die Familie. Die Corona-Pandemie hat alles verändert, natürlich auch für Bobic, der dennoch versucht, den Laden Eintracht Frankfurt zusammenzuhalten.

Immerhin: Den beiden erkrankten Spielern der Hessen geht es gut. "Es zeigen sich die typischen Symptome, aber es handelt sich um keinen kritischen Zustand", so Bobic im Interview auf der vereinseigenen Homepage, der weitere Infizierte im Team ausdrücklich nicht ausschloss. "Bald liegen uns auch die restlichen Testergebnisse vor. Deshalb kann es möglich sein, dass noch der eine oder andere Spieler dazu kommt und es generell weitere Beteiligte erwischen wird – so wie bei jeder anderen Mannschaft auch."

"Die Jungs bekommen ihr Essen geliefert"

Damit diese Mannschaft trotz unfreiwilliger Spielbetriebspause dennoch fit bleibt, haben Bobic und Co. diverse Maßnahmen in die Wege geleitet. "Die Jungs bekommen ihr Essen geliefert, das sich über eine eigens eingerichtete App bei unserem Mannschaftskoch bestellen lässt", so Bobic. Zudem habe jeder Spieler ein Ergometer geliefert bekommen, der Fitnesstrainer der Hessen gibt per Video Anweisungen. "Es gibt einen Plan und klare Vorgaben. Unabhängig davon haben die Jungs große Lust, ihren Körper fit zu halten und sich zu bewegen."

Trainingsarbeit im Homeoffice also, mit der sich die Spieler so gut es geht auf den Tag vorbereiten sollen, an dem der Ball wieder rollt. Auch wenn dieser Tag aktuell noch weit entfernt scheint. In der Bundesliga ist der Spielbetrieb von der DFL bis zum 2. April unterbrochen, vorerst. Höchstwahrscheinlich wird es aber wohl für einen längeren Zeitraum keine Spiele geben. Aktuell laufen die Planungen in den Verbänden auf Hochtouren, oberstes Ziel dabei ist, einen Saisonabbruch zu vermeiden, der für viele Vereine einem finanziellen Desaster gleichkäme.

"Wichtig ist, dass Eintracht Frankfurt und die Klubs überleben"

"Ein Saisonabbruch wäre natürlich nichts Positives. Für alle Klubs und auch Eintracht Frankfurt wäre es ein wirtschaftlich hoher Schaden", weiß natürlich auch Bobic. "Wir werden alles dafür tun und hoffen, dass wir auch weiter Fußball spielen können." Im "Wirtschaftszweig Fußball" gehe es schließlich auch um Arbeitsplätze, derer laut DFL-Chef Christian Seifert knapp 60.000 hängen am Spielbetrieb der oberen Ligen. "Ein Saisonabbruch würde sehr, sehr viele sehr hart treffen. Wie viele kleine oder mittelständische Unternehmen auch", so Bobic, der dennoch klarstellt: "Es muss sicher und darf für die Gesundheit nicht schädlich sein."

Und so scheint es gut möglich, dass auch die Spieler der Eintracht den Gürtel enger schnallen müssen, damit der Verein halbwegs durch die Krise kommt. "Ich finde das Thema Gehaltsverzicht sehr spannend", so Bobic. "Ich glaube, dass auch bei uns jeder seinen Beitrag leisten wird. Bei Eintracht Frankfurt und generell." Man müsse zunächst untersuchen, wie groß der finanzielle Schaden ausfiele, er könne aber "mit Sicherheit sagen, dass jeder seinen Solidaritätsbeitrag leisten wird. Wir werden alles dafür tun, die Arbeitsplätze im Klub und im Fußball insgesamt zu sichern." Die Lage, sie ist ernst. Wie ernst, lässt sich an Bobics oberster Prämisse ablesen: "Wichtig ist, dass Eintracht Frankfurt und die Klubs überleben."

"Dann brauchen wir über Transfers nicht zu reden"

Es sind also die ganz großen Fragen, die Bobic und seine Kollegen aktuell umtreiben. Während das alltägliche Klein-Klein eher auf Eis liegt. Vertragsverlängerungen hängen in der Luft, auch Transfers gestalten sich schwierig, wenn niemand weiß, wann wieder gespielt wird. "Wenn du nicht zum Fußballspielen kommst, dann brauchen wir über Transfers nicht zu reden", so Bobic, der aber auch sagt: "Wir sind positiv und guter Dinge, dass wir wieder auf den Platz zurückkehren können und es ein halbwegs normaler Transfersommer wird. Wir sollten erst einmal schauen, was passiert, bevor man sich Horrorszenarien ausmalt." Es sei auch "eine Stärke des Fußballs, positiv nach vorne zu schauen", so Bobic. Und in der Tat: Die Horrorszenarien, es gibt sie aktuell ja ohnehin in anderen Bereichen.