Die Eintracht hat mit der Niederlage in Leverkusen wichtige Punkte verspielt.

Die Frankfurter Eintracht hat im Kampf um die Champions League wichtige Punkte gelassen. Nach der Niederlage in Leverkusen steigt der Druck. Während bei den Fans alte Wunden wieder aufreißen, spricht der Präsident ein Machtwort.

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zum Video Die Pressekonferenz nach der Eintracht-Niederlage in Leverkusen

Adi Hütter
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Mit der Frankfurter Eintracht und dem Erreichen der Champions League ist es ein wenig wie mit einem Paar kurz vor der Hochzeit: Es war alles geplant, die Vorfreude riesig, aber kurz bevor es ernst wird, kriselt es. Dabei hätte alles so schön sein können. Das große Ziel, das erste Mal überhaupt die Qualifikation für die Königsklasse zu schaffen, es schien für die Eintracht nur eine Frage der Zeit.

Doch seit Trainer Adi Hütter angekündigt hat, den Verein im Sommer zu verlassen, knirscht es mächtig. Und das ausgerechnet jetzt, wenige Spieltage vor Saisonende, vor der so wichtigen Entscheidung im Kampf um die europäischen Plätze. Der Trainer als Partycrasher?

Lowlight Leverkusen

Das 1:3 in Leverkusen am Samstagabend, es dürfte Fans und Verantwortlichen mit Blick auf die Champions League zumindest die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Die Gastgeber waren früh das bessere Team, auf der Eintracht hingegen lastete spürbarer Druck. Schließlich hatte Verfolger Dortmund bereits am Nachmittag in Wolfsburg gewonnen, die Frankfurter beinahe zum Siegen verdammt.

Und so wirkte das Team bisweilen gehemmt, tat sich schwer und agierte unglücklich. Die Szene zum dritten Leverkusener Treffer scheint exemplarisch: Tuta fälschte Kerem Demirbays bis dahin nicht brandgefährlichen Schuss unglücklich ab. Keeper Kevin Trapp hatte keine Chance und konnte dem Ball eigentlich nur noch beim Einschlagen ins Tor zusehen. Die Entscheidung in der Nachspielzeit, und das nur 56 Sekunden nach dem Frankfurter Anschlusstreffer. Bitter und bezeichnend.

Der Druck steigt

Das gilt auch für den Blick auf die Tabelle, in der der zwischenzeitlich komfortable Vorsprung auf den BVB jetzt auf einen Punkt geschrumpft ist. Denn die Dortmunder haben sich in einer turbulenten Saison zuletzt gefangen. Waren sie in den vergangenen Jahren stets im sicheren Hafen der Champions League zu Hause, drohte im verflixten fünften Jahr die Trennung von der Königsklasse. Nun aber sind die Dortmunder aus Sicht der Eintracht gefährlich nah.

Der Druck, scheint greifbar. Das zeigen auch die Reaktionen nach der Niederlage in Leverkusen. Martin Hinteregger, ohnehin Freund klarer Worte, scheute die auch nach dem 1:3 nicht. "Vor ein paar Wochen war es noch so, dass wir die Champions League erspielen können. Nachdem wir sieben Punkte vorne waren ist das Gefühl jetzt eher dazu umgeschwenkt, dass wir die Champions League verlieren können“, sagte der Österreicher.

"Jede Partie ein Finale"

Und Hütter? Der reagierte wie so oft in den vergangenen Wochen, wenn es um mehr als bloße Rechenspiele, sondern um emotional hoch aufgeladene und auch für die Profis nicht einfache Situationen ging. "Wir können nicht mehr viel verlieren. Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir unter den ersten Sechs landen würden, hätte das jeder sofort unterschrieben", sagte der Trainer. Vom Druck, der Belastung seiner Spieler, schien er nichts wissen zu wollen. "Wir sind international dabei und versuchen, etwas ganz, ganz Großes zu erreichen, das Frankfurt noch nie erreicht hat. Dazu benötigen wir auch eine gewisse Lockerheit", so Hütter, der – um beim Bild des Paares kurz vor der Hochzeit zu bleiben – ein wenig an einen umtriebigen Weddingplaner erinnerte, der stets betont, die Einladungen seien schließlich schon verschickt, das Paar solle sich nun nicht so anstellen.

Fredi Bobic unterstütze ihn dabei: "Es liegt in unserer Hand, wir müssen nur auf uns selbst schauen. Das ist das Schönste", sagte der Sportvorstand, der den Club ebenfalls im Sommer, bestenfalls auch nach der Champions-League-Party, verlässt. "Wir müssen die Spiele nun mit Vorfreude so angehen, als wäre jede Partie ein Finale." Nur – auch in einem Finale verschwindet der Druck nicht einfach davon, dass man ihn leugnet.

Alte vs. neue Liebe

Das sehen auch die Fans, bei denen aktuell auch deshalb alte Wunden aufgerissen werden, weil sie all das, was gerade in ihrem Lieblingsclub passiert, an den Abschied von Niko Kovac erinnert. Der hatte sich schließlich auch erst zur Eintracht bekannt, und sich dann doch für die neue Liebe, die Bayern entschieden – ahnte da aber indes noch nicht, dass es mit dem Happy End an der Isar nichts werden würde. Für die Eintracht begann nach Bekanntwerden der Wechsel-Absichten eine sportliche Talfahrt, zumindest in der Bundesliga. Die Beziehung, sie wies schon deutliche Risse auf. Der Pokalsieg, er versöhnte und dürfte auch Kovac noch einmal gezeigt haben, was er an seiner alten Liebe hat.

Die Neue von Hütter, sie kann der Eintracht auf dem Weg in die Champions League, zwar nicht mehr gefährlich werden, dass die Frankfurter aber nur wenige Tage nachdem Hütters Abschied offiziell wurde, in Gladbach eine empfindliche Niederlage einstecken mussten, scheint exemplarisch für die aktuelle Phase. Dass es mit der Champions League am Ende doch nicht klappen könnte, daran mag Präsident Peter Fischer nicht einmal denken. "Wir haben das sehr gut im Griff", sagte er am Samstagabend im Sportstudio.

Happy End wie im Märchen?

Und nicht nur das, die Eintracht habe es ja auch selbst in der Hand. "Wir haben noch drei Spiele vor uns. Uns kann es niemand nehmen", so Fischer. "Ich weiß, was meine Truppe kann." Der Präsident, er strahlte Optimismus aus und tat das mit einer Selbstverständlichkeit, die bei all jenen, die den Club am Saisonende verlassen, fehlte, und irgendwie bemüht wirkte. "Wir müssen positiv nach vorne gucken und das Ding rocken. Es ist immer noch ein Märchen.“ Und die haben bekanntermaßen auch ein Happy End.

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Erreicht die Eintracht die Champions League?

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