Armin Reutershahn

Die Corona-Krise macht auch Eintracht Frankfurts Co-Trainer Armin Reutershahn zu schaffen. Er hofft auf eine schnelle Rückkehr zum Spielbetrieb, auch wenn Fußball aktuell nicht das Wichtigste ist. "Es geht ums nackte Überleben", sagt er.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Co-Trainer Reutershahn: "Schwierige Zeit für alle"

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3-5-2, 4-4-2, oder doch lieber 4-3-3? Man sollte meinen, Eintracht Frankfurts Co-Trainer Armin Reutershahn kenne sich gut mit Zahlen aus. Allein: Die Corona-Krise zeigt dem 60-Jährigen, dass dem nicht so ist. "Aktuell fühle mich wie ein kleiner Lehrer", lacht Reutershahn in der Presserunde via Telefon. "Mit meinem Sohn muss ich Hausaufgaben machen, Primzahlen, Froschlaich und Nordseeverschmutzung. Da sind viele Fragen offen, die normalerweise der Lehrer beantwortet." Die Erkenntnis: "Das ist das fünfte Schuljahr, das geht gerade noch. Aber in Primzahlen muss man sich ordentlich einlesen."

Zeit dazu hat er ja. Schließlich hat die Corona-Pandemie auch Reutershahn ins Homeoffice geschickt, mit dem Nachteil, dass sich ein Job als Fußballtrainer von zuhause aus nicht ganz so gut ausüben lässt. "Es ist eine ungewohnte Situation, ich bin lange dabei und so etwas hat noch niemand erlebt", so Reutershahn. "Seit ich sechs bin, beschäftige ich mich mit Fußball, das fehlt natürlich. Täglich auf dem Platz zu sein, mit den Jungs zu arbeiten. Mitten in der Saison herausgerissen zu werden, ist schwierig für den Kopf." In der Zwischenzeit analysiert er die Eintracht-Spiele der unterbrochenen Saison, einmal am Tag telefoniert er mit Cheftrainer Adi Hütter, macht ein paar Stabilisations- und Dehnübungen. Und sonst? "Ich lese viel, höre CDs und gucke DVDs, um mich inspirieren zu lassen. Die Zeit hat man im Tagesgeschäft ja gar nicht."

"Am 5. April erstes Training"

Immerhin: Reutershahn ist optimistisch, dass er bald wieder seiner Arbeit nachgehen kann. "Wir halten uns an die Fakten und daran, was die DFL beschlossen hat. Wir gehen davon aus, dass wir uns am 5. April zum ersten Training treffen und hoffen, dass wir Ende April, Anfang Mai wieder spielen können", so Reutershahn, der aber auch weiß: "Das steht alles in den Sternen."

Sollte der Tag X demnächst kommen, wird die Mannschaft, da ist er sich sicher, gewappnet sein. "Konditionell und athletisch haben wir nichts verloren und können sofort im mannschaftstaktischen Bereich beginnen." Vom zeitlichen Rahmen sei der Ablauf wie eine normale Vorbereitung. "Alle Spieler, alle Vereine sind hochprofessionell aufgestellt und erfüllen ihre Aufgaben. Die Spieler sind in Kontakt mit den Trainern, Athletliktrainern und Rehatrainern. Körperlich verlierst du nicht viel. Und dann hast du drei, vier Wochen Zeit, dich auf die letzte Tranche der Rückrunde vorzubereiten."

"Jetzt geht ums nackte Überleben"

Aktuell scheint der Fußball dennoch weit weg, auch für Reutershahn. "Jetzt geht ums nackte Überleben", so Reutershahn eindringlich. "Kann ich meinen Job behalten? Was wird aus meinen Eltern? Bleiben sie gesund, bleiben sie am Leben? Das sind Fragen, die die Menschheit jetzt betreffen." Auch er selbst habe Menschen in seinem Umfeld, für die die Krise existenzbedrohend scheint. "Ich habe viel Kontakt zu Leuten, die sich gerade beruflich neu orientiert haben, die ein Restaurant oder Café aufgemacht haben und nicht wissen, wie es weitergeht. Die keine Einnahmen mehr haben, aber die Bank bedienen müssen. Das ist dramatisch." Auch sein älterer Sohn sei davon betroffen, der sich aktuell in der Probezeit befinde.

Und so wirken ein paar kleinere Probleme mit Primzahlen schnell recht unbedeutend. "Ich weiß nicht, wie es nach der Krise weitergeht. Ich glaube nicht, dass hinterher alles gut sein wird", so Reutershahn, der immerhin auf eine Art Lerneffekt durch die Krise hofft. "Ich glaube, das Bewusstsein für die Familie, für die Nächsten, die Freunde könnte durch die Krise geschärft werden. Ob das hinterher auch noch so ist, wenn der Alltag wieder losgeht?" Auch das steht, wie so vieles aktuell, in den Sternen.