Christopher Lenz

Die Karriere von Eintracht Frankfurts neuem Linksverteidiger verlief durchaus eigenwillig. Nun will der Spätberufene bei den Hessen durchstarten. Und freut sich vor allem auf Europa.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Christopher Lenz: "Fühle mich gerüstet"

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Von gemütlichem Aufgalopp konnte an Christopher Lenz‘ erstem Arbeitstag bei Eintracht Frankfurt wahrlich keine Rede sein. Ein in vier Zonen unterteiltes Spielfeld, vier Teams, die sich gegenseitig pausenlos pressten, dazu ein Trainer, der wieder und wieder die Einheit unterbrach, um dem Team seine Idee vom intensiven Fußball en detail zu erklären. Der erste Tag hatte es direkt in sich.

Aber er war wohl auch nicht unmachbar. "Die Trainingseinheit war anstrengend, aber nicht zu anstrengend", zeigte ein gut gelaunter Lenz auf der Pressekonferenz nach dem Training Nehmerqualitäten. "Es ging direkt um Inhalte, mit einem neuen Trainer mit neuer Philosophie, die er uns an Tag eins schon mitgeben will." Diese beinhaltet, man ahnt es, sehr viel Laufarbeit.

"Die Vorfreude ist riesig"

Für Lenz dürfte das kein allzu großes Problem sein, sein Ex-Klub Union Berlin lief in der vergangenen Saison exakt 4.089,08 Kilometer, was Liga-Bestwert bedeutete. Lenz selbst lief pro Spiel 11,13 Kilometer, das Rüstzeug für das, was kommt, bringt er also mit. Und das ist: der nächste große Schritt in einer eigenwilligen Karriere. "Die Vorfreude ist riesig. Vor zwei Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können, dass ich Europa League spiele."

Denn Lenz ist der klassische Spätstarter. Ausgebildet bei der Hertha und Borussia Mönchengladbach, fiel er am Niederrhein zunächst durchs Raster und kickte ganze vier Saisons nur in der Regionalliga-Reserve. Zweitligist Union Berlin schlug schließlich zu, für die "Eisernen" machte Lenz aber zunächst nur ein Spiel, wurde dann anderthalb Jahre zu Drittligist Kiel ausgeliehen, mit denen er um ein Haar den Durchmarsch in die Bundesliga schaffte.

Durchbruch mit Mitte 20

Zurück bei Union dauerte es ein weiteres Jahr, bis Lenz wirklich ankam. Erst in der Bundesliga wurde der ehemalige U-Nationalspieler zum Stammspieler. Ein Spätberufener also, der erst mit Mitte Zwanzig den Durchbruch schaffte und sich mit guten Leistungen schließlich für den nächsten Karriereschritt in Frankfurt empfahl.

Von wie viel Spielzeit dieser Schritt nun geprägt sein wird, hängt sicherlich auch an Filip Kostic. Der Serbe ist, wenn er denn bleibt, als Schienenspieler auf Links unersetzlich. Denkbar wäre allerdings auch, dass Glasner Kostic weiter vorzieht, um in der Abwehr mit Viererkette zu spielen. Dann schlüge die Stunde von Lenz, der seine Stärken in der Defensive hat und Kostic so den Rücken freihalten könnte.

"Es war erstmal eine komische Situation"

Lenz nimmt es, wie es kommt. "Filip ist unglaublich wichtig", so Lenz, der bei Union den klassischen Linksverteidiger ebenso spielte wie den vorgezogenen á la Kostic. Um Spielanteile macht sich Lenz aber keine größeren Sorgen: "Wir haben unglaublich viele Spiele dieses Jahr."

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Die Dinge auf sich zukommen lassen, es ist wahrscheinlich das Beste, was Lenz machen kann. Denn Trainer und Sportvorstand, die ihn verpflichtet haben, sind nicht mehr da, mit Glasner steht ein neuer Coach an der Seitenlinie. "Es war erstmal eine komische Situation, aber letztlich ändert sich für mich nicht viel", so Lenz. "Ich habe keine Trainingseinheit unter Adi Hütter gemacht. Hütter und Bobic haben mich überzeugt, aber ich war auch nicht so schwer zu überzeugen. Der Verein hat auch so eine unheimliche Strahlkraft."

"Ich war immer jemand, der für alle da ist"

Die Eingewöhnung scheint Lenz schonmal nicht schwer zu fallen, er selbst beschreibt sich als integrativen Typ. "Ich war immer jemand, der für alle da ist. Aber ich muss mich erstmal einfinden. Grundsätzlich bin ich für die jungen Spieler da und verstehe mich mit allen gut. Bei Union war ich auch Kabinen-DJ." Seine neuen Mitspieler Amin Younes und Djibril Sow kennt Lenz noch aus seiner Gladbacher Zeit, ebenso wie einige Mitglieder des Staff.

Das Feld ist also bereitet, um den nächsten Schritt einer eigenwilligen Karriere zu gehen, die ihn von der Regionalliga nun in die Europa League führt. "Im letzten Jahr habe ich aus der Ferne mitgefiebert und bin froh, mit der Eintracht Europa League zu spielen. Ich habe die Geschichte der Eintracht verfolgt, die Auswärtsreisen der Fans, als mehr Fans auswärts gefahren sind, als Tickets hatten, sind mir unglaublich im Gedächtnis geblieben." Dafür lohnt es sich dann auch, in der Vorbereitung zu schuften.