Fabio Blanco

Fabio Blanco wurde bei Eintracht Frankfurt als Top-Talent vorgestellt, ist nach drei Monaten aber komplett außen vor. Scheitert die Beziehung Eintracht – Blanco, könnte das eine fatale Signalwirkung haben.

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Audioseite Oliver Glasner über Fabio Blanco: "Verzwickte Situation"

Oliver Glasner
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Mit vermeintlichen Gewinnern der Vorbereitung muss man ja immer etwas vorsichtig sein, aber wer Fabio Blanco in den Trainings und Testspielen vor der Saison gesehen hat, hatte den jungen Spanier schnell auf dem Zettel. Unbekümmert, flink auf den Beinen und im Kopf, technisch stark – das besondere Talent Blancos war schnell zu erkennen. "Der kann ja richtig Fußball spielen", staunte Eintracht-Legende Charly Körbel nach einem Trainingsbesuch, auch die erfahrenen Mitspieler äußerten sich wohlwollend.

Gerade zwei, drei Monate später ist die Situation eine ganz andere. Im Spieltagskader sucht man Blanco vergeblich, für die Europa League ist er nicht gemeldet und wenn die Eintracht im Training Elf gegen Elf spielt, muss Blanco oft genug einsam seine Runden laufen. "Fabio kam mit viel Enthusiasmus und großen Erwartungen zu uns, das ist natürlich dann eine Enttäuschung. In dieser Gefühlswelt befindet er sich gerade", sagte Cheftrainer Oliver Glasner auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Köln.

"Ein Winter-Wechsel ist überhaupt kein Thema"

Medienberichten zufolge soll Blanco derart unzufrieden mit der Entwicklung sein, dass er sogar über einen vorzeitigen Abgang nachdenkt. Dem hat Eintracht-Vorstand Markus Krösche direkt einen Riegel vorgeschoben. "Wir sind von seinen Fähigkeiten total überzeugt, und ein Winter-Wechsel ist überhaupt kein Thema", sagte Eintracht-Vorstand Markus Krösche gegenüber der Bild. Verzwickt bleibt die Situation allemal.

Denn einerseits ist Blanco natürlich erst 17 Jahre alt, körperlich und taktisch muss er zulegen und wenn er bei der U19 spielt, reißt er auch nicht unbedingt Bäume aus. Auch ist die angespannte sportliche Situation bei der Eintracht nicht so, dass man aktuell bedenkenlos experimentieren könnte. Glasner muss Spiele gewinnen, alles andere ist derzeit nachrangig.

Scheitert der wegweisende Transfer?

Andererseits kam Blanco als das spanische Top-Talent seines Jahrgangs, umworben von zahlreichen anderen Klubs. Er entschied sich wegen der Perspektive für die Eintracht, nachdem Direktor Profifußball Ben Manga ein Jahr lang um ihn geworben hatte. Dass die zumindest kurzfristige Perspektive nun die U19-Bundesliga und das einsame Rundenlaufen ist, dürfte dabei nicht abgesprochen gewesen sein. Das Fehlen einer U23-Mannschaft, in der sich Blanco an den Herrenfußball gewöhnen könnte, macht die Sache nicht besser.

Die Eintracht bringt das in die Bredouille, denn scheitert die Beziehung Eintracht – Blanco, hätte das eine fatale Signalwirkung. Das nächste Top-Talent dürfte sich zweimal überlegen, ob die Perspektive bei der Eintracht tatsächlich die richtige ist oder der Karrierestart nicht doch woanders besser funktioniert. Bei einem gehobenen Ausbildungsverein, der die Eintracht sein möchte, sollte nicht genau jener Spieler scheitern, dessen Transfer als wegweisend gedacht war.

"Das Wichtigste sind Spiele, Spiele, Spiele, Spiele"

"Wir wollen ihn aufbauen und weiter entwickeln, darüber haben wir auch mit ihm geredet", sagte Krösche am Freitag. Auch hat er Recht, wenn er sagt: "Wir dürfen nicht vergessen: Er ist erst drei Monate hier. Neues Land, neue Stadt, neues Team, das ist für einen so jungen Spieler viel, und wir alle brauchen Geduld." Glasner sagte: "Das Wichtigste für einen 17-Jährigen sind Spiele, Spiele, Spiele, Spiele." Womit das Dilemma ganz gut zusammengefasst wäre.