Fans von Eintracht Frankfurt beim Training

Ein Trainingsbesuch als Quell der Freude, die durch Gedanken an Geisterspiele getrübt wird: Rund zwei Wochen vor dem Saisonstart wissen Fans von Eintracht Frankfurt gar nicht wohin mit ihren Gefühlen. Ein Bericht über Emotionen am Spielfeldrand.

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Fan Boxen beim Eintracht-Training
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Es gibt sie noch, diese seltenen, fast romantischen Fußball-Momente. Als die Spieler von Eintracht Frankfurt am späten Dienstagvormittag auf den Trainingsplatz am Stadion laufen, winkt Mittelfeldspieler Sebastian Rode dem dreijährigen Sam und seiner Familie am Spielfeldrand zu. Erst zum zweiten Mal während der Saisonvorbereitung 2020 sind 125 Fans in aufgestellten Gitterboxen als Zuschauer zugelassen.

"Das ist schon ein geiles Gefühl, wieder zuschauen zu können. Auch für die Spieler, die merken das ja auch", sagt Sams Vater Steven Rode aus Zwingenberg. Womit auch geklärt wäre, warum der Spieler Rode gewunken hat: Sam ist der Patensohn des Fußballers. Vater Steven und dessen Schwester Jasmin sind seit vielen Jahren glühende Eintracht-Fans.

Stadionbesuch? "Wäre einfach mal wieder schön"

Bei den 125 Trainings-Zuschauern in ihren abgesperrten Fan-Boxen ist der sehnliche Wunsch zu spüren, auch in Zeiten von Corona wieder Fußball gucken zu dürfen. "Ich hatte neulich mal wieder die Dauerkarte von der letzten Saison in der Hand. Da denkt man sich: Es wäre einfach mal wieder so schön, ins Stadion gehen zu können", sagt Jasmin.

Die Dankbarkeit der Eintracht-Fans, den Spielern zumindest im Training mal wieder nahe sein zu dürfen, ist anrührend. "Toll, super, Hammer" sprudelt es aus Alexandra Kühnel aus Grünberg heraus, während sich die Spieler 20 Meter entfernt auf dem Feld warm machen. "Wir haben gestern die Karten bekommen und waren total glücklich, das hätte man sich vor einem halben Jahr überhaupt nicht vorstellen können."

Basel-Hickhack steckt noch in den Knochen

Dann spricht Kühnel leise weiter: "Ich habe die Hoffnung, dass es bald zumindest für ein paar Zuschauer möglich ist, ins Stadion zu gehen. Aber: Ob das möglich ist, steht in den Sternen." Und dann denkt sie ein halbes Jahr zurück. Am schlimmsten sei das Basel-Hinspiel Mitte März gewesen, von dem am Tag davor wegen Corona die Zuschauer ausgesperrt wurden. "Das war eine absolute Katastrophe, das war schlimm, ganz schlimm", sagt sie. Und man leidet förmlich mit.

Eintracht-Fan Tobias Mühling aus Hattersheim befürchtet, dass die Leiden der Anhänger noch eine ganze Zeit weitergehen werden. "Ich gehe fest davon aus, dass dieses Jahr keine Fans mehr in den Stadien zugelassen werden." Das sei für die Eintracht besonders bitter, weil die Fans im Rücken der Mannschaft immer der große Vorteil seien. Darin ist sich Tobias Mühling mit Steven Rode einig. "Die Mannschaft braucht uns Fans. Hoffentlich dürfen wir die Jungs so schnell wie möglich wieder anfeuern", so Rode.

Sebastian Rode: Mittelfeldspieler und Patenonkel

Schließlich soll aus seinem Sohn Sam, dem Patensohn von Mittelfeldmann Rode, ja auch mal ein glühender Eintracht-Fan werden. Immerhin acht Heimspiele sowie die Auswärtsfahrten nach Düsseldorf und Leverkusen hat der Dreijährige schon auf seinem schmalen Buckel.

Dass er Fan bleibt, dafür wird auch der Patenonkel sorgen. Mittelfeldspieler Sebastian Rode schaute nach dem Training noch einmal bei Sam und seiner Familie auf einen kleinen Plausch vorbei. Vielleicht geht das ja bald auch wieder im Stadion.