Eintracht-Angreifer Ante Rebic
Der Sprint ist derzeit das beliebteste Frankfurter Fortbewegungsmittel. Bild © picture-alliance/dpa

Der neue Frankfurter Trainer Adi Hütter hat die Eintracht verändert. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Attraktiv ist die Spielweise nur bedingt. Dafür aber erfolgreich.

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Da sag mal einer, Kevin-Prince Boateng sei kein Prophet. Denn mit seinem Satz "Bruda, schlag den Ball lang" prägte er im Mai nicht nur eines der Eintracht-Zitate des Jahrzehnts, er prognostizierte ganz nebenbei auch den künftigen Spielstil seines mittlerweile Ex-Clubs. Denn seit der neue Eintracht-Trainer Adi Hütter heißt, pflegen die Frankfurter über weite Strecken einen Spielstil, den man in dieser Form nur aus längst vergangenen Premier-League-Tagen kennt. Lange Bälle, kämpfen und siegen.

Wie die Statistik belegt, greift die Frankfurter Mannschaft in 21,5 Prozent der Fälle zum Stilmittel langer Ball. Liga-Höchstwert. Kombiniert mit der ligaweit schlechtesten Passquote von rund 70 Prozent bedeutet das: Von Tikitaka-Fußball ist die Eintracht weit entfernt.

Entweder es klappt oder man presst

Die Anhäufung der Risikopässe, die zwangsläufig zu Ballverlusten führen (auch hier Liga-Negativrekord), ist dabei jedoch Teil der Idee. Die Eintracht legt es drauf an, 144 Vertikalpässe sind immerhin der drittbeste Wert der Liga. Doch was passiert dann?

Möglichkeit Nummer eins: Die langen und schnell gespielten Bälle kommen beim Mitspieler an – so geschehen unter anderem beim zwischenzeitlichen 1:0 gegen RB Leipzig. Abwehrchef David Abraham gewinnt den Ball und sieht den startenden Luka Jovic. Die gegnerische Abwehr ist unsortiert, der Rest im besten Fall Formsache.

Möglichkeit Nummer zwei: Die langen Bälle landen beim Gegner, der am eigenen Strafraum neu aufbauen muss. In solchen Situationen gehen die Spieler der Eintracht umgehend ins Gegenpressing – so geschehen beim zwischenzeitlichen 2:1 gegen Lazio Rom. Sébastien Haller gewinnt den Ball mit einer Grätsche im gegnerischen Strafraum und legt quer. Der Weg zum Tor ist kurz, der Rest auch in diesem Fall Formsache.

Keiner sprintet mehr als die Eintracht

Der Eintracht-Spielstil ist eine Mischung aus Kick and Rush sowie dem von RB-Mannschaften zuletzt salonfähig gemachtem Turbo-Pressing – und er ist derzeit äußerst erfolgreich. Trotz Spielen gegen die vier aktuell bestplatzierten Teams der Liga und einer schweren Europa-League-Gruppe stehen die Frankfurter in beiden Wettbewerben sehr gut da.

Das hat mehrere Gründe und die werden erneut bei einem Blick auf die Statistik deutlich. Zunächst einmal sind die Frankfurter die Sprintkönige der Liga. Keine Mannschaft macht mehr Sprints und intensive Läufe, in jeder Bundesliga-Partie waren die Frankfurter bisher in diesen Kategorien besser als ihre Gegner – und das trotz mehrerer Begegnungen, die sie in Unterzahl bestreiten mussten.

Kämpfen und treffen

Haller und Jovic jubeln.
Sébastien Haller und Luka Jovic gehören zu den treffsichersten Stürmern der Liga. Bild © Imago

Nur durch diese positive Haltung zum Dauersprint kommen die Hessen überhaupt in die für das System so wichtigen Zweikämpfe. Kein Team führt mehr Duelle als die Eintracht, auch die Erfolgsquote von über 51 Prozent kann sich sehen lassen. Die Sprints führen zu Zweikämpfen, die Zweikämpfe zu Ballgewinnen und die Ballgewinne zu Möglichkeiten.

So einfach ist die Frankfurter Formel. Und sie funktioniert auch und besonders deshalb, weil die Chancenverwertung überragend ist. Lediglich Tabellenführer Borussia Dortmund ist noch kaltschnäuziger als der Frankfurter Super-Sturm mit Jovic, Haller und eben Ante Rebic. Und hier schließt sich der Kreis: So lange Pokal-Held Rebic in Frankfurt spielt, ist "Bruda, schlag den Ball lang" immer eine gute Option.

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