Während Chelseas Azpilicueta jubelt, versinken im Hintergrund die Frankfurter Profis in Trauer.
Während Chelseas Azpilicueta jubelt, versinken im Hintergrund die Frankfurter Profis in Trauer. Bild © picture-alliance/dpa

Eintracht Frankfurt scheidet mit einem Höchstmaß an Dramatik aus der Europa League aus, muss das Elfmeterschießen beim FC Chelsea aber so schnell wie möglich vergessen. Die Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag
chelsea

Video

zum Video Spielbericht: Eintracht scheitert im Elfmeterschießen

Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt hat das Finale der Europa League auf dramatische Art und Weise verpasst. Der Bundesligist verlor das Halbfinal-Rückspiel beim englischen Top-Club FC Chelsea mit 4:5 nach Elfmeterschießen. Nach den Toren von Ruben Loftus-Cheek (28. Spielminute) sowie Luka Jovic (49.) hatte es nach 90 und auch 120 Minuten 1:1 gestanden. Der Traum vom Endspiel in Baku zerplatzte mit den verschossenen Elfmetern von Martin Hinteregger und Gonçalo Paciência.

120 nahezu perfekte Minuten

Über Offensivspieler Ante Rebic hat Eintracht-Präsident Peter Fischer einmal gesagt, der Kroate habe "Blut in den Schuhen". Auf eine positive Art und Weise versteht sich, weil er immer so gallig auf den Ball und aufs Zweikämpfe gewinnen ist. An der Stamford Bridge galt das am Donnerstagabend für jeden Frankfurter Profi. Alle hatten sie Blut in ihren Schuhen.

Weitere Informationen

Das Eintracht-Drama im hr

Das Eintracht-Drama in London ist am Freitag ab 18.25 Uhr Thema in einer Sondersendung im hr.

Ende der weiteren Informationen

Nichts zu sehen von der seit Wochen diskutierten Müdigkeit, nichts zu spüren von diesem desolaten 1:6 in Leverkusen am vergangenen Wochenende, das in der Tat keine Spuren hinterlassen hatte. Sämtliche Mannschaftsteile der Eintracht waren von Beginn an drin im Spiel und begegneten den "Blues" über die hochintensive Dauer von 120 Minuten auf Augenhöhe. Nur ein Mal – während der stärksten Phase der Gastgeber Mitte der ersten Halbzeit – waren die Hessen zu weit weg. Von Emerson, von Eden Hazard, vom Spielgeschehen auf dem linken Chelsea-Flügel und von Torschütze Loftus-Cheek. Dass solch ein Top-Club selbst winzige Räume eiskalt ausnutzt, ist sicherlich eine Form von Qualität – und daher nicht wirklich überraschend.

Hinteregger – einer von vielen Pechvögeln

Dennoch war es allen voran einmal mehr die Frankfurter Defensivabteilung, die einen knallharten Knochenjob zu erledigen hatte. Die Mittelfeld-Abräumer Makoto Hasebe und Sebastian Rode (zumindest bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung) waren so gut wie immer zu sehen, und in der Kette dahinter war Hinteregger da, wenn Hasebe doch mal ein Fehlpässchen spielte oder Kapitän David Abraham einen halben Schritt langsamer war als Chelseas Siegtorschütze Hazard. Und doch wurde ausgerechnet Hinteregger zu einer tragischen Figur.

Im Elfmeterschießen, in dem Hazard für die Entscheidung zu Gunsten der Engländer sorgte, hatte der Österreicher den ersten von zwei Frankfurter Fehlversuchen verursacht. Ein zu zentraler, zu flacher und zu halbherziger Schuss, den Chelseas Torwart Kepa irgendwie zwischen den Beinen festklammerte. "Pechvögel sind wir alle, weil wir es nicht ins Finale geschafft haben", sagte Hütter hinterher. "Ich habe ihm schon Trost gespendet."

Einziger Makel: das Elfmeterschießen

Nichtsdestotrotz: Sollte nach dieser Europa-League-Saison im Allgemeinen und diesem Match im Speziellen irgendetwas einen negativen Touch haben, dann sind es die Diskussionen über das Elfmeterschießen. Wie kam die Auswahl der Schützen zustande? Und warum trat nach den erfolgreichen Versuchen der nachweislich offensiv ausgerichteten Sébastien Haller (starkes Comeback), Jovic und Jonathan de Guzmán mit Hinteregger eine Defensivkraft an?

"Es haben alle gesagt, dass sie schießen wollen", versicherte Coach Hütter, der sich vor dem Rückspiel nicht gerade als Freund des Elfmeterschießens im Training geoutet hatte. Zu wenig Realität, zu wenig Druck. In dieser Hinsicht sollte er recht behalten. Nach Hinteregger war es mit Paciência dann nämlich doch auch ein Stürmer, der nicht verwandelte. Davor schützt keine Trainingseinheit der Welt.

Zwischen "enttäuscht" und "fantastisch"

Was bleibt nach diesem besonderen Abend an der Stamford Bridge? Klar: Einerseits die Erkenntnis, dass es Eintracht Frankfurt bis ins Halbfinale der Europa League geschafft hat und fast das Endspiel erreicht hätte. Andererseits bleiben aber auch zwei Gefühlswelten: die eigene Enttäuschung und die Anerkennung drumherum.

"Wir sind in diesem Moment sehr enttäuscht, es sind Tränen geflossen", sagte Hütter in einer seiner ersten Reaktionen, während Profis wie Danny da Costa oder Kevin Trapp mit hängenden Köpfen aus dem Stadion schlichen. Zu diesem Zeitpunkt prasselten aber bereits zahlreiche Kopf-hoch-Nachrichten auf die Frankfurter ein. "Schade, Eintracht. Hätte es euch gegönnt, vor allem nach erneut so einem Kampf", twitterte etwa der 31-malige Nationalspieler Ilkay Gündogan (Manchester City). Eine Meinung, der sich Hütter in seiner Erstanalyse anschloss: "Überzeugung, Mut, Glaube – es war fantastisch, was wir gezeigt haben."

Videobeitrag
hemo

Video

zum Video Die Pressekonferenz nach dem Halbfinal-Aus

Ende des Videobeitrags

Auf bald, Europa!?

Marseille, Limassol, Rom, Donezk, Mailand, Lissabon, London – sieben Gegner, sieben Reisen, sieben unterschiedliche Geschichten. Von Stadion- und Stadtverbot für Frankfurter Fans an der französischen Mittelmeerküste über Pyro-Unfug in Italien bis hin zu stimmungsvollen Choreografien bei fast jedem Heimspiel: Die Europapokal-Saison 2018/19 endete aus hessischer Sicht zwar abrupt, aber sie wird nachhallen. In Rückblicken, in Erzählungen, vielleicht sogar im sportlichen Erfolg der Eintracht.

Denn dass sich nahezu nahtlos eine Europapokal-Saison 2019/20 anschließen könnte, daran erinnerte Adi Hütter unmittelbar nach dem Chelsea-Krimi. "Wir haben jetzt noch zwei unglaublich wichtige Meisterschaftsspiele. Da sind wir verpflichtet, Leistungen zu zeigen", hob er die Bedeutung der Partien am Sonntag (18 Uhr) gegen Mainz ("die sind frisch") sowie am 34. Spieltag in München hervor. Zwei Spiele, in denen der Noch-Pokalsieger nur ungern vom vierten auf den bedeutungslosen achten Tabellenplatz abstürzen möchte. Noch einmal sieben Gegner, sieben Reisen, sieben Geschichten? Würde bei den Hessen wohl jeder nehmen. In der Champions League wäre das dann übrigens bereits inklusive Finalteilnahme.