Kovac Hütter

Ex-Eintracht-Coach Niko Kovac muss nach dem 1:5-Debakel bei seinem ehemaligen Klub seinen Trainerstuhl bei Bayern München räumen. Mit seiner Spielidee hat er gut zu Eintracht Frankfurt gepasst, nie aber zu den Bayern.

Wenn der gegnerische Trainer dem Trainer des FC Bayern München öffentlich sein Mitleid ausspricht, weiß man, dass etwas Außergewöhnliches passiert sein muss. Und das war an diesem Samstag ganz sicher der Fall. "Ich habe Mitgefühl mit Niko Kovac", sagte Eintracht-Coach Adi Hütter nach dem krachenden 5:1-Sieg der Hessen gegen Bayern München in Richtung seines Vorgängers. Und schob nach: "Aber das ist unser Job. Der ist manchmal beinhart und auch ungerecht."

Beinhart sicher, Kovac war nur wenige Stunden später seinen Job los. Ungerecht indes eher nicht, zumindest was das Ergebnis am Samstagnachmittag angeht, was letztlich Kovacs Aus bei den Bayern final herbeiführte. Hütters Mannschaft war dem Rekordmeister in allen Belangen überlegen, am Ende wäre gar ein 6:1 oder 7:1 nicht unverdient gewesen. Es ist Spekulation, aber hätte Danny da Costa kurz vor Schluss im Eins gegen Eins Manuel Neuer noch überwinden können, Kovacs Zukunft wäre am Sonntag wohl schon früher am Tag geklärt gewesen.

Ein Glücksfall für Eintracht Frankfurt

Nun ist Kovacs Wirken als Trainer noch enger mit Eintracht Frankfurt verbunden als ohnehin schon. Mit seiner Demission nach dem Debakel bei seinem Ex-Klub schließt sich jener Kreis, den Kovac mit seinem überstürzten Abgang 2018 selbst geöffnet hat. Bei der Eintracht ging Kovac seine ersten Schritte als Trainer in der Bundesliga, rettete die Hessen nach wenigen Wochen im Amt in der Relegation vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit. Was damals noch als Risiko erschien – einen unerfahrenen Trainer für den Abstiegskampf zu holen – erwies sich in der Folge als Glücksfall für die Eintracht.

Denn die erstaunlich beschleunigte Entwicklung von Eintracht Frankfurt in den letzten Jahren wäre ohne die grundsolide Arbeit Kovacs nicht möglich gewesen. Bei der Eintracht traf der Kroate auf einen Verein, bei dem er aus einer Underdog-Position heraus mit defensivem, aggressivem Fußball und einem glücklichen Händchen bei Transfers für eine entscheidende (und offenbar nachhaltige) Verbesserung sorgen konnte. Kovac führte die Hessen mit seinem Fokus auf Mentalität und Wille zum Pokalsieg, bevor er ging, sein Nachfolger Adi Hütter baut spielerisch auf dieser Basis auf. Auch deshalb sagte Hütter: "Ich weiß, dass er ein sehr guter Trainer ist, hier tolle Arbeit geleistet und das Fundament gelegt hat."

Ob Kovac der Richtige war, darf bezweifelt werden

Bei den Bayern sind indes andere Tugenden gefragt, als Fundamente zu legen. Man muss veredeln können. Ob Kovac überhaupt der Richtige dafür war, darf bezweifelt werden. Den 2:1-Zittersieg beim biederen VfL Bochum im Pokal führte Kovac zuletzt auf die Einstellung zurück, gemäß seiner bereits zu Frankfurter Zeiten propagierten Maxime, dass Mentalität auf dem Platz das Wichtigste sei, viel wichtiger als Taktik. Bei einem Verein wie Eintracht Frankfurt mag das stimmen, in München wirkt so ein Satz hilflos.

Seinen Abschied zu den Bayern sah Kovac 2018 als große Chance, und das war er wohl auch. Zumal ja nun zwei weitere Titel in seiner Vita stehen. Die Wahrheit ist aber auch: Kovac ist als B-Lösung zu den Bayern gegangen, nachdem deren Trainersuche über ein halbes Jahr lang vor den Augen der Öffentlichkeit stattfand. Die Bayern schienen ohnehin zu schlingern, die Entscheidung für Kovac wirkte kopflos und wenig durchdacht. Keine leichte Ausgangslage, zumal der Abschied aus Frankfurt auch nicht eben geräuschlos von Statten ging. "Stand jetzt" sei er Trainer der Hessen, beteuerte er damals, bevor dann ein gewisser Donnerstag eine dynamische Wendung annahm. Nun war es ein dynamischer Samstag, der Kovac den Job kostete.