Fredi Bobic hat bei Hertha einige Probleme.

Fredi Bobic kehrt am Samstag mit der Hertha nach Frankfurt zurück. In Berlin steht der Geschäftsführer vor einer ganzen Reihe von Problemen - und muss sich erste Kritik gefallen lassen.

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Bei seinem letzten Spiel in Frankfurt kam Fredi Bobic noch in Begleitung. Die Behörden hatten aufgrund seines Weggangs die Wut von Eintracht-Fans befürchtet und einen Personenschutz gestellt. "Das darf man nicht an sich ranlassen", sagte Bobic im Gespräch mit 11Freunde. Derart angespannt dürfte seine Rückkehr am Samstag (15:30 Uhr) mit seinem neuen Arbeitgeber nicht ausfallen. Gefährlich ist die Situation für Bobic und die Hertha allerdings aus sportlicher Sicht.

Die Berliner stehen auf Rang 14 mit nur zwei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Allein die mitunter glücklichen Siege gegen die Aufsteiger Fürth und Bochum haben bislang ein schlimmeres Abschneiden verhindert. Die Mannschaft musste deftige Klatschen in München und Leipzig hinnehmen, zudem am vergangenen Spieltag eine Heimpleite gegen den SC Freiburg. Die Darbietungen stehen in herbem Kontrast zum 375 Millionen-Euro-Paket, das Investor Lars Windhorst für die Hertha geschnürt hat. Berlin ist voller Baustellen - und der neue Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic steht gleich vor mehreren:

1. Die Trainerfrage

Schon vor seinem Amtsantritt kursierten Gerüchte, wonach Bobic nicht mit dem Trainer Pal Dardai plante. Er soll sich stattdessen mit Roger Schmidt ausgetauscht haben, der allerdings noch bis zum kommenden Sommer in Eindhoven gebunden ist. In letzter Zeit fiel dann der Name von Dortmunds Edin Terzic, der der Hertha laut "Sport-Bild" allerdings abgesagt haben soll. Bobic und Dardai spielten als Aktive zusammen für die Hertha, mehr als Kollegen sollen die beiden wohl aber nicht gewesen sein.

Nach der spektakulären Rettung qualifizierte sich Dardai für die Weiterbeschäftigung. Die Diskussionen um andere Namen haben bei ihm jedoch Spuren hinterlassen. Nach der Niederlage in München bot er seinen Rücktritt an: "Ich will hier keine Last sein. Wahrscheinlich sucht Hertha seit Langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner, netter Trainer." Bobic rügte den Trainer für dessen zur Schau gestellten Fatalismus, schob dann in einem "kicker"-Interview nach: "Es liegt an Pal selbst, wie lange er Trainer bleibt." Auch nach der Pleite gegen Freiburg stärkte er dem Coach demonstrativ den Rücken und wiederholte die Bedeutung von Kontinuität auf dem Trainerstuhl. Dennoch hält sich in Berlin die weit verbreitete Ansicht: Dardai sei für die neue Führung ein Trainer des Übergangs, nicht der Überzeugung.

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Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt
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2. Der Kader

Bei Hertha BSC mangelt es seit mehreren Spielzeiten an einer klaren Hierarchie in der Mannschaft, durch die muntere Shopping-Tour mit den Windhorst-Millionen kam Unruhe in die Kabine. Bobic wollte immerhin dieses Problem lösen, indem er vermeintliche Störenfriede wie Matheus Cunha oder Jhon Cordoba verkaufte und erfahrene Stützen dazuholte. Doch Neuzugänge wie Kevin-Prince Boateng oder Stevan Jovetic fehlt noch die nötige Fitness, um Hertha Struktur zu verleihen. So bleibt das Team kleiner als die Summe seiner Einzelteile. Und beklagt überdies noch etliche Verletzte, weswegen sogar ein Testspiel abgesagt wurde. Viele der Malaisen in Berlin sind zu groß, um sie in einer Transferphase lösen zu können.

Sinnbildlich für die bisherige Saison stand das Heimspiel gegen Freiburg: Beide Gegentreffer fielen nach Standardsituationen (Hertha kassierte insgesamt acht Treffer nach ruhenden Bällen), nach vorne zeigte die Hertha nur in Spurenelementen ihre Klasse. Angetrieben vom emsigen Suat Serdar erspielte sie sich sehenswert den Ausgleich und kam gar der Führung nahe. Doch insgesamt blieb das Angriffsspiel weitgehend ideenlos. Die Qualität von zwei der besten Torschützen der vergangenen Saison (Cunha und Cordoba mit insgesamt 14 Treffern) wurde bislang nicht ersetzt - das wiederum fällt in den Verantwortungsbereich von Bobic.

3. Der Druck

Geldgeber Windhorst wird nicht müde, von einem langfristigen Investment bei der Hertha zu sprechen, will aber dabei auch von seinen Europapokal-Ambitionen nicht abrücken. Die Spiele verfolgt er schon mal per Stream auf einer Yacht und lässt sich darüber in Facebook-Gruppen aus. Egal ob durch Windhorst oder seine Mittelsmänner wie zuvor Jürgen Klinsmann oder Jens Lehmann - an medialen Störfeuern mangelt es in Berlin nicht. Am Dienstag vermeldete dann auch der "Tagesspiegel", dass Vorstandschef Carsten Schmidt die Hertha verlassen werde.

Zeitgleich nimmt der vormals kleine Nachbar aus Köpenick die Rolle des erfolgreichen "Big city clubs" ein - und erhöht damit den Druck. Union tritt im Europapokal sogar im Olympiastadion an. Dort würde die Hertha gerne große Namen begrüßen, aber noch viel lieber in einem eigenen neuen Zuhause. Die Stadion-Thematik treibt die Berliner seit Jahren um - ein Neubau wäre wohl die einzige Baustelle, über die sich auch Fredi Bobic freuen würde.