Collage: Harald Stenger, Eintracht-Fans, DFB-Präsident Reinhard Grindel
Harald Stenger (li.) kritisiert DFB-Präsident Reinhard Grindel (re.) in der Causa Eintracht Frankfurt. Bild © Imago

Der Zoff um mögliche Vorbehalte beim DFB gegenüber der Eintracht und ihren Fans geht in die nächste Runde. Ex-Verbands-Pressesprecher Harald Stenger attackiert im heimspiel! DFB-Boss Reinhard Grindel. Sein Lob Richtung Frankfurt kommt bei Ex-Bundesligaprofi Michael Schulz nicht gut an.

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Medienprofi Harald Stenger hat ein vernichtendes Urteil zum Umgang des DFB im Fall Eintracht Frankfurt gefällt. Verbandsboss Reinhard Grindel lasse auch nach dem Fall Özil "keinen Fettnapf aus", sagte Stenger im hr-heimspiel! am Montagabend. Der langjährige DFB-Pressesprecher und Mediendirektor bezeichnete die Vorbehalte Grindels gegenüber den Ultras der Eintracht als "Hirngespinst". Stenger nannte Grindel den "schlechtesten DFB-Präsidenten der vergangenen 50 Jahre" – auch weil dieser zu oft seine Kompetenzen überschreite und intensiv ins operative Fußballgeschäft eingreife.

Der Spiegel hatte am Wochenende berichtet, das Länderspiel der DFB-Elf gegen Peru vom vergangenen Sonntag habe wegen Grindels Vorbehalten gegenüber den Eintracht-Ultras nicht in Frankfurt, sondern in Sinsheim stattgefunden. Grindel, so der Spiegel, habe kurz vor der Vergabe der EM 2024 Angst vor einer Frankfurter Protest-Pyro-Show und in diesem Zusammenhang schlechter Publicity für den DFB gehabt.

Stenger: "Der DFB hat sich blamabel präsentiert"

Nachdem der DFB dies dementiert und auf eine Entscheidung pro Sinsheim aus Kapazitätsgründen verwiesen hatte, veröffentlichte das Magazin einen pikanten E-Mail-Verkehr zwischen Grindel und DFB-Vize Rainer Koch. Koch geht darin auf Grindels Sorge vor der "unberechenbaren" Frankfurter Ultra-Szene ein und spricht sich für einen Hardliner-Kurs gegenüber den Anhängern der Hessen aus. "Der DFB hat sich blamabel präsentiert", sagte Stenger nun. Das Stadion-Argument des Verbands sei lediglich "eine Krücke, ein Hilfsargument" in der nun öffentlichen Debatte.

Wer die internen Mails dem Spiegel zugespielt haben könnte, kann sich Stenger, dessen Trennung vom DFB 2012 im Unfrieden erfolgt war, nicht erklären. Möglich sei neben einem Insider eine Hacker-Attacke auf den DFB vor wenigen Wochen. "Es kann aber auch gezielt sein, um Grindel, der beim DFB nicht gerade beliebt ist, in Ungnade fallen zu lassen."

"Riesenkompliment" an besonnene Eintracht

Bei der Eintracht zeigte man sich nach der Veröffentlichung der Mails "irritiert" angesichts der Vorgänge beim DFB. Dieser hatte der Vereinsführung am Wochenende versichert, dass es keine Vorbehalte gegen den Bundesligisten und seine Ultras gebe.

In diesem Zusammenhang sprach Stenger der Frankfurter Führung ein "Riesenkompliment" dafür aus, "dass sie sich so zurückgehalten hat". Mit Blick auf die anstehende Entscheidung zur EM-Vergabe habe die Eintracht zumindest öffentlich kein weiteres Öl ins Feuer gegossen. Außerdem pflege der Verein vor allem dank Vorstandsmitglied Axel Hellmann im Gegensatz zum DFB einen vorbildlichen Fandialog.

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Schulz: Keine "Belohnung" für Frankfurt und die Eintracht

Ganz so positiv sieht Ex-Bundesliga-Profi Michael Schulz die Sache nicht. Die Eintracht-Ultras seien für ihren harten Diskurs berüchtigt, sagte der 57-Jährige. Die Reaktion des DFB, das Länderspiel so kurz vor der EM-Entscheidung in Sinsheim stattfinden zu lassen, sei daher völlig nachvollziehbar.

"Warum soll eine Stadt und ein Verein mit in Anführungszeichen 'gefährlichen Fans' dafür belohnt werden", fragte Schulz. Ohnehin sei es für ihn nur schwer verständlich, weshalb viele Bundesligisten ihren Ultras so viel Einfluss gewährten wie etwa die Eintracht, die eine Protestaktion im Montags-Premierenspiel gegen Leipzig gemeinsam mit den Ultras abgestimmt hatte.

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