Jetzt ist es passiert: Nach den Ausschreitungen in Guimaraes wird Eintracht Frankfurt von der Uefa bestraft. In Lüttich und London gibt es keine Tickets für Eintracht-Fans. Ist das gerecht? Für hr-Reporter Carsten Schellhorn nicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter Schellhorn: "Schuld lag nicht bei den Eintracht-Fans"

Carsten Schellhorn
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Eintracht Frankfurt ist wegen Fanausschreitungen in der Europa League mit einem Zuschauer-Ausschluss in den Partien bei Standard Lüttich und dem FC Arsenal bestraft worden. Wie die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Europäischen Fußball-Union Uefa am Donnerstag mitteilte, wurde die Eintracht wegen der Ausschreitungen der Fans und des Werfens von Gegenständen im Spiel am 3. Oktober bei Vitoria Guimarães (1:0) in Portugal verurteilt. Die Eintracht-Anhänger haben die Strafe bereits kritisiert.

Darum ist die Strafe ungerecht:

Ich finde die Strafe von zwei Auswärtsspielen ohne Eintracht-Fans einfach ungerecht. Nur weil sich einige wenige haben provozieren lassen, schauen jetzt tausende in die Röhre. Natürlich gab es in den vergangenen Monaten schon einige Vorfälle rund um die Europa-League-Spiele, die Eintracht-Fans standen unter Bewährung.

Doch das darf nicht in einem Urteil münden, das wenig mit Gerechtigkeit zu tun hat. Denn wovon reden wir hier? Beim nun geahndeten Eintracht-Spiel vor zwei Wochen bei den Portugiesen von Guimaraes gab es keine Massenschlägereien, kein Pyro-Inferno.

Wer da ruhig bleibt, ist Zen-Buddhist

Im Stadion von Guimaraes waren die einheimischen Fans die Täter, zudem versagten die portugiesischen Stadion-Betreiber. Diese versäumten, einen Pufferblock zwischen den Fangruppen mit Ordnern zu besetzen. So konnten die Guimares-Fans kurz vor Spielbeginn auf den mit Eintracht-Fans besetzten Block zustürmen und diese mit herausgerissenen Sitzschalen bewerfen.

Die beworfenen Eintracht-Fans waren ganz normale Fans und eben nicht die Ultras, die standen in der Fankurve ganz woanders. Die, die jetzt in den sozialen Netzwerken darüber schwadronieren, dass sich die Eintracht-Fans doch nicht hätten provozieren lassen sollen, möchte ich sehen, wenn sie im Stadion gestanden hätten und ihre Freundin oder der Kumpel so eine Sitzschale gegen den Kopf bekommen hätte. Wer da ruhig bleibt, ist Zen-Buddhist.

Ultras keine Unschuldslämmer

Die Eintracht-Fans, im speziellen die Ultras, sind keine Unschuldslämmer, doch diesmal liegt die Schuld nicht bei Ihnen. Wenn man mit Fans spricht, die wirklich in Portugal dabei waren, wird genau dies bestätigt. Dass die, die Schuld an den kurzen Auseinandersetzung im Stadion von Guimaraes tragen, nämlich der Heimverein und deren Fans von der Uefa nur mit einer Geldstraße davonkommen, macht die Sache nur noch ungerechter. Ich hoffe sehr, dass das Urteil am Ende auf ein Spiel Sperre abgeändert wird und die Fans zumindest im Auswärtsspiel beim FC Arsenal in London dabei sein können.

Von Carsten Schellhorn

Hier lesen Sie einen Kommentar, warum die Strafe für die Eintracht gerecht ist.