"Alle oder keiner": Das ist der Leitspruch der aktiven Fanszene von Eintracht Frankfurt bezüglich der DFL-Pläne, zum Bundesliga-Start einen Teil der Zuschauer wieder in die Stadien zu lassen. Das birgt Konfliktstoff.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found DFL-Maßnahmen stoßen bei Fans auf Kritik

Eintracht-Fans im Stadion
Ende des Audiobeitrags

Schuld ist keiner. Diese Erkenntnis ist zunächst einmal tröstlich. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie nerven alle: Spieler, Vereine und Fans. Doch während die Profis die vergangene Bundesliga-Saison zu Ende bringen konnten, waren die Fans bislang komplett außen vor. Stichwort: Geisterspiele.

Am kommenden Dienstag will die Liga nun beschließen, dass mit dem Start der neuen Spielzeit ein Teil der Fans in die Stadien zurückkehren darf. Doch die Details bringen viele von ihnen auf die Palme. "Es muss ja einen Anfang in Sachen Zuschauer geben, doch dieser Anfang ist nicht unserer", sagt Jugo Jugovic, Sprecher des Nordwestkurven-Rates, dem hr-sport.

Das Eintracht-Fan-Herz blutet

Jugoslav Jugovic, den alle nur "Jugo" nennen, ist seit 1996 mit seinem Fanclub "EFC Bockenheim" bei fast jedem Eintracht-Spiel. Der 42-Jährige ist zudem einer von drei Sprechern des Norwestkurven-Rates, einem Zusammenschlusses fast aller Eintracht-Fan-Clubs und Ultra-Gruppierungen der Nordwestkurve. "Die Kurve ist sich in Sachen Zuschauer ziemlich einig." Auch wenn natürlich jeder wisse, dass gerade im Hinblick auf die wieder steigenden Infektionszahlen die Stadien nicht vollgepackt werden können.

Die während der Woche bekanntgewordenen Hygienepläne der Deutschen Fußball Liga (DFL), die am Dienstag auf der virtuellen Mitgliederversammlung der 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga beschlossen werden sollen, sehen vieles vor, was den Anhängern richtig weh tut: eine Teilbelegung der Stadien, ein Verzicht auf Auswärtsfans bis zum Jahresende und ein Stehplatz- und Alkoholverbot bis mindestens Ende Oktober.

"Alle oder keiner"

"Für uns gilt weiterhin, entweder dürfen alle aktiven Fans ins Stadion oder keiner. Wenn nur ein Teil der Fans ins Stadion darf, machen wir das nicht mit", sagt Jugovic. Wobei man es natürlich jedem einzelnen Fan selbst überlasse, ob sie oder er ins Stadion gehe oder nicht. "Wir sprechen nur für uns, nicht für andere." In Frankfurt, wie in allen anderen Bundesliga-Stadien, werden beim Saisonstart Mitte September aus Hygienegründen viele Plätze leer bleiben.

Borussia Dortmund plant mit 12.000 bis 15.000 Plätzen, Eintracht-Vorstand Axel Hellmann immerhin mit 20.000. Hellmann hatte dazu Gespräche mit den Fans angekündigt. Doch die werden nicht einfach. Denn normal kommen mehr als 50.000 zu den Heimspielen der Eintracht.

Fan-Sprecher wollen nicht darüber richten, wer ins Stadion darf

Die Fans sehen ein Problem auf sich zukommen. Nämlich, dass die Eintracht - aus durchaus gutem Willen - es am Ende ihnen überlassen könnte, wie die Tickets verteilt werden. "Doch gerecht kann eine Verteilung der Eintrittskarten gar nicht zugehen. Keiner von uns kann sich das Recht herausnehmen, zu entscheiden, welche Fans wann ins Stadion gehen dürfen und welche nicht", so Jugovic.

Verstehen könne er das Vorgehen des Vereins, wieder Fans ins Stadion zu bringen, auch aus wirtschaftlicher Sicht, absolut. Doch viele Anhänger wollen, dass auch ihre Interessen verstanden werden. Viele Dinge, gegen die Fans seit Jahren gekämpft haben, wie dem Wegfall der Stehplätze oder die Einführung von personalisierten Tickets, würden nun im Vorübergehen eingeführt, beklagt Jugovic. Es herrscht massiver Gesprächsbedarf. Auch wenn an der aktuellen Entwicklung niemand, außer der Corona-Pandemie, wirklich Schuld ist.