Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt hinkt in der Bundesliga den eigenen Ansprüchen hinterher und gibt zunehmend Rätsel auf. Spieler und Verantwortliche wirken ratlos, ändern müsste sich aber einiges. Der Baustellen-Überblick.

Videobeitrag

Video

zum Video Die Pressekonferenz mit Adi Hütter nach dem Spiel gegen Union Berlin

Hütter PK
Ende des Videobeitrags

Nach neun gespielten Bundesliga-Spieltagen sei eine Phrase zur Abwechslung mal erlaubt: Die Tabelle lügt nicht. Ganz oben stehen erwartungsgemäß die Bayern, Leipzig, Leverkusen und der BVB. Das Schlusslicht heißt Schalke 04. Bielefeld, Mainz und Köln befinden sich im Abstiegskampf. So weit, so vorhersehbar. Und was macht Eintracht Frankfurt? Die Hessen dümpeln als Neunter im Niemandsland vor sich hin und kommen irgendwie nicht so richtig vom Fleck.

"Wir sind in Lauerstellung", probierte sich Sportvorstand Fredi Bobic im ARD-Podcast "Einfach Fußball" an einer netten Umschreibung der Gesamtsituation. Netter Versuch, so einfach ist es im Fußball dann aber leider doch nicht.

Realistisch betrachtet, und auch das passt dann ins Bild der wenig überraschenden Tabelle, ist die Eintracht im grauen Mittelfeld nämlich genau richtig aufgehoben. Während der Länderspielpause unterstrich Bobic zwar noch einmal, dass sich die Hessen im oberen Drittel etablieren und damit mindestens Sechster werden wollen. Die Leistungen auf dem Platz werden diesem Anspruch aber nicht gerecht. Die Mängelliste ist lang.

Die Eintracht fängt zu viele Gegentore

Saisonübergreifend hat die Eintracht in 17 Pflichtspielen in Folge immer mindestens ein Gegentor kassiert. Mal waren es fünf wie in München oder drei wie in Berlin, ein Zu-Null-Spiel gab es zuletzt beim 3:0-Sieg gegen Werder Bremen vor rund sechs Monaten. In dieser Spielzeit musste Kevin Trapp, seines Zeichens immerhin Nationaltorhüter, bereits 16 Mal hinter sich greifen. Noch mehr Gegentore fingen nur die Kellerkinder Schalke, Bielefeld und Mainz sowie Freiburg und Hertha.

Trainer Adi Hütter begründete die vielen Gegentreffer vor der Partie gegen Leipzig zwar mit der offensiven Spielweise und der daraus resultierenden Konteranfälligkeit. Angesichts der zeitweise doch sehr mutlosen Auftritte kann das aber maximal die halbe Wahrheit sein. Eine Lösung? Derzeit nicht in Sicht.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Die Eintracht gerät zu oft in Rückstand

Ähnlich mysteriös verhält es sich mit den Spielverläufen. In neun Bundesliga-Partien gerieten die Hessen sechsmal in Rückstand und mussten folglich sechsmal Kräfte für eine Aufholjagd aufbringen. Dass nur eine Partie mit einer Niederlage endete, ist ein Zeichen von Qualität. Die Schlafmützigkeit in den Anfangsphasen aber nur schwer erklärbar. "Das passiert uns zu oft. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist", gab Martin Hinteregger nach dem 3:3 bei Union Berlin zu. "Da müssen wir eine Lösung finden, das ist traurig." Wie diese Lösung aussehen könnte? Gute Frage.

Die Eintracht hat das Siegen verlernt

Bei zu vielen Gegentoren und zu vielen Rückständen verwundert es nicht, dass auf dem Frankfurter Konto zu wenige Siege stehen. Auf die beiden Erfolge gegen Hertha und Hoffenheim zu Saisonbeginn folgten eine Niederlage und insgesamt fünf Remis. Für große Sorgen ist das zu viel, für Euphorie allerdings auch deutlich zu wenig. "Ich bin nicht total glücklich, aber auch nicht total traurig", übersetzte Bobic die zunehmende Resignation in Worte.

Mit etwas mehr Offensiv-Power und Kaltschnäuzigkeit, auch das gehört zur ganzen Wahrheit dazu, wären trotz der Defensiv-Wackler vor allem gegen Bielefeld, Köln, Stuttgart und Bremen Siege ohne Probleme möglich gewesen. Das Problem: Im Spielaufbau und beim Kreieren von Chancen, das ist nichts Neues, fehlt es der Eintracht an Qualität. "Wenn man unsere Ambitionen hat und nach oben will, dann darf man nicht sechs Spiele sieglos bleiben. So wird es schwierig für uns", fasste Verteidiger Hinteregger die Misere zusammen.

Videobeitrag

Video

zum Video hr-Doku: Alex Meier – Mein Weg zum Fußballgott

hessenschau vom 02.12.2020
Ende des Videobeitrags

Lauerstellung oder Absturzstellung?

Und so startet die Eintracht einigermaßen ratlos in den Topspiel-Dezember, der ausschließlich aus Partien gegen besserplatzierte Mannschaften besteht. Den Anfang macht am Samstag (15.30 Uhr) Borussia Dortmund, es folgen der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach. Zwischendrin wartet zudem der FC Augsburg. Das DFB-Pokalspiel bei Bayer Leverkusen wurde erst am Donnerstag ins neue Jahr (12. Januar) verlegt.

"Entscheidend ist, was nach den ganzen Unentschieden kommt", unterstrich Bobic den richtungsweisenden Charakter der kommenden Wochen. Bei ein paar Siegen könnte schnell alles gut werden, bei weiteren Remis oder Niederlagen droht aber auch eine ungemütliche Adventszeit. Die bereits genannte "Lauerstellung nach oben", könne nämlich, so Bobic, auch schnell "eine Absturzstellung nach unten" werden.