Bas Dost Wolfsburg

Eintracht Frankfurt verliert verdient gegen dezimierte Wolfsburger. Weil die Hessen eisern an ihrer Spielidee festhalten, auch wenn diese nicht aufgeht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht Frankfurt nach der Wolfsburg-Niederlage

Wolfsburg jubelt nach dem 1:0, die Eintracht-Spieler sind geknickt.
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Fände in der Bundesliga die gute alte Bolzplatz-Regel "Drei Ecken - ein Elfer" Anwendung, die Welt von Eintracht Frankfurt sähe nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg wahrscheinlich besser aus. Zwölf Ecken schlugen die Hessen am Samstagnachmittag in den Strafraum der Niedersachsen, keine einzige davon wurde gefährlich. Und am Ende stand es gegen biedere Wolfsburger 0:2. Der Vollständigkeit halber: Mit Bolzplatzregel wäre das Spiel wahrscheinlich 4:2 ausgegangen.

Die Eckenstatistik zeigt ein grundlegendes Dilemma der Eintracht auf. Denn neben dem Dutzend verschenkter Ecken segelten auch sage und schreibe 29 Flanken aus dem Spiel heraus in die Box des VfL. Dort aber waren Jeffrey Bruma und vor allem Anthony Brooks ein ums andere Mal zur Stelle. Selbst als Marcel Tisserand mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war, erwies sich die VfL-Defensive in der Luft als unüberwindbar. Die Wolfsburger wussten ganz genau, was in Frankfurt auf sie zukommen würde. Und hatten die passende Antwort parat.

"Wir waren gut vorbereitet auf ihre Flanken"

Keine Mannschaft ligaweit schlägt so viele Flanken wie die Eintracht, das Spiel der Frankfurter ist so stark auf die Außen konzentriert wie bei kaum einem anderen Bundesligisten. Und das könnte für die Hessen zum Problem werden. VfL-Trainer Oliver Glasner gab nach der Partie gerne zu, die Hessen entschlüsselt zu haben und sagte: "Wir waren gut vorbereitet auf ihre Flanken". Eintrachts Makoto Hasebe drückte es anders aus: "Bei uns hat die Spielidee gefehlt."

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Spiel Eintracht - Wolfsburg

Die Trainer bei der Pressekonferenz
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Das stimmte nur bedingt, denn die Spielidee, über Außen per Flanke zum Erfolg zu kommen, war auch am Samstag erkennbar. Richtiger ist eher: Es fehlt eine zweite Spielidee, ein sogenannter Plan B, wenn der erste nicht aufgeht. Mit Djibril Sow, Mijat Gacinovic und Sebastian Rode bot Eintracht-Trainer Adi Hütter gegen Wolfsburg drei spielstarke zentrale Mittelfeldspieler auf, die ihr Pässe aber ebenfalls vorzugsweise auf die Außen spielten. Gleiches galt für Daichi Kamada, der zur Pause für Rode kam. Zugegeben: Vor allem nach dem Platzverweis standen die Wolfsburger tief und eng gestaffelt, da liegt es nahe, den Gegner auseinanderziehen zu wollen. Ein Steckpass durch die Abwehrreihen hätte man aber trotzdem zumindest einmal versuchen können.

Die "schwächste Saisonleistung"

Keine Mannschaft der Liga hat nach Flanken häufiger getroffen als die Hessen, nämlich acht Mal. Das Mittel der Wahl klappt also oft genug. Nur: Klappt es nicht - die Wolfsburger hatten und haben nach wie vor noch kein einziges Gegentor in dieser Saison per Kopf bekommen - scheint die Eintracht zu oft ideenlos. Nicht umsonst bemängelte Hütter nach der Partie die fehlende "Intelligenz im Spiel nach vorne", weshalb am Ende die "schwächste Saisonleistung" in einem Heimspiel stand. "Gegen einen Gegner, der stark mit dem Kopf ist, muss man auch mal versuchen, flach hinter die Abwehr zu kommen", sagte Hütter nach der Partie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hasebe zum Wolfsburg-Spiel

Eintracht-Profi Makoto Hasebe im Spiel gegen Wolfsburg
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Die Wolfsburger sind übrigens ganz generell die defensivstärkste Mannschaft mit erst zehn Gegentoren. Die gute Nachricht für Eintracht Frankfurt: Der kommende Liga-Gegner aus Mainz ist mit 31 Gegentreffern die Schießbude der Liga. Zwar tankten die Rheinhessen unter dem neuen Coach Achim Beierlorzer durch ein 5:1 gegen die TSG Hoffenheim enormes Selbstvertrauen. Die Defensive präsentierte sich zeitweise aber noch immer sehr wackelig. Gut möglich also, dass die Hessen nach zwei Partien ohne eigenes Tor gegen den FSV auch wieder treffen. Vielleicht ja sogar per Ecke.