Gelson Fernandes

Still und leise hat Eintracht Frankfurts Gelson Fernandes inmitten der Corona-Krise seine Karriere beendet. Nun bastelt er an seinem neuen Leben. Und weiß zumindest schon, was er nicht will.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fernandes sagt "Adieu"

Gelson Fernandes
Ende des Audiobeitrags

Man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist, und in diesem Sinne kann man Gelson Fernandes eigentlich nur gratulieren. "In Frankurt", so der frisch gebackene Ex-Profi in einem Interview mit dem Kicker, habe er die schönste Zeit seiner Karriere gehabt. "Ich weiß nicht, ob das etwas mit dem Alter oder der Erfahrung zu tun hat, aber hier hatte ich unheimlich viel Spaß". Zur Erinnerung: Der Mann hat bei elf Vereinen in sechs Ländern gespielt und außerdem 67 Länderspiele für die Schweiz bestritten, und sich doch das Sahnehäubchen für den Schluss aufgehoben. Alles richtig gemacht also.

Wobei es mit dem Spaß, zumindest auf dem Platz, in der denkwürdigen Saison 2019/20 dann doch nicht mehr allzu weit her war. Erst ein Sehnenriss, dann eine Muskelverletzung, am Ende kam der Schweizer nur auf elf Ligaspiele. "Ich kann nicht mehr mehr auf meinem Niveau spielen, da muss ich ehrlich mit mir sein. Von den letzten sechs Monaten war ich viereinhalb verletzt. Das machte keinen Spaß mehr", so Fernandes im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

"Ich bin vielleicht der einzige Mensch, der Glück mit Corona hatte"

Sonderlich viel Wehmut scheint jedoch nicht mitzuschwingen, spricht Fernandes über sein Karriereende. Was auch an der Corona-Pause liegt, wie er dem kicker verriet. "Ich bin vielleicht der einzige Mensch, der Glück mit Corona hatte", so Fernandes. "Die Corona-Pause gab mir die Zeit, mich mental auf das Karriereende vorzubereiten. In den vergangenen drei Monaten konnte ich Abstand vom Fußball nehmen."

Ein Abstand, den Fernandes, ein cleverer und reflektierter Typ, zumindest bezüglich der Werte im modernen Fußball wohl hier und da ohnehin schon gewonnen hatte. Etwa mit Blick auf die jungen Talente, die nachkommen. "Junge Spieler posten und liken Sachen bei Instagram, denken, sie wären was weiß ich was. Dabei haben sie noch gar nichts erreicht, das ist unglaublich", so Fernandes.

"Diesen Hunger, besser zu werden, sehe ich nicht bei vielen"

Ein normaler Bundesligaspieler hätte heutzutage sowieso "ein sehr gutes Leben: viel Geld, ein Haus mit Pool, ein gutes Auto. Warum sollte er mehr machen? Diesen Hunger, besser zu werden, sich Träume zu erfüllen, Nationalspieler zu werden, um bei Welt- und Europameisterschaften zu spielen und die Champions League zu gewinnen, sehe ich nicht bei vielen Spielern", so Fernandes.

Gut möglich, dass Fernandes bald in verantwortlicher Position derlei Entwicklungen entgegenwirken kann. Zunächst werde er als TV-Experte im Schweizer Fernsehen arbeiten und parallel bei der Uefa in Nyon den "Master for International Players" machen, einen Abschluss in Sportmanagement. "Aber irgendwann werde ich für einen Klub oder Verband arbeiten. Oder ich baue eine eigene Firma auf", so Fernandes.

"Diesen Stress will ich nicht erleben"

Nur Trainer komme nicht in Frage, fügt der Schweizer an, der doch als Spieler schon immer wie ein kommender Trainer gewirkt hatte. "Niko Kovac sagte mir: 'Pass auf, du sagst jetzt, du möchtest kein Trainer werden. Aber dann vermisst du die Kabine.' Ich denke jedoch nicht, dass ich Trainer werde, diesen Stress will ich nicht erleben."