Präsident Peter Fischer hat die Eintracht-Fans im Rücken und kämpft für billigere Sitzplatzpreise
Präsident Peter Fischer sieht bei der Eintracht kein Identifikationsproblem. Bild © Imago Images

Bei der Frankfurter Eintracht steht auch in diesem Sommer wieder ein größerer Umbruch bevor. Von fehlenden Identifikationsfiguren will Präsident Peter Fischer dennoch nichts wissen – und verweist auf Blitz-Sympathieträger und Nachwuchs-Hoffnungen.

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Eintracht-Präsident Peter Fischer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Peter Fischer: "...dazu ist er noch Österreicher"

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Die Zeiten eines treuen Charlys oder ewigen Okas gehören bei Eintracht Frankfurt der Vergangenheit an. Spätestens seit dem Weggang von Alexander Meier vor Jahresfrist ist die Fußball-Romantik im Hessischen passé. So wiesen von den Stammkräften der abgelaufenen Saison lediglich die Abwehr-Veteranen Makoto Hasebe und David Abraham sowie Mittelfeldmann Mijat Gacinovic eine mehr als zweijährige Betriebszugehörigkeit beim Bundesligisten auf.

Auch in diesem Sommer wird die Fluktuation im Profikader aller Voraussicht nach weitergehen. Zwar halten sich die Frankfurter bislang auf dem Transfermarkt vornehm zurück, die Millionen-Einnahmen für den zu Real Madrid gewechselten Luka Jovic dürften aber schon bald Schwung in die Angelegenheit bringen. Insgesamt 15 bis 20 Zu- und Abgänge wären nicht weiter überraschend.

Turbulente Transferpolitik

Bleibt bei so viel Umbruch nicht die Sehnsucht nach Identifikationsfiguren auf der Strecke? "Bei uns gibt es einen Timothy Chandler oder einen Marco Russ. Das sind Jungs, die kannte ich schon als Kinder am Riederwald", sagt Präsident Peter Fischer im Gespräch mit dem hr-sport. Die beiden verbliebenen Urgesteine spielten und spielen rein sportlich allerdings nur noch eine untergeordnete Rolle.

Der Aufschwung der Hessen unter Sportvorstand Fredi Bobic ist stark mit einer allgemein turbulenteren Transferpolitik verbunden. Leihgeschäfte, Kaufoptionen, internationales Scouting: Die erhöhte Kreativität und Risikobereitschaft bei Spielerverpflichtungen hat die Eintracht nach oben gespült. Shootingstars wurden geboren - sie zu halten, ist angesichts der finanzstarken Konkurrenz der Großclubs aber fast unmöglich.

"Ich weiß nicht, ob Luka Jovic eine Identifikationsfigur war", gibt Fischer zu bedenken. Man werde ihn trotzdem immer als Ausnahmestürmer im Herzen behalten: "Auch die Fans werden nach Madrid gucken, wie 'unser Luka' dort spielt."

Hinteregger als Musterbeispiel

Für den Präsidenten ist nicht alleine die Vereinstreue oder die Anzahl der erzielten Tore entscheidend, um zum Held der Massen zu taugen. Der im Winter vom FC Augsburg ausgeliehene Martin Hinteregger sei dafür das beste Beispiel: "Der ist nach drei, vier oder fünf Spielen jemand, den man besingt, der nach zehn Spielen einen eigenen Song bekommt - als wäre der Kerl hier geboren und mit fünf Jahren zur Eintracht gekommen." Noch dazu sei er Österreicher, mutmaßt Fischer erschwerte Herkunfts-Bedingungen.

"Man kann auch ganz schnell mit Sympathie, Authentizität und Bekenntnis im Herzen sein. Und es gab andere Spieler, die haben sehr lange hier gespielt und das nicht geschafft", sagt Fischer. Dass Identifikationsfiguren nicht zwingend aus der Region stammen müssen, beweist ohnehin kein Team seit Jahren besser als die Eintracht. Die Multi-Kulti-Stadt Frankfurt könnte kaum besser repräsentiert werden als von Profis wie Ante Rebic, Sébastien Haller oder Gelson Fernandes.

Hoffnung auf neuen Stendera

Wer sich trotzdem nach ein wenig mehr Lokalkolorit bei den Hessen sehnt, könnte schon bald mit einem neuen, alten Namen belohnt werden: Der bereits mit einem Profivertrag ausgestattete Nachwuchsspieler Nils Stendera bringt laut Fischer das Rüstzeug zum Bundesliga-Spieler mit. Mit seiner Schnelligkeit und Körpergröße könne der 18-Jährige eine klassische offensive Sechs spielen, so Fischer.

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Eintracht-Präsident Peter Fischer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Peter Fischer über die Stendera-Brüder

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Für Stenderas Bruder Marc ist die Zeit bei der Eintracht dagegen abgelaufen. Der Techniker kämpft seit Jahren vergeblich um seine Chance, großes Talent allein reichte nicht aus. "Er ist ein Junge, der viel mit dem Ball kann. Aber bei uns hat ihn das Spielsystem vielleicht ein Stück weit überholt - und vielleicht auch das Tempo", gibt Fischer zu. Der 23-Jährige steht auf der sommerlichen Verkaufsliste der Frankfurter auch wegen seines vergleichsweise üppigen Gehalts weit oben.

Bei Bruder Nils glauben die Club-Verantwortlichen indes an eine erfolgreichere Entwicklung. Präsident Fischer findet dafür gewohnt offene Worte: "Ich hoffe, dass uns die Stenderas nicht nur alle Geld kosten, sondern dass sie am Ende des Tages auch gestandene Fußballprofis werden." Im besten Fall sogar Identifikationsfiguren.