Collage: Pyro, UEFA-Logo und das Stadion in Lissabon

Hopp oder Top: Ob Eintracht Frankfurt mit oder ohne Fans zum Europa-League-Spiel in Lissabon reist, entscheidet sich an diesem Donnerstag. Zur Verhandlung bei der UEFA beantworten wir die wichtigsten Fragen.

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Worum geht es genau?

Die Auslöser gehen auf den 13. Dezember sowie auf den 10. Januar zurück. Einen knappen Monat nach den Ausschreitungen rund um das Europa-League-Gruppenspiel bei Lazio Rom verdonnerte die europäische Fußball-Union (UEFA) die Frankfurter Eintracht neben einer Geldstrafe über 80.000 Euro auch zu einem Verkaufsverbot von Tickets für das nächste eigene Auswärtsspiel in einem UEFA-Wettbewerb. Es handelt sich dabei um eine zweijährige Bewährungsstrafe, andernfalls hätte der Pokalsieger bereits im Zwischenrunden-Hinspiel bei Schachtar Donezk ohne die Unterstützung der eigenen Fans auskommen müssen.

Bei der Verhandlung vor der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der UEFA an diesem Donnerstag im schweizerischen Nyon geht es nun um die Verfehlungen in Mailand und dadurch auch darum, ob die Bewährungsstrafe bestätigt wird und vollends greift – oder ob sie eventuell doch widerrufen wird. Wie in Rom war auch während des Achtelfinal-Rückspiels beim FC Internazionale im Gästeblock Pyrotechnik gezündet worden, zudem flogen (brennende) Gegenstände durch das Stadion. Szenen, die sich nach dem ersten Urteil Mitte Januar nicht hätten wiederholen dürfen.

Mit welchen Strafen muss die Eintracht rechnen?

Das für viele wahrscheinlichste Szenario ist ebenso naheliegend wie aus Frankfurter Sicht schmerzhaft: Hält die UEFA an ihrer ursprünglichen Strafe fest, reist die Eintracht offiziell ohne einen einzigen Fan zum Viertelfinal-Hinspiel bei Benfica Lissabon. Im Estádio da Luz, wo die Hessen am 11. April zu einem der wichtigsten Duelle ihrer jüngeren Vereinsgeschichte antreten, würde es demnach keinen schwarz-weiß-roten Support geben. Zusätzlich dazu ist eine Geldstrafe – im fünf- bis sechsstelligen Bereich – nicht ausgeschlossen.

Auf eine solche Geldstrafe spekulieren die Frankfurter auch für den Fall, dass sie mit einem blauen Auge davonkommen. "Wir hoffen mit unseren dezidierten Argumenten, dass die UEFA sagt: Ihr bekommt eine hohe Geldstrafe und die Bewährung wird noch einmal verlängert – vielleicht in die nächste Saison hinein", sagte Anwalt Christoph Schickhardt im heimspiel! des hr-fernsehens. Neben dem Worst Case Zuschauerausschluss wäre dies der Best Case.

Was steht im Plädoyer der Eintracht?

Der Pokalsieger will den Widerruf der Bewährung mit gleich drei Argumenten herbeiführen. Erstens: Die Pyro-Einzeltaten in Mailand und die Ausschreitungen in Rom sind nicht vergleichbar, sollten also getrennt voneinander betrachtet werden. Zweitens: Die Eintracht lebt und bereichert die Europa League, sorgt bei Heim- wie Auswärtsspielen regelmäßig für Fußballfeste – was der UEFA als Veranstalterin auch bewusst ist und gut zu Gesicht steht.

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Christoph Schickhardt
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Und drittens: Die Ultras Frankfurt haben für die Geschehnisse in Mailand die Verantwortung übernommen, interne Konsequenzen angekündigt und damit auch den friedlichen Großteil der Fans in Schutz genommen. Ein Vorgang, der für diese Szene zwar ungewöhnlich ist, sich aber, so ist zumindest die Hoffnung der Verantwortlichen, strafmildernd auswirken könnte.

Wie groß sind die Erfolgschancen?

Eintracht-Justitiar Philipp Reschke bezeichnet sie als "vage", Anwalt Schickhardt rechnet hinsichtlich der Verhandlung mit einem "schwierigen Tag". Heißt im Klartext: Vernünftigerweise kann und will niemand ein uneinhaltbares Versprechen machen, zu eindeutig erscheint die Ausgangslage ob der Bewährungsstrafe. Entscheidend wird sein, inwiefern die UEFA den Argumenten der Eintracht folgt, ob sie den letzten verbliebenen Europapokalteilnehmer aus Deutschland als Aushängeschild betrachtet und die Vorfälle in Mailand tatsächlich nicht mit denen in Rom gleichsetzt.

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HÜTTER-URTEIL

Die UEFA wird am heutigen Donnerstag auch darüber verhandeln, ob Hütter noch ein weiteres Spiel gesperrt wird oder zusätzlich eine Geldstrafe erhält.

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Nach der Partie in der italienischen Hauptstadt war die Eintracht für gleich vier Fan-Vergehen bestraft worden: Stürmen des Innenraums, Sachbeschädigung, Zünden von Pyrotechnik sowie Werfen von Gegenständen. Ohne die Taten relativieren zu wollen, in Mailand wiederholten sich mit der Pyrotechnik und den geworfenen Gegenständen "nur" zwei dieser Vergehen. Zumindest rein formal sind die beiden Fälle also tatsächlich nicht in Gänze vergleichbar.

Wann ist mit einem Urteil zu rechnen?

Höchstwahrscheinlich nicht vor dem späten Nachmittag, eher am frühen Abend. Das zeigt die Erfahrung des ersten Urteils vom 10. Januar, das damals erst nach Sonnenuntergang zugänglich war. Dass das Verfahren länger dauert als jenes zu Jahresbeginn ist denkbar, immerhin will die Eintracht "wie die Löwen" (Schickhardt) für die nächste Auswärtsreise ihrer Fans kämpfen. Die eine oder andere Zeugenbefragung, ein langes wie leidenschaftliches Frankfurter Plädoyer, eine Verfahrenspause und die abschließende Urteilsverkündung sowie -begründung könnten diesen Tag in die Länge ziehen. Es ist sogar möglich, dass es das Urteil erst am Freitag gibt.

Und dann?  

Viele Eintracht-Fans werden am Donnerstag am Computer oder am Smartphone kleben, die Entscheidung abwarten – und parallel Flug- und Hotelpreise im Auge behalten. Sollte es doch ein Happy End und grünes Licht für eine Auswärtsfahrt nach Lissabon geben, muss innerhalb von knapp zwei Wochen ein Trip an die portugiesische Atlantikküste organisiert werden. Am Spieltag selbst liegt der Preis für das günstigste Flugticket derzeit bei rund 200 Euro, und bei manch einem Online-Reiseanbieter gehen Buchungen für ein Zimmer oder ein Apartment in Lissabon im Stundentakt ein.

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Christoph Schickhardt
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Was aber, wenn die UEFA an der Umsetzung der Bewährungsstrafe festhält? Dem Vernehmen nach sollen Frankfurter Anhänger bereits Hin- und Rückflug rund um den 11. April gebucht und sich auf anderen (portugiesischen) Wegen mit einer Eintrittskarte für das Spiel eingedeckt haben. Behalten diese dann trotzdem ihre Gültigkeit?

Oder wird es womöglich – wie in Mailand – Passkontrollen geben, bei denen Fans aus Deutschland der Zutritt zum Stadion verwehrt werden kann? Und wie bewerten die Behörden vor Ort die Sicherheitslage? Wie es ist, wenn sich zum Stadion- auch noch ein umstrittenes Stadtverbot gesellt, haben die Eintracht-Fans bereits rund um das Spiel bei Olympique Marseille erfahren müssen. Am Urteil der UEFA hängt also eine Menge dran.