Befreiungsschlag für die Eintracht: Timothy Chandler und Bas Dost bejubeln den Siegtreffer in Hoffenheim.

Sie können es ja doch noch: Nach mehr als zwei Monaten gewinnt Eintracht Frankfurt wieder ein Bundesliga-Spiel. Beim Erfolg in Hoffenheim kehren viele alte Tugenden zurück, nur eines ist komplett neu. Die Analyse in fünf Punkten.

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Adi Hütter
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Eintracht Frankfurt hat die Bundesliga-Rückrunde mit einem Sieg begonnen. Beim 2:1 (1:0)-Auswärts-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim trafen bei den Hessen Bas Dost (18. Minute) und Timothy Chandler (62.). Für die Gastgeber hatte Konstantinos Stafylidis kurz nach der Halbzeit ausgeglichen (48.).

1. Neues Jahr, neues System

Eine wirkliche Überraschung war es am Samstag nicht mehr. Trainer Adi Hütter hatte sich zuvor zwar in großes Schweigen gehüllt, in die Karten blicken lassen wollte sich der Österreicher in keinem Fall. Mit der Bekanntmachung der Aufstellung war es dann aber klar: Die Eintracht verteidigt ab sofort mit einer Viererkette. Neues Jahr, neues System. Und das bedingte auch Umstellungen für den Rest der Aufstellung.

Vor der Abwehrreihe um Martin Hinteregger und David Abraham im Zentrum agierten mit Sebastian Rode und Djibril Sow gleich zwei spielstarke Sechser. Dass diese der Partie nur bedingt ihren Stempel aufdrücken konnten, geriet am Ende zur Randnotiz. Im neuen 4-2-3-1-System, das im Defensivverhalten zu einem 4-4-2 wurde, durfte zudem Filip Kostic links offensiv wirbeln wie er wollte, rechts war Chandler deutlich defensiver unterwegs. Hinter Stürmer Dost agierte zudem Mijat Gacinovic auf der Spielmacher-Position. Eine Formation, die Kompaktheit versprach - und dieses Versprechen auch hielt.

2. Eine Halbzeit als Brustlöser

Diese neue Kompaktheit zeigte sich besonders in der ersten Hälfte. Bis auf einen Kopfball von Benjamin Hübner (37.) und einen Schuss von Stafylidis (41.) brachten die Gastgeber aus Hoffenheim offensiv nichts zustande, was Rückkehrer Kevin Trapp in Bedrängnis bringen könnte. Die Eintracht hatte die Partie spätestens ab der 15. Minute komplett im Griff - und wurde frühzeitig belohnt. Nach einer Balleroberung von Chandler schalteten Sow und Almamy Touré schnell und schickten Gacinovic auf die Reise. Der bediente Dost im Strafraum - 1:0 (18.).

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Die Bundesliga ist in die Rückrunde gestartet - mit dabei: die Eintracht gegen Hoffenheim. Wie haben sich die Frankfurter geschlagen? Und - wie läuft die Transferperiode? Die Antworten im heimspiel! am Montag ab 23:15 Uhr.

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Dass es ab Minute 30 immer noch nur 1:0 stand, hatte mehr mit der Eintracht zu tun als mit den Hoffenheimern. Die Hessen hatten gleich mehrere gute Möglichkeiten, vergaben diese aber entweder fahrlässig oder scheiterten wie Kostic (27.) an der Latte. So oder so: Die Eintracht legte eine Halbzeit hin, die Hoffnung machte, dass die Zeit der spielerischen und punktetechnischen Armut endlich vorbei ist.

3. Ein Chandler-Tor zur richtigen Zeit

Es war aber mitnichten so, dass die 90 Minuten in der Sinsheimer Arena dauerhaft von vorzeigbarem Frankfurter Fußball geprägt war. Besonders die Viertelstunde nach der Pause zeigte, dass die Eintracht auch im neuen Jahr nicht komplett vor Schwächephasen gefeit ist. Kurz nach Wiederanpfiff erzielte Stafylidis mit einem sehenswerten Fernschuss das 1:1 (48.) - und plötzlich war das Spiel ein gänzlich anderes. Die Kraichgauer machten Druck, erspielten sich weitere Chancen und hätten gar in Führung gehen können. Von der Eintracht kam zu diesem Zeitpunkt reichlich wenig Gegenwehr.

Imago Eintracht Hoffenheim

"Nach der Pause hatten wir eine Phase, in der wir reichlich unsortiert waren", gab auch Trainer Hütter nach dem Spiel zu. Die Eintracht brauchte einen Wachmacher, und bekam ihn. Wie dieses Spiel ohne die 62. Minute ausgegangen wäre, ist freilich müßig zu debattieren. Fakt ist, dass nach einer Kostic-Flanke Neu-Rechtsaußen Chandler Hoffenheim-Verteidiger Stafylidis mühelos übersprang und zum 2:1 einnickte. Ein Tor aus dem Nichts. Aber: Auf einmal war die Eintracht wieder da - und ließ das Spiel nicht ein weiteres Mal kippen. Bis zum Schluss hatte die Hütter-Elf die Begegnung im Griff und gewann am Ende absolut verdient.

4. Ist das nun der Befreiungsschlag?

Der ausgelassene Jubel nach dem Spiel zeigte, wie wichtig der Erfolg in Sinsheim für die hessische Fußball-Welt war. Die Negativ-Serie ist endlich durchbrochen, die Eintracht kann doch noch gewinnen. Nur: Waren diese drei Punkte nun die erhoffte Wende? "Das war ein Befreiungsschlag", nannte es zumindest Hütter. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die neue Kompaktheit und das neue System die Frankfurter auch über lange Strecke beflügeln.

Offensichtlich war in Sinsheim aber, dass zumindest ein wenig die alte, erfolgreiche Eintracht durchschimmerte. Und genau das dürfte den Hessen Mut machen. "Wenn wir das so durchziehen, wie wir es heute gemacht haben, sind wir eine richtig gute Mannschaft", erklärte Keeper Trapp. "Wenn wir unsere Tugenden reinwerfen, haben wir es bisher gegen jede Mannschaft geschafft. Kompaktheit und Aggressivität - das sind unsere Tugenden", fügte Sportvorstand Fredi Bobic hinzu.

5. Endlich mal normale Wochen

Hinzu kommt, dass sich die Eintracht in den nächsten Wochen endlich mal wie ein normaler Bundesligist fühlen darf. Keine Europa League, kein DFB-Pokal: Trainer Hütter kann seine Mannschaft - wie so viele Kollegen in der Liga auch - eine ganze Woche auf den neuen Gegner am Wochenende einstimmen. "Wir haben jetzt drei normale Bundesliga-Wochen vor uns. Das ist auch mal schön", bekannte Bobic.

Dadurch ist auch klar: Die Fragen nach Spritzigkeit und mentaler Müdigkeit wird es vor und nach den Begegnungen nicht geben. Als nächstes kommt mit Spitzenreiter RB Leipzig auch direkt ein echter Brocken auf die Hessen zu. Dass jemand in Frankfurt aber ob des einen Sieges zu euphorisch wird, kann ausgeschlossen werden. Zumindest gab Torschütze Chandler gleich mal die Richtung für die nächsten Wochen vor: "Heute war der Anfang. Weiter geht's."