Vorstand Axel Hellmann (re.) mit Präsident Peter Fischer

Für Axel Hellmann ist mit dem Sieg von Eintracht Frankfurt beim FC Barcelona ein Traum in Erfüllung gegangen. Im heimspiel! hat er jetzt über große Emotionen, Gespräche mit den Barca-Verantwortlichen und das kollektive Gedächtnis der Eintracht gesprochen.

Eigentlich ist Axel Hellmann eher so der sachliche Typ – mit kühlem Kopf, klaren Worten, emotional kontrolliert. Selbst im TV-Interview vor dem Spiel seiner Frankfurter Eintracht beim FC Barcelona wirkte der Vorstand noch, als könnten die großen Emotionen, die die fast 30.000 mitgereisten Fans in die Stadt und das Camp Nou trugen, daran wenig ändern. Zumindest nach außen.

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Die magische Eintracht-Nacht in Barcelona

Eintracht Frankfurt Fans feiern den Sieg zwischen FC Barcelona and Eintracht Frankfurt.
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"Es war immer einer meiner großen Träume – nicht nur als Fan, sondern auch seit ich mit meiner Arbeit vor 20 Jahren begonnen habe – einmal ein Pflichtspiel mit Eintracht Frankfurt in Camp Nou ausrichten zu dürfen", gab Hellmann im hr-heimspiel! jetzt einen Einblick in seine Gefühlswelt. "Das schien damals so unerreichbar. Wie sollte das gehen? Barcelona wurde immer Meister oder Vize und war in der Champions League dabei. Dass die Eintracht in die Champions League kommt? Das war nahezu ausgeschlossen."

"Das größte Spiel, das ich auswärts je erlebt habe"

Auch und vor allem, weil es in Frankfurt damals stets darum ging, den Abstieg zu verhindern oder den Aufstieg zu schaffen. Die Eintracht und den FC Barcelona schienen nicht nur Ligen, sondern Welten zu trennen. "Von solchen Ereignissen haben wir da nicht geträumt. Das gegen Barcelona war unter diesen Rahmenbedingungen und diesem Ergebnis das größte Spiel, das ich auswärts je erlebt habe – sowohl als Fan als auch als Funktionär", so Hellmann.

Das Viertelfinale furioso von Fans, Verein und der Mannschaft liegt inzwischen zwar ein paar Tage zurück, noch aber ist die Reise nach Barcelona noch nicht abgehakt. "Es gibt noch so viele Eindrücke über Videos und Bilder, die ich auch von Freunden, die da waren, bekomme. Ich kann das Gesamtbild noch gar nicht verarbeiten." Bei all der Frankfurter Euphorie ist Hellmann in der Rückschau aber auch der Respekt vor dem Gegner wichtig – denn der Abend im Camp Nou hat nicht nur bei der Eintracht Spuren hinterlassen.

Auch in Barcelonas Clubgeschichte "einmalig"

"Ich habe mir davor keine Gedanken gemacht, sondern erst in der Nacht kapiert, welchem Druck Präsident Joan Laporta ausgesetzt war. Es gab Rücktrittsforderungen, die spanische Presse hat scharf reagiert. Die Medien sprechen von Skandal", so Hellmann. "Da ist mir erst klar geworden, dass das für ihre Clubgeschichte eine einmalige Situation war." Fans und Verantwortliche des FC Barcelona haben inzwischen Konsequenzen angekündigt.

Bereits am Donnerstagabend aber hatte sich der Präsident des Clubs, so erzählt es der Eintracht-Vorstand, bei ihm erkundigt, woher eigentlich diese enorme Begeisterung stamme. "Ich habe ihm erzählt, dass der Club seit 2016 jedes Jahr am Ende der Saison besondere Spiele und Highlights erlebt", so Hellmann. "Dieser Club ist darauf gepolt, besondere Spiele anzunehmen und zu bestehen." Ob Laporta daraus etwas für die Katalanen ableiten will, ist indes nicht überliefert.

Fokus auf West Ham

Der Eintracht-Vorstand ist sich aber sicher: "Das ist etwas, was uns auch mit Blick auf die anstehenden Spiele gegen West Ham Zuversicht gibt." Die Partien im Halbfinale rücken auch den grauen Bundesliga-Alltag, in dem die Eintracht zuletzt eine 0:2-Niederlage bei Union Berlin kassierte, in den Hintergrund. Zwar wolle das Team in der Bundesliga noch alles rausholen, aber: "Eines ist klar: Mit der Paarung gegen Barcelona ist das schon jetzt eine unvergessliche Saison. Dieses riesige Erlebnis nimmt uns niemand mehr, das befindet sich im kollektiven Gedächtnis des Clubs."

Ein wenig Platz aber wäre da sicher noch, etwa wenn in der Europa League weitere Erfolge, furiose Nächte und vielleicht sogar ein Titel dazukommen könnten. "Die Eintracht kann Großes packen", ist sich Hellmann sicher. Und sollte das tatsächlich gelingen, dann wird der Vorstandssprecher bestimmt wieder etwas weniger sachlich, dafür aber mit etwas mehr Emotionen davon erzählen.