Markus Krösche im Transfersommer 2021

Der Kader von Eintracht Frankfurt steht endgültig fest. Viele junge Neue und doch nur ein Abgang bei den Stars - hat Vorstand Markus Krösche also seine erste Prüfung gemeistert? Welche Potenziale und Gefahren stecken noch im Team?

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Audioseite Eintracht Frankfurt: Lammers kommt, Kostic bleibt

Fans von Eintracht Frankfurt im Stadion
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Am Dienstag endete die Transferphase, damit steht der Kader von Eintracht Frankfurt endgültig. Was bringen die Neuzugänge und welche Probleme sind weiter vorhanden? Unsere fünf Thesen:

1. Die Eintracht muss Filip Kostic wieder eingliedern!
2. Sam Lammers ist ein typischer Eintracht-Transfer!
3. Kristijan Jakic muss der "Wellenbrecher" werden!
4. Die Eintracht hat noch eine Unwucht auf Außen!
5. Glasner ist nun als Moderator gefordert!
Fazit: Das sind die Vorteile und Risiken bei den Neuen

1. Die Eintracht muss Filip Kostic wieder eingliedern!

Der wichtigste Neuzugang der Hessen ist gar keiner. Top-Star Filip Kostic blieb nach seinem Wechseltheater samt Trainingsstreik dann doch bei Eintracht Frankfurt - ein Transferdrama, das man in dieser Form auch nicht alle Jahre erlebt. Erst das geschwänzte Training, dann ein Angebot, das Lazio Rom einerseits an die falsche Email-Adresse schickte, andererseits mit gerade neun Millionen Euro ohnehin zu lausig war. Ein neues Angebot kam nicht, und so verkündete die Eintracht nach Transferschluss: Kostic bleibt bei Eintracht Frankfurt.

Sportlich eine fantastische Nachricht, menschlich hat das Verhalten des Serben aber durchaus für Verwunderung gesorgt. Entsprechend wichtig, dass der als sensibel geltende Kostic wieder eingegliedert wird, freilich nicht ohne eine saftige Strafe zu zahlen und sich beim Team entschuldigen zu müssen. Die Brücken dazu sind gebaut, Kapitän Sebastian Rode sagte: "Filip hat sich in drei Jahren bei uns nichts zu schulden kommen lassen. Er wird von uns mit großer Freude wieder aufgenommen." Auch Eintracht-Trainer Glasner bezeichnete Kostic als einwandfreien Spieler und Menschen, man werde sich zusammensetzen und "die Geschehnisse vom vergangenen Freitag im Sinne unserer gemeinsamen Ziele aufarbeiten und dann auch abhaken".

2. Sam Lammers ist ein typischer Eintracht-Transfer!

Ebenfalls wichtig ist die Verpflichtung von Sam Lammers. Der 24-Jährige gilt in seiner niederländischen Heimat als Top-Talent, absolvierte elf Spiele für die U21-Nationalelf und schoss für Heerenveen 2018/19 satte 16 Saisontore, nicht wenige davon wunderschön. Die Stationen im Anschluss, PSV Eindhoven und Atalanta Bergamo, verliefen auch verletzungsbedingt weniger erfolgreich. In diesem Sinne ist Lammers ein perfekter Eintracht-Transfer: hochgelobtes Talent, das den ganz großen Durchbruch noch nicht geschafft hat und diesen bei der Eintracht nachholen will. Schöne Grüße an Luka Jovic, Ante Rebic und Co.

Das Problem: Das kann, muss aber nicht klappen. Lammers gilt als feiner Fußballer, hat zudem Mittelstürmer-Gardemaß. "Er wird unserem Spiel eine andere Facette geben und auch mal den einen oder anderen entlasten können, um besser in die Aktionen zu kommen", so Krösche. Aber Lammers hat auch länger schon keine große Rolle mehr gespielt, kam bei Atalanta in der Saison 2020/21 nur auf 15 Spiele und zwei Tore. Ob er der Eintracht direkt weiterhilft, bleibt also abzuwarten. Zuzutrauen ist es ihm in jedem Falle.

3. Kristijan Jakic muss der "Wellenbrecher" werden!

Mit Kristijan Jakic hat die Eintracht einen giftigen Sechser geholt, der bislang im Kader gefehlt hat. Der 24-Jährige kommt von Dinamo Zagreb, wuchs in der gleichen Stadt wie Rebic auf. "Er hat mir gesagt, dass es der beste Moment meiner Karriere sei", berichtete Jakic im vereinseigenen Kanal. Er sammelte in diesem Sommer internationale Erfahrung, lief in sieben Qualispielen zur Champions League auf.

Nach der Verletzung von Sebastian Rode hatte die Eintracht zuletzt mit Djibril Sow und Ajdin Hrustic auf der Doppel-Sechs agiert. Doch Hrustic spielt eigentlich weiter vorne, muss sich nach eigenen Angaben erst an die neue Rolle gewöhnen. Sow überzeugte in den jüngsten beiden Spielen, galt aber bis dato nicht als der harte Abräumer und Leader. Beim 1:1 gegen Bielefeld mangelte es den Frankfurtern an einem "Wellenbrecher" im Zentrum, der den zunehmenden Druck der Gastgeber hätte unterbinden können. Jakic soll für mehr Aggressivität sorgen, muss sich aber wie viele andere Neuerwerbungen erst noch an die Bundesliga gewöhnen.

4. Die Eintracht hat noch eine Unwucht auf Außen!

Die Eintracht spielt nun mit einer Viererkette, auf der Position links scheint Neuzugang Christopher Lenz gesetzt. Auf der rechten Seite tummeln sich gleich vier Bewerber, die aber reihum schwächelten oder nicht in Form waren: Timothy Chandler, Erik Durm, Almamy Touré und Danny da Costa. Durm bereitete zumindest das Führungstor in Bielefeld vor, Touré kommt nach einer langen Verletzungspause zurück und da Costa müsste eigentlich nach einer überzeugenden Rückrunde in Mainz vor Selbstvertrauen strotzen.

Dennoch erscheinen vier Bewerber für eine Position zu viel. Gleiches gilt für das Stellenprofil der technisch veranlagten "schwimmenden" Offensivspieler. Mit Amin Younes, Daichi Kamada, Jesper Lindström, Filip Kostic, Jens Petter Hauge, Aymen Barkok oder Fabio Blanco hat die Eintracht eine Reihe von hochveranlagten Akteuren hinter den Sturmspitzen im 4-2-3-1-System. Bei einem System mit zwei Stürmern könnten die Plätze noch enger werden.

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Diskutiert wird bei der Eintracht auch die Defensive: Makoto Hasebe und Stefan Ilsanker spielten in der vergangenen Saison häufiger in der Dreierkette, zuletzt saßen beide auf der Bank. In der Viererkette agieren Martin Hinteregger und Evan N'Dicka im Zentrum - doch beide sind Linksfüßer (normalerweise wird hier eher ein Rechts- und ein Linksfuß aufgestellt). Tuta, der Shootingstar der vergangenen Saison, ist nach seinen Fehlern im Pokalspiel ins zweite Glied gerutscht. Gerade durch das hohe Aufrücken der Eintracht ist die Abwehr besonders gefordert - ein gelernter Innenverteidger mehr hätte dem Team sicher gut getan.

5. Glasner ist nun als Moderator gefordert!

Vorstand Markus Krösche findet einen Kader mit 23 Spielern ideal. Nun versammelt die Eintracht aufgrund einiger geplatzter Abgänge 30 Spieler. Ein so großes Ensemble birgt immer wieder Konflikte und Verärgerungen. Immerhin könnte Trainer Glasner durch die vielen Europapokalspiele auch mal rotieren.

Am besten zeigen sich die Auswirkungen des schwierigen Transfermarktes an der Personalie Goncalo Paciencia. Der von Schalke zurückgekehrte Angreifer galt als sicherer Verkaufskandidat, doch nach den komplizierten Verhandlungen mit Benfica Lissabon über Vinicius wollte die Eintracht Paciencia auch nicht ziehen lassen. In Bielefeld wurde der Portugiese zwar eingewechselt, nach der Verpflichtung von Lammers dürfte er aber auch in Zukunft nicht über die Jokerrolle hinauskommen.

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Die Eintracht beim Training.
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Trainer Glasner ist in diesem Punkt vor allem als Moderator gefragt, um die Missstimmung von Bankdrückern zu dämpfen. Ohnehin stellt die Chemie im Team eine große Herausforderung dar: Mit Rode fehlt ein Führungsspieler, die Ersatzkapitäne Martin Hinteregger und Hasebe hatten keinen guten Saisonstart, Leistungsträger wie Kostic oder Younes haben - um es glimpflich auszudrücken - ihre Identifikation mit der Eintracht vermissen lassen. Die Neuzugänge brauchen noch Zeit, um sich an die Bundesliga und auch die Mannschaft zu gewöhnen. So muss das Team nicht nur auf dem Rasen erst zueinander finden.

Fazit

Die Eintracht hat die Baustellen auf der Stürmerposition und im defensiven Mittelfeld geschlossen. Von den großen Namen der Vorsaison hat sie schlussendlich nur André Silva verloren. Für die Wechselabsichten und das damit verbundene Gebaren von Kostic und Younes konnte der Club nichts. Die Strategie hinter den Neuen ist deutlich: Glasner bekam Spieler mit Schnelligkeit und Laufstärke für sein Umschaltspiel.

Gleichzeitig sind Transfers von Hauge oder Lindström Investitionen in die Zukunft. Bundesliga-erprobte Neuzugänge gab es in diesem Sommer hingegen nur mit Lenz - so besteht das Risiko, dass die Neuen viel Zeit und Geduld für die Eingewöhnung brauchen. Doch genau die ist nach dem Pokalaus und dem Fehlstart in der Liga in Frankfurt begrenzt.

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