Nicht nur die Fans von Eintracht Frankfurt zeigen Solidarität in der Corona-Krise.

Ob Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, SV Darmstadt 98 oder SV Wehen Wiesbaden – die Fangruppen zeigen sich in der dramatischen Corona-Krise mit tollen Aktionen und Worten solidarisch. Für den einen oder anderen Kritiker dürfte das überraschend kommen.

Frank Ulrich Montgomery richtete in den vergangenen beiden Tagen in Interviews mit der Frankfurter Rundschau und der ARD in der Corona-Krise den dringenden Appell an die Gesellschaft, die Schwachen und die Gesellschaft als Ganzes zu schützen. Ein Musterbeispiel für Fehlverhalten in den vergangenen Wochen machte der Weltärztechef schnell aus: "Gröhlende Fußballfans und singende Kneipensäufer sind nicht nur unappetitlich, sie sind auch im höchsten Maße unsolidarisch. Und deswegen werden vielleicht am Ende Ausgangssperren doch unumgänglich…"

Fangruppen helfen in der Corona-Krise

Natürlich gab es am Rande der Geisterspiele in der Champions League von Paris Saint-Germain gegen Borussia Dortmund und der Bundesligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln Bilder, die noch als Verantwortungslosigkeit bezeichnet werden mussten. Obwohl die Gefahr des Coronavirus vor zehn Tagen schon bekannt war, kamen große Gruppen vor den Stadien zusammen und feierten anschließend mit den Spielern, die ebenfalls ihre Vorbildfunktion vermissen ließen.

Doch seitdem ist viel passiert: Die Anhänger des SV Darmstadt 98 etwa feuern Pflegekräfte und Supermärkte an. "Wenn ihr an eure Grenzen geht, dann denkt daran, dass diese Stadt hinter euch steht", riefen sie auf Transparenten in der Stadt zur Solidarität auf. Die Fans des SV Wehen Wiesbaden wollen Menschen der Risikogruppe helfen. "So wie wir sonst vereint hinter unserer Mannschaft stehen, sind wir nun füreinander da und lassen niemanden in dieser Zeit alleine", heißt es auf der Homepage des SVWW.

Pfleger anfeuern, Geistertickets kaufen, Spendenaufrufe

Die Ultras Frankfurt demonstrierten ebenfalls ihr Verantwortungsbewusstsein in diesen schwierigen Zeiten. Sie bitten um Spenden für die Frankfurter Tafel und richteten darüberhinaus den Blick auf andere wichtige Dinge: "Es sollte selbstverständlich sein, Hilfsbedürftige in seiner Nachbarschaft zu unterstützen und sei es nur der Gang zum Supermarkt.“

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zum Video Jimmy Hartwig ruft zum Kauf von Geistertickets auf

Jimmy Hartwig
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Beim finanziell leidgeprüften Viertligisten Kickers Offenbach helfen die Fans dem Klub selbst. So können Fans und Sponsoren online im OFC-Online-Ticketshop symbolische "Geistertickets" erwerben. Karten also für ein Spiel, das nicht gespielt wird, und das aus finanzieller Sicht also umso wichtiger für den OFC ist.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found OFC-Fan Libor Mazur im hr3-Talk

Das Stadion von Kickers Offenbach von einer Drohne fotografiert
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Die Aktion wird in Offenbach extrem gut angenommen. Selbst die Regionalliga-Mannschaft hat inzwischen 100 Tickets gekauft. "Wir sind extrem beeindruckt, aber nicht überrascht, wie das Kickers-Umfeld auf diese schwierige Situation reagiert und den OFC unterstützt", sagt Kapitän Maik Vetter. "Dadurch wird wieder mal deutlich, was für ein besonderer Verein wir sind."

Montgomery hat davon wohl nicht viel mitbekommen

Montgomery jedenfalls scheint von den vielen Aktionen und Aufrufen, die auch Fangruppen außerhalb der hessischen Landesgrenzen organisieren, nichts mitbekommen zu haben. Schuldzuweisungen dieser Art sind in der Krise, die die ganze Welt in Atem hält und derzeit auf den Kopf stellt, nicht hilfreich. Die Anhängerschaften jedenfalls kontern auf ihre Art und Weise und handeln frei nach dem Motto: "In den Farben getrennt – in der Sache vereint!"