Amin Younes von Eintracht Frankfurt

Nach dem Sieg gegen Hoffenheim darf sich Eintracht Frankfurt ernsthaft mit der Champions League beschäftigen. Das Selbstvertrauen ist so groß, dass Gegentore egal werden und ehemalige Sorgenkinder auftrumpfen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht Frankfurt bleibt das Team der Stunde

Filip Kostic von Eintracht Frankfurt
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Eintracht Frankfurt schlägt auch die TSG Hoffenheim und festigt mit dem 3:1-Auswärtssieg Platz vier. Filip Kostic, Evan N'Dicka und André Silva treffen für die Hessen, der zwischenzeitliche Ausgleich durch Ihlas Bebou fällt nicht weiter auf.

1. Eintracht Frankfurt ist das Team der Stunde

Der Winter bleibt die Jahreszeit von Eintracht Frankfurt. Der überzeugende Auswärtserfolg bei der TSG Hoffenheim am Sonntag war das insgesamt neunte Bundesliga-Spiel in Folge ohne Niederlage, seit dem Jahreswechsel hat die Mannschaft von Trainer Adi Hütter 19 von 21 möglichen Punkten geholt. In der inoffiziellen Tabelle des laufenden Kalenderjahrs liegt die Eintracht damit noch vor dem FC Bayern auf Platz eins. Meisterlich.

"Es macht Spaß, der Mannschaft zuzusehen. Wir sind aktuell sehr schwer zu schlagen und genießen diesen Moment", fasste Coach Hütter die Frankfurter Gemütslage zusammen. Die Eintracht hat sich trotz eines Durchhängers im Herbst zu einem Spitzenteam entwickelt und den Kreis der Großen – zumindest aktuell – gesprengt. Die beiden Champions-League-Teilnehmer aus Dortmund und Gladbach liegen vier Punkte hinter den Hessen, auch Bayer Leverkusen wurde überholt. Als Vierter nimmt die Eintracht derzeit Kurs auf die Königsklasse.

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heimspiel: Die Eintracht und der Traum von der Champions League

Schafft es die Eintracht in die Champions League? Darum geht es am Montagabend im heimspiel. Mit dabei: Marc Schmidt (Bild-Zeitung) und hr3-Star und SGE-Fan Tobi Kämmerer. Die Sendung gibt es ab 23.15 Uhr im hr-fernsehen und schon davor in der Mediathek und bei hessenschau.de.

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2. Im Stile eines Spitzenteams

Und das hat schon jetzt sicht- und spürbare Auswirkungen auf das Selbstvertrauen. Selbst Rückstände wie beim 3:1 gegen Hertha BSC vor einer Woche oder der Hoffenheimer Ausgleich kurz nach der Pause bringen die Eintracht nicht mehr aus dem Konzept. Nach teilweise doch sehr ängstlichen Auftritten in der Hinrunde geht die Hütter-Elf inzwischen mit dem Selbstverständnis eines absoluten Topteams in die Partien. Ihr wollt gegen uns gewinnen? Dann zeigt mal her.

"Wir kommen jetzt auch nach Rückstanden und Rückschlägen zurück. Das gibt uns zusätzliche Power", betonte Hütter. Entscheidend ist dabei vor allem die Offensive. Toptorjäger Silva ist mit neun Toren in den vergangenen acht Spielen der erfolgreichste Bundesliga-Stürmer des Jahres. Hinzu kommt, dass die Hessen in fünf Auswärtsspielen in Folge mindestens doppelt getroffen haben. Die Eintracht geht mehr ins Risiko und wird dafür belohnt. "Wir haben nach dem Gegentor gezeigt, was eine Spitzenmannschaft auszeichnet und nicht die Ruhe verloren", brachte Sebastian Rode die neuerworbene Stärke der Eintracht auf den Punkt.

3. Jovic beflügelt Kostic

Einer, der aus der fulminanten Angriffsreihe derzeit noch heraussticht, ist Kostic. Der Serbe, der nach der Corona-Unterbrechung in ein Tief fiel und lange Zeit nicht mehr an die Leistungen der letzten Spielzeiten anknüpfen konnte, ist wieder ganz der Alte. Gegen Hoffenheim stellte er zunächst seinen alten Kumpel Mijat Gacinovic vor große Probleme und machte nach dem Seitenwechsel dann auch mit dem eingewechselten Pavel Kaderabek kurzen Prozess. Die Eckdaten der Gala-Vorstellung: Kostic erzielte ein Tor selbst und bereitete zwei weitere direkt vor.

"Er hat seine Form zum Glück wiedergefunden. Das liegt sicherlich auch an der Rückkehr von Jovic", zeigte sich auch Coach Hütter erleichtert. Wie sehr Kostic durch die Wiedervereinigung mit seinem Spezi Jovic aufblüht, zeigt ein Blick in die Statistik: Vor der Verpflichtung seines Landsmanns war Kostic in elf Spielen an genau einem Treffer beteiligt. Seit Jovic wieder an seiner Seite ist, sammelte er in fünf Partien neun Scorer-Punkte.

4. Kamada zeigt sein Potenzial

Nur Kostic ein Sonderlob auszusprechen, wäre nach dem souveränen Sieg in Sinsheim allerdings auch falsch. Nachdem an den vergangenen Spieltagen meist abwechselnd Silva, Amin Younes, Jovic, Kostic oder auch Aymen Barkok zu Matchwinnern wurden, verdiente sich dieses Mal Daichi Kamada Bestnoten. Der Japaner, der viel kann, aber hin und wieder etwas behäbig wirkt, schöpfte gegen die TSG endlich mal sein Potenzial aus. Gegen den Ball aggressiv, mit Ball ideenreich.

Vor dem 1:0 war Kamada gemeinsam mit Makoto Hasebe am Ballgewinn und dem schnellen Umschalten beteiligt. Sein langer Pass, der den Konter zum 3:1 einleitete, hätte einen Platz im Eintracht-Museum verdient. "Daichi Kamada war heute sehr stark, hat auch nach hinten gearbeitet und kaum Bälle verloren", lobte Sportdirektor Bruno Hübner. Ein Kamada in dieser Form hebt die Eintracht auf ein anderes Level und macht die ohnehin schon starke Offensive noch einmal unberechbarer.

5. Ab in die Champions League?

Doch wohin führt die Reise dieser Mannschaft, die individuell vielleicht noch einen Ticken stärker ist als die Büffelherden-Elf? Klar ist: Angesichts der schwächelnden Schwergewichte Dortmund, Gladbach und Leverkusen ist die Chance auf Platz vier alles andere als unrealistisch. Hinzu kommt, dass die Eintracht im oberen Tabellendrittel neben Wolfsburg das einzige Team ohne internationale Doppelbelastung ist. Allerdings, und das betonte auch Hütter, "sind immer noch 14 Runden zu spielen".

Heißt: Der Weg ist noch lang. Träume sind ab sofort aber nicht mehr verboten. "Ich werde die Euphorie sicher nicht bremsen", so Hütter. Ob sich die Hessen wirklich schon mit den ganz Großen des Fußballgeschäfts messen können, erfahren sie spätestens in zwei Wochen. Dann ist nämlich Meister und Champions-League-Sieger Bayern München zu Gast in Frankfurt.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 07.02.21, 23.15 Uhr