Eintracht-Trainer Adi Hütter versammelte die Mannschaft auch in der Schweiz regelmäßig um sich herum.

Für eine Woche hatte Eintracht Frankfurt seine Zelte in der Schweiz am Thunersee aufgeschlagen. Trainingseinheiten, Testspiele und Teambuilding standen auf dem Programm. Wir blicken auf das Trainingslager zurück und beantworten die wichtigsten Fragen.

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Eintracht im Trainingslager
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Worauf lag der Fokus in der Schweiz?

Während die Öffentlichkeit über die Dreier-, Vierer- und Fünferkette diskutiert, betonte Trainer Adi Hütter: "Für mich geht es vielmehr um die Spielanlage." Das Stichwort: Variabilität - wobei diese weniger das System betrifft. "Damit meine ich auch, dass, wenn wir Dreier- oder Viererkette spielen, die Außenspieler hoch gehen und dass wir versuchen, in der gegnerischen Hälfte den Ball schnell zu erobern." Den Beobachtungen zufolge wird Hütter weiterhin auf Dreierkette mit Makoto Hasebe als Libero setzen, vorne soll es bei zwei Stürmern bleiben.

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Adi Hütter still zwei Trainingslager
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Im Fokus standen bei den Einheiten daher Kombinationsspiel, Umschaltverhalten und Pressing. Die Viererkette wurde nur einmal geprobt und wird somit wohl auch zum ersten Pflichtspiel in der Europa-League-Qualifikation nicht zum Vorschein kommen. Zudem musste die Eintracht eine Herausforderung meistern: Statt wie üblich konditionelle Grundlagen zu legen, musste bereits intensiv an taktischen und spieltechnischen Feinheiten gearbeitet werden. Der Start in der Europa-League-Qualifikation gegen Tallinn oder Nis am 25. Juli kommt schließlich rasant näher.

Wie liefen die Testspiele?

Hier gab die Eintracht ein sehr durchwachsenes Bild ab: Das erste Spiel im Uhrencup gegen den erneuten Schweizer Meister Young Boys Bern endete mit einer 1:5-Klatsche. Immerhin rehabilitierte sich das Team von Adi Hütter, das zur Halbzeit jeweils komplett durchgewechselt wurde, im zweiten Spiel mit einem 3:1 gegen Luzern. Allerdings bleibt festzuhalten: Zwischen den beiden Teams lagen stärketechnisch Welten. "Young Boys Bern könnte auch in der Bundesliga mithalten", zeigte sich Hütter im Gespräch mit Eintracht TV überzeugt. Von diesem Niveau war Luzern weit entfernt.

Was lief gut?

Flüssige Kombinationen, Pressing und schnelles Umschaltspiel - so soll sich die Eintracht unter Hütter im Optimalfall präsentieren. Im zweiten Testspiel gegen den FC Luzern war davon schon einiges in Ansätzen zu erkennen, die Rädchen greifen immer besser ineinander.

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Eintracht-Außenverteidiger Danny da Costa äußert sich zu den Haller-Gerüchten.
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Zudem konnte der Teamgeist bei einer Bootstour auf der Aare gestärkt werden. "Das hat uns allen riesigen Spaß gemacht. Das gehört auch zu einem Teambuilding dazu", sagte Hütter. Auch Danny da Costa hob den Ausflug hervor: "Man hat bei der Raftingtour gesehen, dass wir uns gut verstehen." Die Stimmung war gut, das Team habe "Spaß" und sei dadurch noch "enger zusammengeschweißt".

Was lief schlecht?

Der größte Downer für die Eintracht in der Schweiz war eindeutig die Verletzung von Djibril Sow. Der Königstransfer, der für rund neun Millionen Euro von Young Boys Bern zur Eintracht gekommen war, zog sich einen Sehneneinriss im Oberschenkel zu und wird den Saisonstart mit Sicherheit verpassen. Die Frankfurter rechnen mit einer Ausfallzeit von acht bis zehn Wochen. Zudem sorgt die brodelnde Gerüchteküche für Unruhe: Verlassen Ante Rebic und Sébastien Haller die Hessen? Kommen die zuletzt ausgeliehenen Martin Hinteregger, Sebastian Rode und Kevin Trapp zurück? Aktuell herrscht noch keine Planungssicherheit.

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Eintracht-Trainer Adi Hütter
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Was bedeutet die Verletzung von Djibril Sow?

Der Verlierer der Verletzung von Sow ist zunächst Eintracht Frankfurt. Der 22-Jährige hätte sich mit Dominik Kohr einspielen und das zentrale Element bilden sollen. Stattdessen musste Hütter improvisieren und so wurde neben Jonathan de Guzman plötzlich auch der eigentlich schon aussortierte Marc Stendera wieder wichtig. "Ein Trainer lässt sich nicht die Karten schauen", sagte der Österreicher dem hr-sport zu dieser Personalie. Mit Blick auf das erste Pflichtspiel und den unfertigen Kader will und muss sich Hütter mehrere Optionen offen halten.

Wie haben sich die Neuzugänge präsentiert?

Neben Sow war ein neues Trio dabei. Kohr soll das Spiel der Hessen als Umschaltspieler prägen. Der Neuzugang von Bayer Leverkusen hat im Trainingslager einen ordentlichen Eindruck hinterlassen und sich bereits gut eingefügt. Ähnliches lässt sich über Dejan Joveljic sagen. Der 19-Jährige integriert sich, bestätigt den ersten, pfiffigen Eindruck und konnte unter anderem den Ehrentreffer bei dem Debakel gegen Bern erzielen.

Startschwierigkeiten hatte hingegen der bislang eher unauffällig agierende Erik Durm. Der Außenverteidiger verpasste zwei Trainingstage und war auch beim Testspiel gegen Luzern noch zurückhaltend. Ein erstes Zwischenfazit: Der Weltmeister von 2014 benötigt wohl noch etwas Zeit, bis er sein Leistungsoptimum erreicht.

Wer ist das Sorgenkind?

Eine "reine Vorsichtsmaßnahme"! Nachfragen über den Gesundheitszustand von David Abraham werden regelmäßig von Eintracht Frankfurt mit diesen zwei Worten abgeblockt. Der Argentinier verpasste einen Trainingstag und das Testspiel gegen Luzern, nachdem er bereits Stunden zuvor in der Vormittagseinheit behandelt wurde. Die elementare Frage: Wie seriös kann mit dem Kapitän geplant werden?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Ich möchte das Risiko einfach nicht eingehen"

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Sollte Abraham ausfallen, haben die Frankfurter daher einige Unklarheiten in der Innenverteidigung: Hasebe ist als Libero gesetzt und neben ihm Evan N'Dicka. Doch wie sieht es ansonsten aus? Marco Russ zeigt Defizite beim Tempofußball, Tuta patzte gravierend, Simon Falette ist noch nicht aus dem Urlaub zurück und Almamy Toure wackelte in einigen Situationen bedenklich. Ein Transfer eines neuen Abwehrspielers, beispielsweise Hinteregger, wäre förderlich.

Wer ist der Gewinner der bisherigen Vorbereitung?

Schon seit dem ersten Tag der Saisonvorbereitung macht besonders ein Akteur auf sich aufmerksam: Daichi Kamada. Der Japaner, der in der vergangenen Saison nach Belgien ausgeliehen war, beeindruckt seinen Trainer aktuell sehr. "Für mich ist es ein ganz anderes Bild als letztes Jahr", sagt Hütter. "Die Saison in Belgien hat ihm sehr gut getan. Er präsentiert sich ganz anders, ist physisch in einer besseren Verfassung und hat eine ganz andere Ausstrahlung. Bei ihm sieht man, was Selbstvertrauen ausmacht. Deswegen möchte ich ihn auf jeden Fall noch weiter beobachten. Er gibt hier ein gutes Bild ab." Auch im Trainingslager trat Kamada deutlich in Erscheinung, unter anderem im Uhrencup als Torschütze und Vorbereiter.

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Adi Hütter still Kamada Trainingslager
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Wer sind die Verlierer?

Neben den Verletzten zählt auch Torhüter Frederik Rönnow zu denen, die in der Vorbereitung noch nicht glänzen können. In Abwesenheit von Trapp, dessen Weiterverpflichtung noch nicht in trockenen Tüchern ist, wollte sich der Däne eigentlich als Nummer eins empfehlen. Er hinterließ in den Testspielen trotz gelegentlicher guter Paraden einen wackeligen Eindruck, ließ leichte Bälle prallen, schwächelte mit dem Ball am Fuß und konnte sich so nicht in den Vordergrund spielen.

Für den vor einem Jahr ablösefrei vom Hamburger SV gekommenen Nicolai Müller war die Reise in die Schweiz indes eine Katastrophe: Der nach einer Leihe von Hannover 96 zurückgekehrte Offensivmann wirkte vom ersten Tag an wie ein Fremdkörper, drehte einsam seine Runden und stand auch bei den Testspielen nicht im Kader. Die Eintracht plant nicht mehr mit ihm - und hat das unmissverständlich klar gemacht.

Wie geht es für die Eintracht jetzt weiter?

Nach der Rückreise haben die Profis zwei Tage frei bekommen. Ab Dienstag geht es mit der Vorbereitung weiter, dann trainiert die Mannschaft wieder am Stadion in Frankfurt. Am 25. Juli steht bereits das erste Europa-League-Qualispiel an, am Tag danach beginnt das zweite Trainingslager in Windischgarsten (Österreich).