Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt

Sportvorstand Fredi Bobic hat den Kader von Eintracht Frankfurt trotz klammer Corona-Kassen umgekrempelt und viele gute Deals eingefädelt. Da am Deadline-Day aber nicht alles klappte, klafft weiter eine entscheidende Lücke.

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Die längste und außergewöhnlichste Transferphase der Bundesliga-Geschichte hat am Montag um 18 Uhr tatsächlich ein Ende gefunden. Nach fast drei Monaten mit Tausch-, Leih- und geplatzten Geschäften dürfen die Kaderplaner von Eintracht Frankfurt kurz durchatmen und durchaus zufrieden sein. Das Aufgebot, das Trainer Adi Hütter zur Verfügung steht, kann sich sehen lassen, zur Bestnote reichte es im Frankfurter Transfer-Zeugnis dennoch nicht. Ein Überblick.

Wie ist der Stand der Dinge?

Bis zum Stichtag am 5. Oktober haben sich insgesamt fünf Neuzugänge bei der Eintracht vorgestellt, neun Spieler haben im Gegenzug den Verein verlassen.

Neu dabei sind: Steven Zuber, Ragnar Ache, Markus Schubert, Amin Younes und Ajdin Hrustic.

Nicht mehr dabei sind: Simon Falette (Hannover 96), Felix Wiedwald (Emmen), Lucas Torro (Osasuna) und Mijat Gacinovic (Hoffenheim)

Verliehen wurden: Dejan Joveljic (Wolfsberg), Goncalo Paciencia (Schalke), Frederik Rönnow (Schalke), Rodrigo Zalazar (St. Pauli) und Nils Stendera (Lok Leipzig)

Was ist gut gelaufen?

Die größte Leistung von Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner ist, dass kein Leistungsträger den Verein verlassen hat. Obwohl immer wieder auf die Corona-bedingt klammen Kassen hingewiesen wurde und kein Spieler als unverkäuflich galt, sind Schwergewichte wie Kevin Trapp, Evan N'Dicka, Martin Hinteregger oder Filip Kostic weiter mit an Bord. Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren muss Trainer Hütter, der stets auf einen Verbleib dieser Stützen pochte, dieses Mal keinen Umbruch moderieren. Dass André Silva zudem für kleines Geld fest verpflichtet und mit Ante Rebic verrechnet wurde, darf getrost als Coup bezeichnet werden.

Ebenfalls wichtig, auch das lag Hütter und Bobic am Herzen, war die Verschlankung des Kaders. Junge Spieler wie Joveljic oder Zalazar können Spielpraxis in anderen Ligen sammeln, gleichzeitig wurden Chancenlose wie Torro und Falette oder Reservist Paciencia von der Gehaltliste gestrichen. Eine Win-win-Situation für die sportlichen und finanziellen Verantwortungsträger, die im kommenden Sommer ihren Höhepunkt erreichen könnte: Sollte Schalke 04 nämlich die Klasse halten, winken der Eintracht für Paciencia rund zehn Millionen Euro Ablöse. Auch das: ein starker Deal.

Auf der Habenseite setzten die Hessen nach einem verschenkten Transfersommer 2019, in dem viel Geld in Mittelmaß investiert wurde, endlich wieder auf etwas mehr Kreativität. U21-Nationalspieler Ache ist ebenso eine Investition in die Zukunft wie Offensiv-Allrounder Hrustic oder Ex-U21-Nationalkeeper Schubert. Zuber hat bereits gezeigt, dass er ein anständiger Backup für Kostic sein kann, Younes wird der Offensive mit seiner Wendigkeit definitiv guttun. Fünf Spieler mit Perspektive und Qualität, die zusammen gerade einmal sechs Millionen Euro gekostet haben. Zum Vergleich: Für die Reservisten Kohr und Sow überwies die Eintracht im vergangenen Jahr insgesamt 17,5 Millionen Euro.

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Was hätte besser laufen können?

Ganz klar: Der Sturm ist sehr dünn besetzt. Bas Dost und Silva haben sich zwar endlich gefunden und harmonieren prächtig. Hinter dem einzigen Ersatz-Angreifer Ache klafft aber eine Lücke. Spätestens nach dem sportlich nachvollziehbaren Abgang von Paciencia hätten die Hessen reagieren und einen weiteren Torjäger verpflichten müssen. Sollte ein Teil der Doppelspitze Silva/Dost verletzt ausfallen, in ein Formtief rutschen oder schlicht eine Pause brauchen, wird es in der Offensive eng.

Dass die Lücke im Angriff nicht geschlossen wurde, liegt wohl auch am geplatzten Wechsel von Danny da Costa. Nach hr-Informationen waren sich der FC Schalke 04 und die Eintracht bereits handelseinig, dann legte der Rechtsverteidiger jedoch sein Veto ein und verhinderte den Deal. Da Costa, das ist sein gutes Recht, will in Frankfurt bleiben und sich dem Konkurrenzkampf stellen. Blöd für die Eintracht: Das gesparte Gehalt und die Ablösesumme hätten wohl in einen Stürmer fließen sollen.

Fazit und Ausblick

Bobic und Hübner haben es trotz schwieriger Zeiten geschafft, Trainer Hütter einen ordentlichen Kader zusammenzustellen. Das Gerüst konnte gehalten und mit gezielten Transfers punktuell verstärkt werden, die lange Zeit fehlenden Elemente Kreativität und Tempo wurden ergänzt. Dass im Sturm ein vierter Mann fehlt, ist ein Makel. Auf Dauer könnte allerdings ein Systemwechsel mit Viererkette und drei offensiven Mittelfeldspieler hinter einer Sturmspitze Abhilfe verschaffen. Die passenden Spieler dafür wären dank guter Transfers vorhanden. Abschlussnote: 2. Jetzt liegt es an Hütter.

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Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 5.10.20, 23.30 Uhr