Jorginho soll mit dem FC Chelsea auch am Abend in Frankfurt nichts zu lachen haben.
Jorginho soll mit dem FC Chelsea auch am Abend in Frankfurt nichts zu lachen haben. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Schlüsselspieler mit Problemen und eine Taktik mit Schwächen: Trainer Maurizio Sarri hat den FC Chelsea verändert und attraktiver gemacht. Die neue Schönheit ist jedoch gefährlich. Und eine Chance für die Eintracht.

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Maurizio Sarri

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Das Dolce-Vita-Gefühl von Maurizio Sarri hat seit seinem Wechsel zum FC Chelsea ordentlich gelitten. Zwar dürfte es auch in London Espresso-Bars mit italienischer Qualität geben, die zweite große Leidenschaft des in Neapel geborenen Fußballtrainers muss jedoch hinten anstehen: Da in englischen Fußballstadien strenges Rauchverbot herrscht, muss Sarri, der angeblich bis zu 80 Glimmstängel täglich inhaliert, auf seine geliebte Qualmerei an der Seitenlinie verzichten. Ein großes Problem. Bei weitem aber nicht sein einziges.

"Sarriball" ist schön, aber gefährlich

Denn während sich Sarri, der im vergangenen Sommer vom SSC Neapel an die Stamford Bridge wechselte, jenseits des Rasens schon mal mit dem Kauen von Zigaretten behilft, fehlt ihm bei Schwierigkeiten auf dem Rasen hin und wieder die Kreativität. Das zumindest behaupten die Taktik-Experten von Tifo Football, die sich auf ihrem Youtube-Channel intensiv mit den Stärken und Schwächen des kommenden Europa-League-Gegners von Eintracht Frankfurt beschäftigt haben. Fazit der Erkenntnisse: Chelsea ist verwundbar.

Sarri Espresso
Kaffee, Kippe, Kondition: Maurizio Sarri auf dem Trainingsplatz. Bild © @Marcocalcio22

Zwar sind die Londoner, auch das ist klar, der klare Favorit gegen die Eintracht. Der aktuelle Tabellenvierte der Premier League ist ein europäisches Spitzenteam und eigentlich in der Champions League beheimatet. Die Blues haben den von Sarri implementierten Spielstil, kurz "Sarriball" genannt, aber noch nicht vollends in sich aufgesogen und hin und wieder große Probleme bei der Umsetzung. "Wir versuchen immer, die Initiative zu übernehmen. Egal, was der Gegner macht", beschreibt der 60-Jährige seine Idee vom perfekten Fußball: "Wir wollen gewinnen und entertainen."

Chelsea verliert zu viele Bälle

Genau an dieser Stelle kann und muss die Eintracht ansetzen und eine ihrer größten Stärken ausspielen: das Pressing. Sarri schwört auf eine Spieleröffnung mit kurzen, flachen und am liebsten direkten Pässen, meist durch die Mitte. Die beiden Innenverteidiger bilden dafür mit Sechser und Schlüsselspieler Jorginho, der seinem Trainer auf dessen Wunsch und für eine Ablösesumme von 57 Millionen Euro Ablöse von Italien nach England folgte, ein Dreieck. Anspielen, klatschen lassen, auf die Lücke hoffen und dann schnell und vertikal nach vorne. So die Theorie.

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In der Praxis sind die zentralen Verteidiger David Luiz und Andreas Christensen (beziehungsweise der nun verletzte Antonio Rüdiger) sowie der noch immer etwas fremdelnde Wunsch-Neuzugang Jorginho mit dieser Variante jedoch hin und wieder überfordert. In der gesamten Premier League haben lediglich Everton, Crystal Palace und Absteiger Fulham mehr Ballverluste produziert als der FC Chelsea. Bemerkenswert.

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Das heißt: Wenn die Londoner unter Druck gesetzt werden, sind sie fehleranfällig. Passieren Fehler, ist der Weg zum Gegentor nicht weit. Chelseas "Sarriball" ist ansehnlich und attraktiv, aber auch riskant. Frankfurts Pressing funktioniert und ist effizient. Sollte die Eintracht den Mut aufbringen und auch gegen Chelsea früh angreifen, könnte das ein Mittel zum Erfolg sein.

Vorne und hinten geht einiges

Hinzu kommt, dass Chelsea durchaus anfällig ist bei Standard-Situationen und zudem hin und wieder zu Kollektiv-Aussetzern neigt. Zu Beginn der Hinrunde fing sich das Sarri-Team in drei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen gegen Arsenal, Bournemouth und Manchester City insgesamt zwölf Gegentreffer. Auch im Rückspiel des Europa-League-Viertelfinals gegen Slavia Prag musste Keeper Kepa Arrizabalaga gleich dreimal hinter sich greifen. Diese Nachlässigkeiten, so Sarri, "sind ein Riesenproblem für uns".

Zur ganzen Wahrheit zählt dann allerdings auch, dass die Offensivabteilung von Chelsea zu den gefährlichsten auf diesem Kontinent gehört. Eden Hazard auf links, Weltmeister Olivier Giroud in der Mitte und Pedro oder Willian auf dem rechten Flügel reichen oft schon alleine aus, um die Gegner zur Verzweiflung zu bringen.

Die drei Slavia-Tore an der Stamford Bridge sind zwar ein Hoffnungsschimmer für die Eintracht. Dieselbe Partie sollte gleichzeitig aber auch Warnung sein. Denn vor dem Prager Dreierpack hatte Chelsea schon viermal getroffen. Innerhalb von nur 26 Minuten.

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