Rückkehrer Rode glänzte nach seiner Anreise ins Trainingslager gleich mit bekannten Qualitäten.
Rückkehrer Rode glänzte nach seiner Anreise ins Trainingslager gleich mit bekannten Qualitäten. Bild © Jan Hübner

Sebastian Rode ist der fünfte Neuzugang von Eintracht Frankfurt in diesem Sommer, gleich drei davon spielen im zentralen Mittelfeld. Im Schaltraum herrscht plötzlich ein Überangebot, vorne und hinten klaffen Lücken.

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Eintracht im Trainingslager

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Als Makoto Hasebe am Samstagvormittag in Windischgarsten zu einer möglichen Rückkehr von Sebastian Rode gefragt wurde, machte der Japaner große Augen. "Ach, der ist schon da?", wunderte sich der 35-Jährige und suchte Blickkontakt mit der Frankfurter Medienabteilung. Als er dort ein kollektives Kopfschütteln vernahm, schob der Routinier cool hinterher: "Ich freue mich, wenn er wiederkommen würde."

Keine zwei Stunden später wurde Hasebes Wunsch erhört und die erwartete Vollzugsmeldung machte im Frankfurter Trainingslager schnell die Runde. Rode ist zurück, Vertrag bis 2024, der Knorpel blitzgeheilt, das für die meisten Anwesenden völlig überraschende Comeback im Mannschaftstraining: noch am selben Nachmittag.

"Ich möchte so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen", verkündete Rode in einem ersten Interview bei Eintracht-TV. Etwas mehr als zwei Monate nach seiner in London erlittenen Knieverletzung inklusive schlimmsten Befürchtungen und zahlreichen Tränen meldet Rode Ansprüche auf einen Platz im Team an. Die Frage ist nur: Wo soll er spielen?

Acht potenziell zentrale Mittelfeldspieler

Wirft man einen Blick auf den derzeitigen und natürlich vorläufigen Kader der Eintracht, findet man dort vergleichsweise viele zentrale Mittelfeldspieler. Gelson Fernandes, Jonathan de Guzman, Mijat Gacinovic, der wiedergenesene Lucas Torro und der dauerhaft zurückgekehrte Rode waren in der vergangenen Saison schon da.

Die Neuzugänge Dominik Kohr und Djibril Sow sowie Rückkehrer Daichi Kamada sind neu in der Bewerberliste für eine der nicht gerade im Übermaß vorhandenen Planstellen in der Mitte des Platzes.

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"Konkurrenz größer als im letzten Jahr"

Konkret heißt das: Trainer Adi Hütter muss sich aus acht Kandidaten – die Reservisten wie Marc Stendera oder Jetro Willems gar nicht mitgezählt – für maximal drei entscheiden. Sollte er, wie erwartet wird, hin und wieder zu einem 4-4-2-System wechseln, wären für klassische Sechser und Achter gar nur zwei Jobs zu vergeben.

"Im zentralen Mittelfeld ist die Konkurrenz sicher größer als im letzten Jahr", fasste der Österreicher das Luxusproblem zusammen. Im Mittelfeld scheinen die Transferplanungen zumindest auf der Habenseite also abgeschlossen zu sein, weiter vorne und weiter hinten sieht das hingegen ganz anders aus.

Fragezeichen hinter Rebic

Nach den Abgängen von Luka Jovic und Sébastien Haller sowie der noch immer ungeklärten Zukunft von Ante Rebic muss vor allem im Angriff noch etwas passieren. Das einstige Aushängeschild der Eintracht mit dem wohl besten Sturmtrio der Liga ist zu einem Sorgenkind mutiert.

Dejan Joveljic feierte beim Hinspiel in Tallinn zwar einen Einstand nach Maß und bewies mit seinem Jokertor, dass er durchaus über Torjägerqualitäten verfügt. Auch im Training knipst er regelmäßig. Die volle Verantwortung auf seine schmalen Schultern und die nur unwesentlich breiteren von Goncalo Paciencia zu legen, will bei der Eintracht aber niemand.

Vorne und hinten gibt es Bedarf

"Wir müssen im Sturm noch etwas tun", unterstrich Hütter deshalb. Die Namen Kevin-Prince Boateng und Maximilian Philipp halten sich hartnäckig. Der eine ist erfahren, kann Bälle verteilen und Mitspieler einsetzen, der andere ist schnell, hungrig und  wird gerne von Ballverteilern eingesetzt. "In den nächsten Tagen wir definitiv noch etwas passieren", versprach Hütter.

Etwas passieren sollte am besten auch in der Defensive. Makoto Hasebe, David Abraham und der spürbar wieder zu Kräften gekommene Evan N’Dicka geben zwar eine passable bis sehr gute Dreierkette ab. Dahinter, das zeigte bereits der erste Trainingstag in Windischgarsten, ist das Gefälle aber deutlich erkennbar.

Youngster Tuta wirkt überfordert und wird auf absehbare Zeit keine echte Alternative werden, Almamy Touré schwankt zu sehr in seinen Leistungen, für Marco Russ ist wohl die Rolle des Feuerwehrmanns vorgesehen. Immer da, immer bereit und als Führungsspieler wichtig im Training. Viel mehr aber auch nicht.

Keine Bewegung in Augsburg

Bliebe Simon Falette, der nach seiner Rückkehr vom Afrika Cup bestens erholt, voller Tatendrang und derzeit der Beste des Reservisten-Quartetts ist. Und natürlich die weiterhin offene Frage nach Martin Hinteregger. Der österreichische Fanliebling will dem Vernehmen nach noch immer unbedingt zurück nach Frankfurt und hofft auf ein Augsburger Einsehen. Eine schnelle Einigung ist derzeit jedoch nicht in Sicht, die Fronten sind verhärtet.

"Vorne fehlt noch ein bisschen, hinten aber auch", fasste dann Hasebe im Regen von Windischgarsten die Ziele der Frankfurter Transferaktivitäten treffend zusammen. "Ich will aber nicht zu viel sagen, Fredi und Bruno machen das schon." Zumindest im Mittelfeld dürfte die To-do-Liste der beiden Kaderplaner bereits erfolgreich abgearbeitet sein. Mit Rode gibt es seit Samstag ja eine weitere Alternative.