Hinteregger, N'Dicka und Kostic von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt nutzt die Winterpause, um sich defensiv neu zu erfinden. Die Umstellung auf Viererkette gilt als sicher, bringt aber neue Probleme und eine Abkehr vom Ex-Erfolgsrezept mit sich. Ein Gewinner könnte Evan N’Dicka werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Evan N’Dicka: "Ich habe viel gearbeitet"

Evan N'Dicka
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Die spannendste Frage, die sich die knapp 70 anwesenden Kiebitze beim Training von Eintracht Frankfurt am Dienstag stellten, war die nach der Defensiv-Formation. Beim obligatorischen Abschlussspiel, das mit zwei Zehnerteams ausgetragen wurde, kristallisierte sich dann schnell heraus: Trainer Adi Hütter lässt auch nach der Rückkehr aus Florida weiterhin die Viererkette trainieren. Kurz vor dem Rückrundenauftakt bei der TSG Hoffenheim scheint damit klar: Die Eintracht setzt auf eine neue Taktik.

Mit Timothy Chandler, Martin Hinteregger, David Abraham und Almamy Touré (v.li.) auf der einen sowie Erik Durm, Evan N’Dicka, Makoto Hasebe und Danny da Costa auf der anderen Seite standen sich auf dem Trainingsplatz vor der Arena zwei potenzielle Abwehr-Quartetts gegenüber. Die Zeiten von Dreierkette, Libero Hasebe und beinahe grenzenlosem Offensivdrang scheinen erst einmal vorbei zu sein. Ab sofort baut Coach Hütter, der bei seiner vorherigen Station in Bern fast durchgehend im 4-4-2 spielen ließ, auf mehr Kompaktheit.

Eintracht minimiert das Risiko

"Wenn du mit einer Viererkette spielst und einer der Außenverteidiger mitgeht, hast du als Absicherung immer noch drei Abwehrspieler hinten. Vorher waren es oft nur zwei, das war teilweise sehr riskant", erklärte Hütter im Kicker seinen neuen Ansatz. "Wir müssen viel kompakter und geschlossener auftreten."

Übersetzt heißt das, dass die Hessen von ihrem furiosen Offensivspiel, das sie vor allem in der vergangenen Saison ausgezeichnet und europaweit bekannt gemacht hatte, abrücken. Innenverteidiger als erste Anschieber auf Höhe der Mittellinie oder extremes Pressing wird es wohl vorerst nicht mehr geben. Im drohenden Abstiegskampf heißt das Frankfurter Motto: Safety first. Das Spektakel muss warten.

"Wir wollen wieder häufiger zu Null spielen. Wir müssen uns zusammenraufen", fasste nach der ersten Einheit zurück im frostigen Frankfurt dann auch Defensiv-Allrounder N’Dicka zusammen. Mit 29 Gegentoren in 17 Hinrunden-Partien steht die Eintracht zwar noch knapp besser da als die Schießbuden in Bremen (41), Mainz (39), Paderborn (36), Düsseldorf (36), Köln (32) und Augsburg (31). Grund zur Sorge machen aber vor allem die letzten sieben Bundesliga-Spiele vor der Winterpause, als die Eintracht durchschnittlich zwei Gegentreffer pro Partie kassierte und folglich nur einen Punkt holte. "Daran müssen wir arbeiten", so N’Dicka.

N'Dicka rückt nach links

Für den jungen Franzosen ist die Umstellung wohl gleichbedeutend mit einem Jobwechsel. N’Dicka, der sich nach starkem ersten Jahr in Frankfurt zu Beginn der Saison vornehmlich und überraschend auf der Bank wiederfand und erst nach der Sperre von Kapitän Abraham wieder öfter spielte, ist für den Posten des linken Außenverteidigers vorgesehen. Im Training am Dienstag agierte er mangels Alternativen zwar an der Seite von Hasebe in der Innenverteidigung, im Rennen mit Durm oder Chandler sollte N’Dicka aber klar die Nase vorne haben. "Ich fühle mich da wohl", beteuerte er.

Vor N’Dicka, auch das ist klar, wird Filip Kostic auflaufen. Der Serbe soll in der Defensive entlastet werden und seine Körner für den Angriff sparen. Hin und wieder ist N'Dicka aber auch angehalten, Kostic zu hinterlaufen und sich selbst ins Offensivspiel einzuschalten. "Ich mag das", versicherte er wohlwissend, dass kraftraubende Ausflüge nach vorne bei einem Partner wie Kostic wohl eher die Seltenheit bleiben werden. "Er ist ein Büffel. Man hat das Gefühl, er kann alles alleine." Hinten ein Stabilisator, der weiß, was er tut und nicht für Harakiri bekannt ist. Davor ein Powerpaket, das sich auf die Offensive konzentrieren darf. N’Dicka und Kostic – das könnte passen.

Eintracht braucht einen zweiten Kostic

Etwas anders sieht das allerdings auf der rechten Seite aus. Mit Da Costa, der gelernter Rechtsverteidiger ist und sich dort am wohlsten fühlt, Touré und Chandler streiten sich drei Profis um die letzte freie Planstelle der Viererkette. Für die Position eins weiter vorne gibt es derzeit jedoch keine Optimal-Lösung. Mit Mijat Gacinovic, der sich im Training sehr eifrig präsentierte, stünde zwar eine Verlegenheits-Alternative parat. Ein echtes Pendant zu Kostic, also ein Rechtsaußen, gibt der aktuelle Kader aber schlicht nicht her. Heißt: Ein Tandem für die rechte Außenbahn muss noch gefunden werden. Am besten wohl mit einem Neuzugang.

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Für die restlichen Plätze in der Startelf, auch dafür gab die Einheit am Dienstag einige Hinweise, gibt es derweil klare Favoriten. Deutet man die Zeichen aus dem Trainingsspiel richtig, setzt Hütter auf Pärchenbildung. Die Innenverteidiger Hinteregger und Abraham spielten ebenso gemeinsam in einem Team wie die beiden Sechser Sebastian Rode und Djibril Sow oder die Doppelspitze Bas Dost und der wiedergenesene André Silva.

Nach vorne lief dabei noch nicht allzu viel zusammen, wirklich viele Tore fielen in den insgesamt drei Spiel-Abschnitten nicht. Ein erstes Zeichen für die kommenden Spiele? Bei der Eintracht ist jetzt erst einmal die Defensive Trumpf.

Sendung: hr1, 14.01.20, 18 Uhr