Stefan Ilsanker bei einer Grätsche

Kaum ein Spieler von Eintracht Frankfurt wurde in den vergangenen Monaten so oft kritisiert wie Stefan Ilsanker. Aber: Beim Punktgewinn in Leipzig machte er die Hessen froh. Und das quasi im Tiefflug.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stefan Ilsanker: schnell und zweikampfstark

Stefan Ilsanker in Leipzig
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Als Stefan Ilsanker, Spitzname Ilse, in der 36. Minute des Eintracht-Spiels in Leipzig zur Grätsche ansetzte, hielten sie im Stadion den Atem an. Abwehrchef Ilsanker flog im Frankfurter Strafraum mit einer Vehemenz in den Zweikampf gegen Emil Forsberg, dass Frankfurter Bedenken durchaus angebracht waren.

Doch es ging alles gut. Die Knochen von Forsberg blieben heil, und einen Elfmeter für Leipzig gab es auch nicht. Denn die Grätsche von Ilsanker traf sauber den Ball. Es hätte sicher Szenenapplaus aus dem Gästeblock gegeben, wenn es denn einen mit Fans gefüllten Gästeblock gegeben hätte. Ilsanker war glücklich. So glücklich, dass er das mit der in der Fußballersprache als "Monstergrätsche" titulierten Abwehraktion noch zweimal wiederholte.

Gleich fünf Minuten später. Diesmal trennte Ilsanker Leipzig-Außenstürmer Justin Kluivert mit seiner eingesprungenen Grätsche fachgerecht vom Ball. Und weil es so schön war, stoppte er in der 71. Minute an der Mittellinie einen aussichtsreichen Leipziger Konter per Flug-Grätsche, Forsberg war wieder nur zweiter Sieger. "Stefan Ilsanker muss man ein Riesen-Kompliment machen, wie er die Position gespielt hat. Er hat eine tolle Partie gespielt", lobte Trainer Adi Hütter.

Ilsanker im dritten Frühling doch noch zum Fan-Liebling?

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel in Leipzig

Adi Hütter
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Stefan Ilsanker hatte es von Anfang an nicht besonders leicht bei der Eintracht. Dass er ausgerechnet vom ungeliebten Bundesliga-Konkurrenten RB Leipzig kam, sorgte bei den Eintracht-Fans nicht für Begeisterungsstürme. Und auch auf dem Platz konnte sich Ilsanker in der Hinrunde nicht sehr oft empfehlen. Seine Leistungen im zentralen Mittelfeld beim 0:5 gegen die Bayern, beim 1:1 gegen Bremen oder der Niederlage gegen Wolfsburg werden auch Ilsanker selbst nicht genügt haben.

Die Fans zerrissen sich fortan in den sozialen Netzwerken den Mund über den Österreicher, auch die Journalisten sparten nicht mit Kritik. Und so musste sich Hütter gefühlt in jeder zweiten Pressekonferenz für seinen spielenden Landsmann rechtfertigen. Seinen Stammplatz hatte Ilsanker durch seine Leistung Mitte Dezember beim Spiel in Wolfsburg für längere Zeit verloren.

Anfang März kehrte Ilsanker in die Startelf zurück. Beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart spielte der 31-Jährige erstmals in der Innenverteidigung und machte seine Sache gut. Beim Spiel in Leipzig lief Ilsanker - wegen der Verletzung von Martin Hinteregger - sogar als Chef der Innenverteidigung auf. Und siehe da: Ilsanker machte seine Sache nach ein paar Wacklern in der Anfangsphase noch besser.

Mit 31 Jahren auf den Sprint-Olymp

Spannend war die Statistik des Leipzig-Spiels der Eintracht. Denn Ilsanker war mit seinen "Monstergrätschen" und den 75 Prozent gewonnenen Zweikämpfen nicht nur ein echter Abwehrturm, nein, dieser Turm bewegte sich auch noch äußerst schnell.

Stefan Ilsanker

Ilsanker war mit knapp 34 Stundenkilometern mit seinen 31 Jahren sogar der schnellste Spieler auf dem Platz. Musste er sein. "Leipzig hat fast die schnellste Offensive in der Liga, und wenn man da nicht mithalten kann, dann schaut es nicht so gut aus", erklärte Ilsanker.

Hinteregger fraglich, Tuta gesperrt

Nach den vielen Nackenschlägen der Hinrunde schaut der Österreicher jetzt zuversichtlich in die Zukunft. "Woche für Woche will ich natürlich spielen und ich hoffe, ich hab mich mit einer guten Leistung wieder präsentiert für nächste Woche." Seine Chancen, auch am Samstag im Spiel gegen Union Berlin (15.30 Uhr) wieder in der Eintracht-Startelf zu stehen, sind recht gut.

Zum einen, weil er als Chef der Eintracht-Abwehr in Leipzig überzeugt hat, zum anderen, weil die Eintracht in der Abwehr große Personalprobleme hat. Tuta fehlt gegen Union nach seiner fünften gelben Karte. Und Martin Hinteregger droht ebenfalls auszufallen. Bei Hinteregger wurde am Montag eine Oberschenkel-Zerrung diagnostiziert. Wann "Hinti" wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, ist aktuell völlig unklar.

So sollte dem nächsten Startelf-Einsatz von Ilsanker nichts im Wege stehen. Die Spieler von Union Berlin sollten sich vorsorglich auf seine "Monstergrätschen" einstellen. Sollte Ilsanker seine Leistung weiter stabilisieren, könnte es doch noch was werden mit ihm und den Eintracht-Fans. In den sozialen Netzwerken gab es auf jeden Fall seit Sonntagnachmittag sehr viel Lob für Ilse.