In einem ausführlichen Interview äußert sich Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer zur Impfkampagne. Er will die Fußballvereine einbinden und kritisiert die Politiker. Lobende Worte findet er für Trainer Oliver Glasner.

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Peter Fischer kritisiert die Berliner Politik

Peter Fischer appelliert an die Politik.
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Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer fordert eine Einbindung der Fußballvereine in die Impfkampagne. "Mein Aufruf an die neuen Entscheider in Berlin lautet: Bindet jeden Bundesligaverein in eure Impfkampagne ein! Jeder Klub kann jedes Wochenende, wenn Zehntausende in die Stadien strömen, jeden impfen. Das ist kein Problem", sagte Fischer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch.

Fischer weiter: "Wir bei der Eintracht können auf den Flächen vor dem Stadion Zelte errichten und Impfstraßen aufbauen, sodass wir im Eiltempo die Leute mit den Vakzinen versorgen können. Dann geht es jeden Samstag oder Sonntag mit den Spritzen zack, zack, zack! Gebt uns den Impfstoff, dann legen wir alle sofort los."

Fischer: Keine Toleranz für Impfgegner

Der 65-Jährige distanziert sich dabei auch von Impfgegnern. "Ich spüre bei mir eine fehlende Toleranz zu den Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Bei den teilweise dumpfen Parolen, die ich unlängst während der Demonstration am Opernplatz bei mir vor der Haustür hören musste, kann ich nur den Kopf schütteln." Am 4. Dezember hatte es in Frankfurt eine Demonstration von Impfgegnern gegeben, die die Polizei nach kurzer Zeit auflöste.

Auch für den Nationalspieler Joshua Kimmich, der lange eine Impfung verweigerte, hat Fischer wenig Verständnis. "Mit seiner Kampagne ,We kick Corona' hat er etwas Großartiges geschaffen. Warum er gleichzeitig aber selbst eine Impfung ablehnte, konnte ich nicht nachvollziehen."

Kritik an Politik: "Dann würden wir mit sieben Felspielern spielen"

Fischer sparte nicht mit kritischen Worten zu den politischen Entscheidungsträgern. "Ich kann es nicht verstehen, dass wir nicht im Sommer mit dem Boostern begonnen haben. Wenn sich das Management eines Fußballvereins solche Versäumnisse geleistet hätte, dann würden wir mit sieben Feldspielern und zwei Torleuten auf dem Platz stehen", so Fischer. Der Präsident forderte, die Pandemie gezielter zu bekämpfen. Er will sich mit seinem Vorschlag, die Fußballvereine zu beteiligen, auch an die Innenministerin Nancy Faeser wenden.

Für den Funktionär ist auch der Blick auf andere Länder in der Corona-Pandemie entscheidend: "Wir müssen uns auch um die Menschen in Afrika beispielsweise in Form von Spenden an Impfdosen kümmern. Wir müssen dort Strukturen schaffen. Wir dürfen diese Länder nicht vergessen, ansonsten bekommen wir Corona nicht in den Griff."

Fischer über Kostic-Wechsel: "Gibt keinerlei Anzeichen dafür"

In einem zweiten Teil des Interviews für den "Rhein-Main-Teil" der Zeitung ging Fischer auch dezidiert auf die sportliche Situation bei Eintracht Frankfurt ein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sei das Spiel strukturierter und technisch anspruchsvoller geworden. Fischer lobte den neuen Trainer Oliver Glasner dabei als "sehr offenen und kommunikativen Typen". Es falle nicht schwer, gut mit ihm auszukommen.

Die Eintracht müsse aber auch akzeptieren, wenn die aktuelle Saison ein Übergangsjahr werden könnte, sagte Fischer. Doch er warnte auch: "Ein Übergangsjahr darf nicht zum Standard werden. Platz zehn oder elf in der Folgesaison verteidigt zu haben, das kann nicht unser Anspruch sein." Außerdem meinte er zu möglichen Wechselabsichten des Starspielers Filip Kostic im Winter: "Es gibt aus meiner Siucht momentan keinerlei Anzeichen dafür."