Eintracht Jubel

Eintracht Frankfurt zieht als Gruppenerster ins Achtelfinale der Europa League ein. Weil Oliver Glasner seine Achse gefunden hat und Daichi Kamada sein Europacup-Gesicht zeigt. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht springt ins Achtelfinale

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Eintracht Frankfurt hat sich in einer schwierigen Europa-League-Gruppe am Ende souverän durchgesetzt und ist ins Achtelfinale eingezogen. Bei Fenerbahce Istanbul reichte den Hessen ein 1:1 (1:1). Die Führung erzielte Djibril Sow (29.), der Ausgleichstreffer von Mergim Berisha (42.) tat nicht mehr weh.

1. Glasner verändert nur das Nötigste

Wer gedacht hatte, dass der ein oder andere Vielspieler der letzten Wochen in Istanbul eine Verschnaufpause bekommen würde, sah sich getäuscht. Trainer Oliver Glasner setzte auch im finalen Gruppenspiel der Europa League auf jene Stammelf, die bereits in den vergangenen vier Partien auf dem Platz stand. Einzig Jens Petter Hauge durfte im rechten offensiven Mittelfeld für den angeschlagenen Jesper Lindström ran.

Wie es scheint, hat Glasner seine klare erste Elf gefunden. Das sind gute Nachrichten für Eintracht Frankfurt, denn seit der Trainer auf diese Elf baut, läuft es bei den Hessen. Das sind weniger gute Nachrichten für potenzielle Stammspieler und Leistungsträger wie etwa Martin Hinteregger. Der Österreicher ist nun seit vier Spielen komplett außen vor, "ich habe mit ihm vor einigen Tagen über die Situation gesprochen. Wir sind völlig im Reinen, es ist alles in Ordnung“, sagte Glasner vor der Partie. Am Sonntag steigt das nächste Spiel der Eintracht, mal sehen, ob Glasner erneut an seiner Achse festhält.

2. Europacup-Kamada glänzt

Aus jener ohnehin nicht wegzudenken, ist Eintracht-Spielmacher Daichi Kamada. Noch vorige Woche klagte der Techniker im Interview mit dem hr-sport über mangelnde Wertschätzung der Eintracht-Fans, anschließend machte er ein schwaches Spiel in Hoffenheim. Aber der graue Bundesligaalltag ist ja auch nicht die große Europacup-Bühne, und auf der fühlt sich Kamada besonders wohl.

So auch in Istanbul. Bevor die Partie in der zweiten Halbzeit deutlich an Drive verlor, war Kamada mit Filip Kostic der beste Spieler auf dem Platz, bewegte sich clever zwischen den Linien, verteilte die Bälle – und kämpfte. Gleich mehrere gute Situationen entstanden, weil Kamada im gegnerischen Drittel engagiert in die Zweikämpfe ging und die Bälle eroberte. Ein solcher Ballgewinn führte dann auch zum 1:0. So kann Kamada sich gern auch in der Bundesliga präsentieren, dann klappt's auch mit den Fans.

3. Die Chancenverwertung muss besser werden

Was nicht so gut klappte, war die Frankfurter Chancenverwertung. Die Hessen spielten Fenerbahce in Durchgang eins teilweise an die Wand, beim Abschluss fehlte jedoch zu oft die letzte Konsequenz. Rafael Borré, Kamada und Kristijan Jakic vergaben allesamt beste Gelegenheiten, nur Djibril Sow behielt vor dem Kasten die Nerven und traf zum 1:0.

Vielleicht hätte es der Eintracht gut getan, hätte mit Goncalo Paciencia ein abschlussstärkerer Neuner von Beginn an auf dem Platz gestanden. Der umtriebige Borré hat als Abschlussspieler weiter so seine Mühe. Glasner wollte den Portugiesen jedoch als Joker, was nach dessen starken Leistungen nach Einwechslung nachvollziehbar ist. Dennoch: Die Hessen müssen aus einer solchen Vielzahl an Chancen mehr Ertrag herausschießen. Und man will sich gar nicht vorstellen, wie es zur Halbzeit gestanden hätte, trüge ein Luka Jovic oder ein André Silva noch das Eintracht-Trikot.

4. Die Chance für die Ausgemusterten

Schön ja auch immer, wenn man auf Reisen ist und alte Bekannte trifft, die man länger nicht gesehen hatte. Im Falle der Eintracht waren das am Donnerstag die Einwechselspieler Sam Lammers, Ajdin Hrustic und Danny da Costa. Alle drei spielten zuletzt überhaupt keine Rolle mehr und schafften es regelmäßig nicht in den Spieltagskader. Da Costa beispielsweise spielte seine letzten Minuten am 3. Oktober gegen Bayern München.

Umso überraschender, dass sie gegen Fenerbahce wieder mittun durften. Und das auch ordentlich machten. Warum Timothy Chandler regelmäßig den Vorzug vor da Costa erhält, wurde weder nach da Costas 21 Einsatzminuten noch nach Chandlers 69 Einsatzminuten verständlicher. Der zuletzt glücklose Lammers hatte gar eine gute Torchance, zielte aber am langen Eck vorbei. Und Hrustic mühte sich in der Mitte, das Ergebnis über die Zeit zu bringen.

5. Zeit und Geld

Und so stand am Ende ein verdienter Achtelfinaleinzug, nicht weniger. "Das ist ein unglaubliches Gefühl. Wir hatten Top-Mannschaften in der Gruppe, mit Piräus und Fenerbahce waren zwei Champions-League-Anwärter dabei. Da sind wir ungeschlagen durchgegangen, und das verdient", jubelte Timothy Chandler nach der Partie zurecht.

Jubeln dürften auch die Eintracht-Bosse, denn der Gruppensieg spült den Hessen nun 1,1 Millionen Euro Prämie in die Kassen, was die Prämien in Gänze auf bislang knapp neun Millionen anwachsen lässt. Vor allem aber sorgt er dafür, dass sich die Eintracht nicht schon Mitte Februar mit einem Champions-League-Absteiger in den Playoffs messen muss, sondern erst einen Monat später wieder gefordert ist. Darüber dürfte vor allem Trainer Glasner jubeln.

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