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Nur wenige Eintracht-Talente haben in den vergangenen Jahren den Sprung nach ganz oben geschafft. Der Technische Direktor Marco Pezzaiuoli sorgt sich um die Spieler im Nachwuchsbereich und sieht nicht nur die Hessen in der Pflicht.

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Marco Pezzaiuoli
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Marco Pezzaiuoli ist seit einem Jahr Technischer Direktor bei Eintracht Frankfurt. Der 50-Jährige agiert dabei als Verbindungsstelle zwischen Profi- und Jugendbereich. Im zweiten Teil des Interviews mit hessenschau.de erklärt er seine Idee über die Installation einer neuen Liga. Den ersten Teil über infrastrukturelle Probleme am Riederwald, die optimale Förderung von Talenten und Trainern und Schwierigkeiten im Breitensport lesen Sie hier.

hessenschau.de: Eine revolutionäre Idee war die Einführung einer U21-Liga. Wie stehen Sie dazu?

Pezzaiuoli: Es wäre denkbar, die U19 auf eine U20 oder U21 zu erhöhen. So können die Spieler noch länger bei den Profivereinen bleiben. Bundesliga- und Zweitligatrainer setzen eher auf Spieler, die schon ein bis zwei Jahre Erfahrung im Seniorenbereich gesammelt haben. Die Bundesligisten müssten verpflichtet werden, eine zweite Mannschaft oder ein U21-Team zu stellen. Die Profiklubs können die Arbeit nicht an die Viertligisten übergeben.

hessenschau.de: Sie nehmen also ganz bewusst die Bundesligisten in die Pflicht…

Pezzaiuoli: Ich gehe noch einen Schritt weiter: Es werden 12- oder 13-jährige Spieler geholt und am Ende des Tages werden davon ein bis zwei übernommen und für die anderen 20 heißt es: Nach mir die Sintflut. Da sehe ich den deutschen Fußball in der Verantwortung.

hessenschau.de: Wie könnte die Eintracht am Ende von diesen Veränderungen profitieren?

Pezzaiuoli: Wir haben vielleicht pro Jahrgang drei bis vier Spieler mit Potenzial nach ganz oben. Für die Jugendlichen gäbe es dann die Möglichkeit, für die U21 zu spielen. Wenn wir dann drei Jahrgänge mit jeweils fünf bis sechs Spielern hätten, die es bei den Profis schaffen könnten, hätten wir einen Fundus von insgesamt 15 Spielern. Das wäre sehr ordentlich.

hessenschau.de: Eine andere Variante wäre, wieder eine U23 einzuführen. Die Abmeldung im Sommer 2014 wurde sehr kritisch betrachtet. Wie realistisch ist eine Wiedereinführung?

Pezzaiuoli: Wir sollten hier kurzfristig über eine Wiedereinführung nachdenken. Auch wenn das Team dann in der Verbandsliga spielen müsste, hätten die Talente die Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln. Gerade im Alter von 17 bis 21 Jahren ist das essenziell. Wir sind deshalb im engen Austausch mit Fredi Bobic.

hessenschau.de: Wäre statt einer U23 nicht auch eine Kooperation mit einem anderen, kleineren Verein möglich?

Pezzaiuoli: Das könnte helfen, wenn wir eine Kooperation mit einem Verein hätten, wo wir den Trainer stellen könnten und die Konzeption der von Eintracht Frankfurt gleichen würde. Ein U19-Spieler hat Sportpsychologie, Krafttraining, ärztliche Behandlung und acht Trainingseinheiten in der Woche. Können das Viertligisten überhaupt leisten? So eine Zusammenarbeit klappt nur, wenn sich der Verein öffnet. Wir müssten Trainer, den Co-Trainer und die medizinische Abteilung mit einsetzen dürfen. Sie müssen nach unserer Philosophie arbeiten. Dann hätte das ein Fundament.

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„Wir haben im Jugendbereich den niedrigsten Etat aller Bundesligisten. Wichtig ist, dass diese Zufuhr in die richtigen Bahnen läuft. Es geht um gute Betreuung, ein klares Konzept und die Infrastruktur. “ Zitat von Marco Pezzaiuoli
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hessenschau.de: Das engt den Kreis der Vereine, mit denen man zusammenarbeiten könnte, sicherlich enorm ein.

Pezzaiuoli: Es macht aber keinen Sinn für uns, einen Verein zu nehmen, der plötzlich weniger trainiert und eine andere Idee verfolgt. Wenn du nicht den Cheftrainer mit deiner Philosophie stellst, dann wird der auch wieder nur am Erfolg gemessen. Und wenn er dann auf einem Abstiegsplatz unter Druck steht, überlegt er: Bringe ich den unerfahrenen jungen Spieler oder den 22-Jährigen, der Erfahrung gesammelt hat? Da ist auch das kurzfristige Denken. Es geht daher nur, wenn wir die Hand darauf haben.

hessenschau.de: Dafür müssten aber finanzielle Mittel freigeschaufelt werden.

Pezzaiuoli: Wir haben im Jugendbereich den niedrigsten Etat aller Bundesligisten. Wichtig ist, dass diese Zufuhr in die richtigen Bahnen läuft. Es geht um gute Betreuung, ein klares Konzept und die Infrastruktur. 

hessenschau.de: Grundsätzlich stellt sich aber die Frage: Welche Perspektiven kann das Leistungszentrum den Nachwuchsspielern bieten, wenn schon die U23 fehlt und externe "junge" Spieler wie Evan N’Dicka für Millionen geholt werden? 

Pezzaiuoli: Das war genau mit Fredi Bobic und Chefscout Ben Manga abgesprochen. Wir mussten sehen: Welche Spieler haben wir? Wir haben im Leistungszentrum keinen Linksfuß in der Verteidigung herausgebracht und haben auch in diesem Jahr keinen im Kader stehen. Wenn wir nichts nachbringen können, dann sagen sie: Da kommt nichts, wir schauen uns anderweitig um. Das ist nicht kontraproduktiv.

hessenschau.de: Das heißt, der Austausch mit Bobic ist sehr eng. Auch mit Trainer Adi Hütter?

Pezzaiuoli: Natürlich hat der neue Trainer zunächst sein Profiteam durchleuchten müssen, um erfolgreich zu arbeiten. Wir sind im Austausch. Er wird demnächst am Riederwald vorbeischauen und sich vorstellig machen. Das ist ein Thema, das wachsen muss. Dafür bin ich auch da, als Bindeglied zwischen Profi- und Jugendbereich.

hessenschau.de: Wagen wir noch einen Ausblick: Was würden Sie in fünf Jahren mit Blick auf die Jugendarbeit gerne sehen?

Pezzaiuoli: Das ist ein langfristiges Projekt. Ich wäre zufrieden, wenn ich auf jedem Platz sehe, dass nach dem Konzept gearbeitet wird und dass die Kinder Spaß und Freude haben und die Prinzipien, die wir haben wollen, umgesetzt werden. Natürlich wäre es ein großer Erfolg, wenn wir es kurzfristig schaffen, Spieler an den Profikader heranzuführen.

Das Interview führte Christopher Michel. Im ersten Teil des Interviews spricht Pezzaiuoli über den Status Quo der Jugendarbeit und die Verzahnung mit dem Profibereich.