Eintracht-Spieler Luka Jovic
Jetzt macht schon der Gegner die Tore - Luka Jovic und Co. konnten es am Donnerstagabend kaum glauben. Bild © picture-alliance/dpa

Wo soll das noch hinführen? Die Eintracht schießt auch Olympique Marseille vom Platz und ist dabei so dominant, dass sie die Tore nur zum Teil selbst machen muss. Dazu kommen eine Überraschung im Mittelfeld und das gebannte Warten auf den nächsten Gegner. Eine Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat mit dem fünften Sieg im fünften Europa-League-Spiel den Gruppensieg vorzeitig perfekt gemacht. Gegen eine B-Elf von Olympique Marseille gewannen die Hessen am Donnerstag mit 4:0. Luka Jovic erzielte zwei Tore (1., 67. ), dazu kamen zwei Eigentore der Gäste.

Die nächste Europa-Party

Ausverkauftes Stadion, Riesenchoreo und eine unfassbare Atmosphäre: Europa wird in Frankfurt besonders zelebriert. Obwohl der Gegner mit einer B-Elf angerückt war, obwohl der Einzug in die K.o.-Runde schon vor der Partie eingetütet war, die Stimmung war erneut von Beginn an herausragend. Was wäre in Frankfurt wohl erst los, sollte sich dieses Team einmal für die Champions League qualifizieren?

Abseits all dieser Träumereien, die Mannschaft saugte die Stimmung erneut auf. "Wenn man die Choreographie sieht, elektrisiert das einfach. Deshalb sind wir heute gestartet wie aus der Pistole geschossen“, sagte Trainer Adi Hütter über den erneuten Frankfurter Blitzbeginn inklusive 1:0 nach nur 56 Sekunden. (Mehr Stimmen gibt es hier).

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"Spiel ihn rechts. Nein, mein rechts!"

Doch obwohl Jovic nach der Pause auch noch das vierte Tor machte und in Abschluss und Vorbereitung erneut überragend agierte, die Szene des Spiels lieferte nicht der Serbe, sondern der frühere Bayern-Profi Luiz Gustavo. Sanft bedrängt von den Frankfurter Pressing-Bluthunden spielte der Brasilianer von der Strafraumgrenze einen Rückpass zu seinem Torhüter. Dachte er zumindest.

Denn Keeper Yohann Pele hatte sich nach rechts in Richtung kurzer Pfosten aufgemacht und wurde von dem Ball in die andere Richtung komplett überrascht. Als dann auch noch Bouna Sarr eine Hereingabe von Danny da Costa unbedrängt ins eigene Tor bugsierte, verkam der Abend für Marseille endgültig zum Slapstick-Auftritt. "Die Tore fallen nicht, wenn wir nicht so viel Druck machen", pochte Simon Falette später auf die Frankfurter Beteiligung. Die Eintracht, so scheint es, muss die Tore nicht einmal mehr selbst erzielen, so gut läuft es derzeit.

Das zweite Eigentor von Olympique Marseille
Beim zweiten Eigentor schob Sarr unbedrängt ein. Bild © Imago

Schützenfest ausgelassen

Am Ende stand es verdient 4:0, und dabei hatten die Frankfurter zumindest in Sachen Abschluss nicht einmal einen guten Tag erwischt. Denn der Gastgeber ließ mindestens fünf weitere Großchancen aus, Jovic und Sébastien Haller alleine vor dem Torhüter, Marco Russ und da Costa aus kurzer Distanz per Kopf, um nur einge aufzuzählen.

Klar, Marseille sah in der Partie ein besseres Trainingsspiel. Trotzdem war es erneut beeindruckend, wie viele Topchancen sich die Eintracht erspielte. Seit das Hütter'sche System gegen Hannover erstmals richtig zu Greifen begann, hat es außer Nürnberg kein Team geschafft, die Frankfurter Offensive auch nur annähernd einzudämmen. Mehr als drei Tore pro Spiel gibt es seitdem, und fast immer Chancen für noch einige mehr.

Was macht denn der Willems da?

Blitzstarts, Eigentore des Gegners, dazu noch eine überraschende Niederlage des Konkurrenten aus Rom. Wie gut es derzeit bei und für die Eintracht läuft, ist atemberaubend. Das merkte man am Donnerstag auch an der problemlosen Integration von fünf neuen Spielern. Neben den zum Kernteam zählenden Russ und Mijat Gacinovic durften sich mit Falette, Taleb Tawatha und Jetro Willems auch drei Spieler austoben, die zuletzt weniger Einsatzzeiten bekamen.

Am meisten überraschte dabei Willems, der an unerwarteter Stelle im zentralen Mittelfeld auflief. Schon die zweite ungewöhnliche Positionsverschiebung von Trainer Hütter, der zuvor ja Filip Kostic auf Willems' angestammter Position links hinten etabliert hatte. "Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat er dort ein richtig gutes Spiel gemacht", urteilte der Trainer über seinen Aushilfssechser, der sich ballsicher und robust präsentierte und zwei Großchancen mit Pässen in die Schnittstelle einleitete.

Gruppensieg eingetütet

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Nun hat die Eintracht bereits einen Spieltag vor Schluss den Gruppensieg eingetütet und Fans und Verantwortliche dürfen sich mittlerweile Gedanken über den nächsten Schritt machen. Das Auswärtsspiel in Rom im Dezember steht zwar noch an, ist aber nur ein Bonusspiel. Der Blick richtet sich aufs Sechzehntelfinale, das am 14. und 21. Februar ausgetragen wird.

Den meisten dürfte es da ähnlich gehen wie Abwehrmann Russ, der sichtlich hin- und hergerissen war. "Man hofft vielleicht auf einen etwas einfacheren Gegner, damit man weiterkommt. Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn einer aus der Champions League kommt. Es kann ja passieren, dass Neapel oder Liverpool runterkommen." Und wer weiß, so gut wie es derzeit bei der Eintracht läuft...

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt - Olympique Marseille 4:0 (2:0)

Frankfurt: Trapp - Falette, Hasebe, Russ - Willems, Tawatha (64. Kostic), Fernandes, Gacinovic, da Costa - Jovic (79. Müler), Haller (72. Rebic)        

Marseille: Pele - Hubocan, Kamara, Caleta-Car, Amavi (80. Rocchia) - Sarr, Lopez (61. Rolando), Luiz Gustavo, Radonjic - Germain (64. Chabrolle), Mitroglou
                           
Tore: 1:0 Jovic (1.), 2:0 Luiz Gustavo (17./ET), 3:0 Sarr (62./ET), 4:0 Jovic (67.)                            

Gelbe Karten: - / Luiz Gustavo

Schiedsrichter: Beaton (Schottland)  
Zuschauer: 47.000 (ausverkauft)  

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