Jürgen Grabowski

Er spielte so gut und er spielte so schön: Jürgen Grabowski, der beste Fußballer, den Eintracht Frankfurt je hatte, wird 75 Jahre alt.

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Man will sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wäre Manager Rudi Gramlich kompromissbereiter gewesen. 1972 nämlich hatte der damalige Eintracht-Präsident niemand geringeres als Bayern-Manager Robert Schwan am Telefon. Der Anlass des Gesprächs: ein möglicher Transfer Jürgen Grabowskis zum kommenden Rekordmeister.

Jener Grabowski, Ausnahmefußballer und Herzstück des Frankfurter Spiels, saß im Vorzimmer Gramlichs und wartete auf dessen Entscheidung. Aber das Angebot der Bayern genügte Gramlichs Ansprüchen nicht, Grabowski blieb in Frankfurt. Sehr zu dessen Freude: "Ich war froh darüber", so Grabowski in der Dokumentation des hr-Fernsehens anlässlich seines 75. Geburtstages. "Ich war in meiner gewohnten Umgebung - bei dem Verein, zu dem ich von Anfang an wollte. Der mich wollte. Ich habe das nie bereut."

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zum Video Jürgen Grabowski über sein erstes Eintracht-Training: "Ich habe mich total verfahren"

Jürgen Grabowski
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"Frankfurts Stolz: Der Grabi und der Holz"

Die Geschichte von Eintracht Frankfurt, sie hätte durch ein schnödes Telefonat anno 1972 eine nicht unerhebliche Wendung erfahren können. Auch wenn damals niemand hat wissen können, dass Grabowski 441 Spiele und 109 Tore für Eintracht Frankfurt machen würde, dass er zwei DFB-Pokale und den Uefa-Cup mit dem Verein gewinnen würde und dass die Fans T-Shirts drucken würden, fast 40 Jahre nach seinem Karriereende, die der Slogan "Frankfurts Stolz: Der Grabi und der Holz." ziert. Oder dass noch immer vor jedem Spiel Tankards "Schwarz-weiß wie Schnee" läuft, in dem es heißt: "Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen Grabowski."

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zum Video Jürgen Grabowski über seine Zeit als Eintracht-Kapitän: "Das muss man erstmal schaffen"

Grabowski zu Inter
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Mit dem Jürgen, mit dem Jürgen. Dass Grabowski im an Legenden nicht eben armen Legenden-Kanon der Eintracht der einzige Spieler ist, der in der inoffiziellen Hymne namentlich erwähnt wird, zeigt seine Sonderstellung. Nie hat Eintracht Frankfurt einen besseren Spieler gehabt. Einen Spielmacher alter Schule, technisch überragend, trickreich, elegant, der in der Nationalelf sträflicherweise auf den rechten Flügel abgeschoben und dort dann von der internationalen Presse zum "besten Einwechselspieler der Welt" erklärt wurde. Die Krönung an seinem 30. Geburtstag: Weltmeister im eigenen Land. "Ich dachte: Jetzt gehört dir die Welt", so Grabowski.

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Jürgen Grabowski
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"Ein ganz feiner Kerl"

Die Welt vielleicht nicht, Frankfurt und Hessen jedoch schon. Als Lothar Matthäus 2001 als neuer Eintracht-Trainer im  Gespräch war (ja, wirklich!), lief der Eintracht-Anhang Sturm. Niemand, der es mit der Eintracht hielt, hatte vergessen, dass es Matthäus gewesen war, der Grabowski 1980 ins Karriereende getreten hatte. Als die Eintracht wenige Wochen später den Uefa-Cup gewann, musste Grabowski zuschauen - "eine Folter". Dass ausgerechnet er seine illustre Karriere nicht auf dem Platz beenden konnte, war eine große Ungerechtigkeit. Das wussten auch seine Mitspieler: Noch bevor sie den Pokal in Empfang nehmen konnten, hatten sie ihren Kapitän bereits auf die Schultern gehoben.

Jürgen Grabowski Uefa-Cup

Grabi, der Kapitän, der Anführer, der Kumpel. "Ein ganz feiner Kerl", sagt sein ehemaliger Konkurrent in der Nationalmannschaft, Wolfgang Overath, in der Dokumentation des hr-Fernsehens. So und so ähnlich äußern sich alle, die je mit Grabowski zu tun hatten. Bescheiden, gut, ein echter Freund - auch wegen seines angenehmen Wesens ist Grabowski die Vereinslegende geworden, die er heute ist.

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zum Video Jürgen Grabowski über die Wasserschlacht: "Hätte man nicht anpfeifen dürfen"

Jürgen Grabowski
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Ob sie in München auch seinen Namen singen würden?

Noch immer laufe es ihm eiskalt den Rücken runter, so Grabowski, jedes Mal, wenn er sein Lied im Stadion hört. "Sie spielten so schön und sie spielten so gut, mit dem Jürgen Grabowski." Ob sie in München auch seinen Namen singen würden, hätte Gramlich damals nicht aufgelegt?

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 6.7.2019, 19.30 Uhr