Die Eintracht-Leihspieler Barkok Knothe und Kamada
Die Eintracht-Leihgaben Noel Knothe, Daichi Kamada und Aymen Barkok (v.li.). Bild © Imago Images

Neun Profis hatte die Frankfurter Eintracht in der vergangenen Saison verliehen, mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Wie lief es für die Eintracht-Leihgaben und wie geht es mit ihnen weiter? Ein Überblick.

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Während ihre Mitspieler eine furiose Reise durch Europa hinlegten und in die Spitzengruppe der Bundesliga vordrungen, verbrachten gleich neun Eintracht-Spieler die vergangenen Monate fernab von Frankfurt. Ob Innenverteidiger in der bayerischen Provinz, Offensiv-Wirbel in Belgien oder Hoffnungsträger in Hannover: Die Leihgaben ließen nichts unversucht, um wieder auf sich aufmerksam zu machen. Richtig gut geklappt hat das aber bei den wenigsten.

Daichi Kamada (VV St. Truiden)

Daichi Kamada ist der große Gewinner unter den verliehenen Eintracht-Spielern. Im beschaulichen St. Truiden trumpfte Kamada, der in der vorangegangenen Saison lediglich vier Spiele für die Hessen bestritten hatte, groß auf und gehörte vor allem in der Hinrunde zu den prägenden Spielern der ersten belgischen Liga. In 36 Pflichtspielen steuerte Kamada, meist als hängende Spitze aufgeboten, 16 Tore und neun Vorlagen bei. Eine mehr als ordentliche Bilanz.

Ob Kamada, der in Frankfurt noch einen Vertrag bis 2021 hat, für die neue Saison eine ernsthafte Option für die Hessen ist, hängt wohl einerseits davon ab, ob ihn die sportliche Leitung als robust genug für die Bundesliga einschätzt. Andererseits auch davon, wie viele der etablierten Offensivkräfte Luka Jovic, Sébastien Haller und Ante Rebic auch nach den Ferien wieder in Frankfurt aufschlagen werden. Gut möglich, dass für Kamada zumindest ein Platz als Herausforderer frei wird.

Nicolai Müller (Hannover 96)

Nicolai Müller hatte sich seine Rückkehr zu Eintracht Frankfurt sicher anders vorgestellt. Zwar war der ablösefrei vom HSV gekommene Rechtsaußen Frankfurts erster Bundesligatorschütze der Saison, in der Folge waren seine Fähigkeiten aber zu selten gefragt. Einen echten Rechtsaußen gab es im System von Trainer Adi Hütter schlicht nicht.

Nicolai Müller
Nicolai Müller Bild © Imago Images

Mehr Einsatzzeiten bekam Müller nach seinem Winterwechsel zu Hannover 96. 14 Spiele machte der 31-Jährige für die Niedersachsen, in denen er drei Tore schoss. Sonderlich gut lief die Leihe dennoch nicht, nach andauernden Querelen, einem streitbaren Trainerwechsel und nur drei Siegen in der Rückrunde stieg 96 sang- und klanglos ab. Müllers Vertrag läuft noch bis 2020. Ob seine Dienste in Frankfurt nächstes Jahr gefragt sind, steht in den Sternen.

Danny Blum (UD Las Palmas)

In zwei Jahren bei der Eintracht kam Danny Blum nie über die Rolle des Einwechselspielers hinaus. Auch deshalb wurde der ehemalige U-Nationalspieler zu UD Las Palmas verliehen, in der spanischen zweiten Liga machte Blum 23 Spiele, schoss ein Tor und legte vier auf, hatte allerdings auch immer wieder mit Muskelverletzungen zu kämpfen.

Realistisch betrachtet hätte es Blum bei der Eintracht wohl auch in der nächsten Saison schwer bis gar nicht in den Kader geschafft. Um einem erneuten Reservistendasein vorzubeugen, schloss sich der Außenstürmer deshalb dem VfL Bochum im Bundesliga-Unterhaus an. Eine gute Idee, entspricht die zweite Liga wohl eher seinem Leistungsvermögen.  

Aymen Barkok (Fortuna Düsseldorf)

Eintracht-Eigengewächs Aymen Barkok machte in seiner Debütsaison 2016/17 mit schönen Toren und noch schöneren Tricks auf sich aufmerksam. In seiner zweiten Saison ging Barkok den nächsten Schritt dann leider nicht, weshalb es ihn zu Fortuna Düsseldorf zog. Dort hatte Barkok zunächst mit Verletzungen zu kämpfen und kam erst in der zweiten Saisonhälfte auf Touren. Ohne dabei jedoch besonders hervorzustechen.

Aymen Barkok
Aymen Barkok Bild © Imago Images

Sowohl in Frankfurt als auch in Düsseldorf ist man jedoch vom Talent des 21-Jährigen überzeugt, weswegen die Leihe um ein Jahr verlängert wurde. Barkok soll langfristig zum Ersatz des mit Kreuzbandriss ausfallenden Schlüsselspielers Kevin Stöger werden und sich endlich stabilisieren. "Er muss jetzt zum Mann werden! Ernsthafter trainieren, nicht alles so locker nehmen", forderte Fortuna-Coach Friedhelm Funkel. "Er hat noch zu viele Flausen im Kopf, geht schnodderich mit seinem Talent um." Barkok wäre gut beraten, auf Funkel zu hören.  

Marijan Cavar (NK Osijek)

Nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte Marijan Cavar bei Eintracht Frankfurt nicht. Lediglich ein Mal stand der 21-Jährige auf dem Platz: beim 1:4 gegen Bayern München im April 2018. Eine Leihe zum kroatischen Erstligisten NK Osijek sollte dem ehemaligen bosnischen U21-Nationalspieler, der sogar bereits zwei Mal für die A-Nationalmannschaft auflief, Spielpraxis verschaffen. Das hat nur bedingt geklappt.

In der ersten Saisonhälfte spielte Cavar noch regelmäßig, oft auch über die volle Distanz. Die Bilanz der Rückrunde hingegen liest sich erschreckend:  Nur viermal durfte Cavar 2019 spielen, nicht ein einziges Mal über 90 Minuten. Oft war er gar nicht im Kader. Eine Statistik, die nicht unbedingt darauf hindeutet, dass Osijek die Kaufoption zieht. Eine großartige Perspektive wird Cavar aber wohl auch in Frankfurt nicht haben.

Max Besuschkow (Royale Union Saint Gilloise)

Im zentralen Mittelfeld von Royale Union Saint Gilloise gehörte Max Besuschkow in der vergangenen Saison zu den Stammkräften. Immerhin. Saint Gilloise spielt allerdings nur in der zweiten belgischen Liga, ob sich der 38-malige deutsche U-Nationalspieler dort das nötige Rüstzeug holte, um irgendwann in der Bundesliga zu bestehen, darf bezweifelt werden. Besuschkows Leihe läuft noch bis 2020, zudem soll der belgische Club eine Kaufoption haben.

Felix Wiedwald (MSV Duisburg)

Eigentlich war der Torhüter zu Saisonbeginn als Nummer zwei hinter Frederik Rönnow verpflichtet worden. Aber der Fußball ist eben ein schnelllebiges Geschäft, nach der Rückholaktion von Kevin Trapp fand sich Wiedwald schnell auf der Tribüne wieder, in der internen Hierarchie war er zeitweise nur noch Torwart Nummer vier. Und so zog es Wiedwald im Winter zum MSV Duisburg.

Felix Wiedwald
Felix Wiedwald Bild © picture-alliance/dpa

Dort war Wiedwald direkt Stammkeeper und zeigte solide Leistungen. Den Abstieg der Zebras konnte er aber auch nicht verhindern. Ob der 29-Jährige noch einmal nach Frankfurt zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. Prognosen gestalten sich jedoch schwierig, schließlich steht und fällt die Kaderplanung der Hessen auf der Torwartposition mit einer möglichen Weiterverpflichtung Trapps, die nach wie vor in der Schwebe ist.

Deji Beyreuther (Chemnitzer FC)

In der Regionalliga sollte sich Linksverteidiger Deji Beyreuther an den Herrenfußball gewöhnen, sonderlich geglückt ist das nicht. Was vor allem daran lag, dass sich Beyreuther direkt zu Beginn seiner Leihe im Winter eine Schambeinentzündung zuzog und sich im Anschluss schwer tat, an die Mannschaft zu rücken. Erst gegen Ende der Saison durfte Beyreuther zwei Mal für die Sachsen ran, gegen FCO Neugersdorf und Viktoria Berlin spielte er über die volle Distanz. Am Ende konnte Beyreuther immerhin den Aufstieg in die dritte Liga feiern. Ob es Sinn macht, nach diesem verschenkten Halbjahr nach Frankfurt zurückzukommen, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist eine erneute Leihe.

Noel Knothe (FC Pipinsried)

Deutlich regelmäßiger als Beyreuther spielte Innenverteidiger Noel Knothe beim FC Pipinsried in der Regionalliga Bayern. Knothe machte zwölf von dreizehn möglichen Spielen, nur ein Mal musste er wegen einer Gelb-Roten Karte passen. Dennoch bleibt fraglich, ob ein halbes Jahr in der vierten Liga genug ist, um bei der Eintracht gut gerüstet einen neuen Anlauf zu wagen. Auch Knothe, der mit Pipinsried in die Bayernliga abstieg, würde eine erneute Leihe wahrscheinlich gut tun.