Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt

Daichi Kamada schöpft gegen den VfL Wolfsburg sein ganzes Potential aus und macht die ohnehin starke Offensive von Eintracht Frankfurt noch einmal besser. Das erste seiner beiden Ziele hat er bereits erreicht, das zweite ist zum Greifen nah.

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Eintracht PK Wolfsburg
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Als Daichi Kamada im September des vergangenen Jahres über seine Ziele mit Eintracht Frankfurt referierte, musste er noch etwas eingebremst werden. Auf die Erläuterung seines Traums, "mit Eintracht Frankfurt in der Champions League zu spielen", ergänzte der Frankfurter Pressesprecher: "Also er meint: irgendwann mal. Nicht in dieser Saison." Kamada, dessen Worte ein Dolmetscher übersetzte, grinste. Die anwesenden Pressevertreter lachten. Die Eintracht oder Kamada in der Königsklasse, das wird ja sowieso nichts. So dachten wohl alle.

Kamada hat sich weiterentwickelt

Rund sieben Monate später lässt sich festhalten: Pustekuchen. Nach nun mehr 29 gespielten Bundesliga-Spieltagen stehen die Hessen tatsächlich weiter auf Platz vier, der Abstand zum ersten Verfolger Borussia Dortmund beträgt sieben Punkte. Sollte in den verbleibenden sechs Saisonspielen kein Debakel mehr passieren, feiern die Hessen in der kommenden Spielzeit ihre Premiere in der Champions League. Einen großen Anteil an dieser Sensation, das bewies nicht zuletzt der furiose 4:3-Sieg gegen den VfL Wolfsburg am Samstag, hat auch Kamada.

Der Japaner, der für Amin Younes in die Startelf gerutscht war, zeigte gegen die Wölfe wieder einmal, dass er das Zeug zum nächsten Frankfurter Star hat. Nachdem der 24-Jährige in der Vergangenheit oft nicht über gute Ansätze und vielversprechende Einzelaktionen hinausgekommen war, hat er sich in dieser Spielzeit noch einmal weiterentwickelt. Aus dem ballverliebten Techniker ist ein mannschaftsdienlicher Stratege geworden. Ganz neu in Kamadas Repertoire: Abschluss- und Zweikampfstärke.

Kamada macht den Unterschied

Gegen den VfL Wolfsburg, bis zu diesem Spieltag immerhin das beste Rückrundenteam mit gerade einmal drei Gegentreffern, zeigte Kamada gleich beides: Zunächst traf er mit einer schönen Direktabnahme zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (7.), dann bereitete er das vorentscheidende 3:2 durch André Silva (54.) mit einer Mischung aus Robustheit und Genialität direkt vor.

Kamada eroberte im Mittelfeld gegen Josip Brekalo mit hartem, aber fairen Einsteigen den Ball, zog dann im Vollsprint davon und bediente Silva. Die beste Aktion des Spiels und die Krönung seines Gala-Auftritts. "Daichi war heute der beste Mann auf dem Platz. Ich bin mit seiner Leistung, mit und ohne Ball, hundertprozentig zufrieden", fasste Trainer Adi Hütter nach der Partie folgerichtig zusammen. Angesichts der Qualität in der Frankfurter Offensive ist dieses Lob jedoch gar nicht hoch genug einzustufen.

Kamada hat Wort gehalten

Umgeben vom Toptorschützen Silva, Top-Vorbereiter Filip Kostic, Nationalspieler Younes oder Real-Rückkehrer Luka Jovic ging Kamada in der Nachbetrachtung der vergangenen Spiele oft ein wenig unter. Gegen Wolfsburg trat er endlich einmal aus dem Schatten seiner namhaften Mitspieler und schöpfte sein Potential aus. "Er war "the man of the match" hinter den Spitzen", bestätigte auch Hütter, der sich wohl nur wegen einer kleineren Verletzung bei Younes für den Japaner entschieden hatte. "Manchmal greift man als Trainer auch mal in die richtige Tasche."

Kamada zahlte mit einem Treffer und einer Vorlage zurück und pulverisierte damit nebenbei auch noch sein persönliches Saisonziel von 15 Scorer-Punkten, das er sich selbst im September kurz vor seiner Aussage zur Champions League gesetzt hatte. "Ich denke, ich kann dieses Jahr ein noch besseres Level spielen", sagte der Japaner damals. Stand heute hat er mit fünf Treffern und 13 Assists mehr als Wort gehalten. Man sollte zukünftig auf Kamada hören.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 11.04.21, 23.15 Uhr