Jubel von Eintracht Frankfurt gegen Standard Lüttich

Mit Hilfe von Daichi Kamada führen David Abraham und Martin Hinteregger Eintracht Frankfurt zum Sieg über Standard Lüttich. Feinen Fußball gibt es in der Europa League nicht, dafür aber gute Aussichten. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat in der Fußball-Europa-League den Weg Richtung K.o.-Phase eingeschlagen. In der Gruppe F gewann die Mannschaft von Trainer Adi Hütter am Donnerstag ihr Heimspiel gegen den belgischen Club Standard Lüttich – dem direkten Konkurrenten im Rennen um Tabellenrang zwei – mit 2:1 (1:0). Kapitän David Abraham (28. Spielminute) und Martin Hinteregger (73.) trafen für die Hessen, Selim Amallah konnte nur noch verkürzen (82.). 

1. Verteidigung ist der beste Angriff 

André Silva fällt wegen Achillessehnenproblemen aus? Kein Ding! Bas Dost klagt über Beschwerden in den Adduktoren und muss kurzfristig passen? Nicht schlimm! Wenn gleich zwei Stürmer fehlen und der dritte - Gonçalo Paciência - alleine nicht viel ausrichten kann und glücklos bleibt, müssen eben andere für die Tore sorgen. Mit Abraham und Hinteregger haben genau das zwei Innenverteidiger getan - unter tatkräftiger Mithilfe von Daichi Kamada.

Der Japaner bugsierte erst einen Freistoß von der linken Seite an den zweiten Pfosten, wo der von Almamy Tourés Oberschenkelverletzung profitierende Abraham lauerte und den Ball zum 1:0 über die Linie drückte. Später servierte Kamada einen Eckball, also erneut eine Standardsituation, auf den Kopf von Hinteregger: 2:0, die Vorentscheidung am Beginn der Schlussphase. Fazit: Die Eintracht kann auch bei ruhenden Bällen zum Torerfolg kommen. Und hat, wenn sich ein Mangel an Stürmern negativ auf den kreativen Spielfluss auswirkt, mit offenkundig torgefährlichen Verteidigern mehr als einen Plan B in der Schublade. 

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2. Es muss nicht immer Hochglanz sein

Nein, die Ausdrücke "feine Klinge", "fußballerischer Leckerbissen" und "Werbung für den Sport" sind es nicht gerade, die dieses Spiel beschreiben. Im Gegenteil. Aber muss es immer ein Hurra-Stil sein? Sicherlich nicht. Wer den Tempo-Fußball vom jüngsten Bundesliga-3:0 gegen Leverkusen erwartet hatte, war an diesem Europacup-Abend falsch gewickelt. Als viel zu engmaschig entpuppte sich Lüttichs 4-3-2-1, das zumindest in der ersten Halbzeit defensiv auch mal einen Fünfer-Riegel zu bieten hatte – und gegen das die Eintracht streng genommen kein einziges Mittel fand. 

Die Tatsache, dass beide Frankfurter Tore nach einem Freistoß bzw. Eckball entstanden, ist der beste Beweis dafür. Tempo, Bewegung und Räume gab es erst im zweiten Durchgang, als Hütter Kamada zum zweiten Stürmer umfunktionierte und die Gäste aus Belgien gezwungenermaßen mehr am Offensivspiel teilnehmen mussten.

Ja: Das 2:1 gegen Standard war ein Arbeitssieg. Aber einer, der ohne Kamadas Spezialität für ruhende Bälle und Abrahams sowie Hintereggers entsprechender Verwertung nicht möglich gewesen wäre. "Massel", unerwartetes Glück, nennt das Wörterbuch so etwas. Ein Ausdruck, der schon wesentlich besser passt. 

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3. Gacinovic tut, was er kann

Die Startelf der Eintracht hatte Erwartbares und Überraschendes zu bieten. Dass Kamada nach seiner Pause im Leverkusen-Spiel angesichts der Ausfälle von Silva und Dost in die Offensive zurückkehren würde, war logisch, das Auflaufen von Mijat Gacinovic nicht unbedingt. Vier größtenteils kurze Einsätze in der Liga, 15 Minuten im DFB-Pokal, mal mehr und mal weniger Spielzeit in der Europapokal-Qualifikation: Nach drei von einer Verletzung (Adduktoren) und Leistungsschwankungen geprägten Monaten sollte er nun im defensiven Mittelfeld für unvorhergesehene Impulse sorgen. Ob das geklappt hat? Ja, aber…

Gacinovic präsentierte sich insbesondere in der ersten Halbzeit willig, engagiert, couragiert. Der 24 Jahre junge Serbe forderte im Spielaufbau sehr häufig den Ball, phasenweise wirkte er sogar ratlos, wenn sich ein Mitspieler nicht an einen Laufweg hielt und ihm dadurch die Chance auf eine Chance verbaute.

Doch auch gegen Lüttich traf Gacinovic, wie so oft in den vergangenen Wochen, mindestens eine falsche Entscheidung: In der 48. Minute, er war gerade unter großer Anstrengung in den Strafraum der Gäste vorgedrungen, legte Gacinovic doch noch einmal auf Filip Kostic ab, statt selbst zu schießen. Es wäre vermutlich das rasche 2:0 und damit eine schnellere Vorentscheidung gewesen. 

4. Chancenverwertung erneut problematisch

Apropos Chancenverwertung: Die muss sich – zumindest für die Zeit nach den Seitenwechsel – nicht nur Gacinovic alleine, sondern die gesamte Abteilung Attacke der Frankfurter ankreiden lassen. Paciência (49., 60.), Danny da Costa (56.) und Sebastian Rode (66.) vergaben weitere aussichtsreiche Gelegenheiten.

Stattdessen hielten die Hessen ihre Gäste so im Spiel und ließen sie nach Hintereggers Tor doch noch einmal gefährlich rankommen. Auch wenn Amallahs Treffer zum 1:2 zu spät kam: Für den Aufwand, den die Eintracht betreibt, belohnt sie sich zu wenig. Ein Problem, das sich seit Beginn der Pflichtspiel-Phase Ende Juli durchzieht.

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pk
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5. Der Schlüssel zur Zwischenrunde?

Beim Blick auf die Tabelle der Europa-League-Gruppe F dürfte den Fans der Frankfurter Eintracht trotzdem nicht bange werden. Rang zwei steht da für ihre Mannschaft zu Buche, zwei Siege und sechs Punkte nach drei Spieltagen. Und das Beste daran: Mit Standard Lüttich wurde der vermeintlich direkte Konkurrent im Rennen um diesen zweiten Platz, der im kommenden Jahr zur Teilnahme am Sechzehntelfinale berechtigen würde, zumindest im Heimspiel geknackt.

Noch ein Sieg in zwei Wochen (7.11.) in Belgien, und die Hessen würden sechs Punkte zwischen sich und Rang drei bringen. Der Einzug in die K.o.-Phase wäre ihnen dann – bei noch zwei ausstehenden Spielen beim FC Arsenal und gegen Vitória Guimarães – nur noch schwer zu nehmen.