Sebastian Rode läuft im Bildvordergrund (scharf) Unscharf im Bildhintergrund feiernde Fußball-Fans.

Eintracht Frankfurt hat sich den Europa-League-Titel erkämpft. Mit unbändigem Willen und Einsatz. Niemand verkörpert das besser als Kapitän Sebastian Rode.

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Heimspiel Extra: Die Highlights von Eintracht Frankfurt - Glasgow Rangers

Eintracht-Jubel
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Wer in einigen Jahren oder Jahrzenten an den Europacup-Sieg der Eintracht zurückdenkt, wird ganz spezielle Bilder im Kopf haben. Natürlich ganz private, von der Feierei in Sevilla oder dem Jubel in der Stammkneipe, aber eben auch von diesem kräfte- und nervenzehrenden Spiel. Vom Tor von Rafael Borré zum 1:1 vielleicht oder von der Weltklasse-Parade von Kevin Trapp in der 118. Minute, ohne die es kein Elfmeterschießen gegeben hätte.

Harte Realität trifft frommen Wunsch

Das vielleicht symbolträchtigste Bild dieses erinnerungswürdigen 18. Mai 2022 ist aber das, was Sie hier oben im Artikel sehen. Vorne Kapitän Sebastian Rode. Noch immer blutverschmiert, nachdem er in der 6. Minute des Spiels einen Stollen ins Gesicht bekam, eine Platzwunde davontrug und nach grünem Licht der medizinischen Abteilung noch 84 Minuten mit dickem Verband um den Kopf alles für den Erfolg der Eintracht auf dem Rasen ließ. Im Hintergrund die Mannschaft. Verschwommen jubelnd mit dem Pokal, wie in einem fernen Traum. Die perfekte Verschmelzung von harter Realität und frommem Wunsch.

Es ist bezeichnend, dass Rode in dieser Analogie die zentrale Figur ist. Sebastian Rode, der gebürtige Hesse, der Kapitän der Mannschaft, der eigentlich eine Karriere von Welt hätte haben können. Der bei Bayern und Dortmund gespielt hat, der aber immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Rode, dessen Körper ihn immer wieder zu Pausen zwang, der immer wieder hinfiel und immer wieder aufstand.

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Der Eintracht-Finalsieg in Sevilla in Bildern

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Trainers Liebling

"Er ist speziell. Er ist fleißig, er spielt sehr, sehr gut." Das sagte der damalige Bayern-Trainer Pep Guardiola vor rund sechseinhalb Jahren über den defensiven Mittelfeldspieler. Rode sei keiner, der oft in der Öffentlichkeit stehe, aber "wir Trainer wissen genau, was er kann", so der Katalane. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Rode ist kein spektakulärer Spieler, aber noch immer ein unterschätzter. Klar, dass der Südhesse ein richtiger Fighter ist, der vor keinem Zweikampf zurückschreckt, das war dem Eintracht-Anhang auch vor dem Europa-League-Finale schon bewusst. Aber Rode macht auch viele kleine Sachen unglaublich gut, die nicht direkt auffallen und in keiner Statistik auftauchen.

Gegenpressing geht auch alleine

Der 31-Jährige liest die Räume auf dem Feld wie kaum ein anderer in der Mannschaft. Er stellt sie defensiv zu und besetzt sie offensiv als Anspielstation. Gepaart mit seiner Robustheit macht ihn das zu einem richtigen Anker im defensiven Mittelfeld. Im Halbfinal-Rückspiel gegen West Ham United war Rode der beste Mann auf dem Platz. Im Finale gegen die Glasgow Rangers gehörte er zu den prägenden Figuren.

Als das Spiel schon tief in der zweiten Halbzeit angekommen war und die Beine aller Beteiligten langsam schwer wurden, ging Rode nach einem Frankfurter Ballverlust ins Gegenpressing. Alleine. Er machte das derart gut, dass sein Gegenspieler keine andere Möglichkeit sah, als den Ball ins Aus zu dreschen. Eintracht-Trainer Oliver Glasner sprintete sofort in Richtung seines Kapitäns, schrie seine Freude heraus und reckte die Faust in die Luft. Gut gemacht. Weiter so, immer weiter.

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hr-Doku über Europa-League-Reise

Das hr-fernsehen zeigt am Freitagabend ab 20.15 Uhr (und danach in der ARD-Mediathek) eine Dokumentation über den Europa-League-Erfolg von Eintracht Frankfurt. Im Film von Florian Naß nehmen uns unter anderem Sebastian Rode und Trainer Oliver Glasner mit auf ihrer Traumreise durch Europa.

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"Hauptsache das Ding geholt!!!"

Fast wünschte man sich, dass doch bitte Rode das entscheidende Tor zum Titelgewinn schießen möge. Aber das braucht es gar nicht für diese Heldengeschichte. In der 90. Minute musste der völlig platte Kapitän vom Feld.

"Hauptsache das Ding geholt!!! Alles andere ist egal", schrieb der Hessebub nach dem Spiel in den sozialen Medien unter ein Foto, auf dem er aussah, als hätte er an diesem Abend alle 13 Europa-League-Spiele am Stück gespielt. Gezeichnet, geschunden, aber rundum glücklich. Man fragt sich, welche Bilder Rode wohl von diesem Finale im Kopf bleiben.