Frust bei Sam Lammers von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt verpasst auch gegen Stuttgart den Befreiungsschlag und offenbart weiter Defizite. Filip Kostic lässt leeren Worten große Taten folgen, Trainer Oliver Glasner bittet um Zeit. Doch genau diese drängt. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt wartet auch nach vier Bundesliga-Spieltagen weiter auf den ersten Sieg und steckt nach dem 1:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart erst einmal im Tabellenkeller fest. Filip Kostic trifft nach Streik und Comeback zur Führung (79.), Omar Marmoush gelingt der späte Ausgleich (88.). Der Stuttgarter Waldemar Anton flog mit Rot vom Platz (82.).

1. Kostic meldet sich mit Paukenschlag zurück

Es hätte alles so kitschig sein können: Filip Kostic, der sich gegen Arminia Bielefeld vor rund zwei Wochen noch "psychisch nicht leistungsbereit" gefühlt hatte, präsentierte sich gegen den VfB Stuttgart bestens erholt und schrieb kurzzeitig eine dieser typischen "Solche-Geschichten-schreibt-nur-der-Fußball"-Geschichten. Die durch ein sehr gut dotiertes Angebot von Lazio Rom ausgelöste Leistungs-Blockade riss der Serbe am Sonntag mit beiden Füßen ein und traf nach seiner Einwechslung zum zwischenzeitlichen 1:0.

Sein Streik, der angeblich keiner war, war ebenso schnell vergessen wie seine angebliche Entschuldigung, die wohl auch keine war. Kostic entfachte auf seiner linken Seite ein kleines Feuerwerk und riss Publikum und Mitspieler umgehend mit. Das Happy End wurde ihm und den Hessen durch das späte Gegentor zwar versaut. Zumindest das Verhältnis zwischen Kostic und dem Club scheint aber nicht gestört zu sein. Eben noch auf dem Weg nach Italien, jetzt wieder mittendrin im Herzen der Frankfurter Fans. So schnell kann es manchmal gehen.

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Kostic - Einwechslung und Tor
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2. Die Offensive bleibt zu harmlos

Wie wichtig Kostic für die Frankfurter Offensive ist, wurde gegen Stuttgart vor allem in seiner Abwesenheit deutlich. Gegen die sehr defensiv eingestellten Schwaben, die in dieser Form sicher nicht zu den Bundesliga-Schwergewichten zählen, erspielte sich die Eintracht vor allem in der ersten Hälfte so gut wie keine Torchance. Hin und wieder sorgte zwar eine Einzelaktion oder ein angekommener langer Ball für anerkennenden Applaus unter den 25.000 Fans. Im letzten Drittel, dem entscheidenden, fehlen dem Team von Trainer Oliver Glasner aber weiter Durchschlagskraft und Torgefahr.

Jens Petter Hauge und Jesper Lindström sind zweifelsfrei gute Fußballer, für die Bundesliga fehlt ihnen aber noch der letzte Punch. Insgesamt mangelt es in der Offensive an klaren Aktionen. "Wir waren 20 Meter vor dem Tor oft zu ungenau und haben viele Bälle vertändelt", fasste Glasner nach der Partie zusammen. Besser wurde es erst mit Kostic. Sein Tempo und seine Körperlichkeit sind für die Hessen lebensnotwendig.

3. Lammers muss sich steigern

Passend zur ausbaufähigen Leistung der Abteilung Attacke verlief auch die Premiere des neuen Stoßstürmers Sam Lammers. Der junge Niederländer bemühte sich sichtlich um Zugriff und Teilnahme am Spiel, seine beiden einzigen Chancen vergab er aber mehr oder weniger kläglich. In der 42. Minute übersah er zunächst den besser postierten Lindström und versemmelte dann aus knapp 16 Metern den Torschuss, nach knapp einer Stunde scheiterte er mit einem zu schwachen Versuch an VfB-Keeper Florian Müller.

Lammers, das wurde deutlich, ist kein reiner Strafraumstürmer. Auch er weicht gerne mal auf die Flügel auf oder lässt sich fallen. Der Allerschnellste ist er eher nicht. Klar ist aber auch: Nach fast zwei Jahren ohne regelmäßige Spielpraxis und nur einer Trainingseinheit mit der gesamten Mannschaft braucht Lammers einfach Zeit. Ein Traum-Einstand sieht sicher anders aus. Dass nicht alles funktionierte, ist aber verständlich.

4. Verrückte Schlussphase

Und so passte auch die Schlussphase perfekt ins derzeitige Bild der Eintracht. Eine ganz große Katastrophe ist das alles nicht, zu drei Punkten fehlen aber entweder wenige Minuten oder wenige Zentimeter. Wie schon in Bielefeld kassierten die immer müder werdenden Hessen kurz vor dem Abpfiff doch noch den Ausgleich, dann verpasste der für Lammers eingewechselte Rafael Borré den Last-Minute-Siegtreffer.

Seine Direktabnahme klatschte in der vierten Minute der Nachspielzeit zunächst an die Unterkante der Latte und fiel dann über Umwege in die Arme des Stuttgarter Torhüters. Dass die Eintracht nicht doch noch jubeln durfte, lag letztlich nur an einem seltsamen Rückwärtsdrall, der den Ball ins Spielfeld zurückkatapultierte, und fehlendem Glück. "Am Ende sollte es einfach nicht sein", haderte Kapitän Martin Hinteregger, der selbst mit einem Kopfball am Aluminium gescheitert war, mit dem Fußballgott. Die Eintracht bekommt gerade nichts geschenkt.

5. Glasner bittet um Geduld

Doch wie gut oder schlecht sind die Hessen denn nun? Einen Sieg gab es trotz nun schon fünf absolvierter Pflichtspiele in dieser Saison weiter nicht, die Mannschaft ist auch Mitte September weiter in der Findungsphase. Da Coach Glasner seinen aktuellen Kader nach der Länderspielpause erst einmal komplett im Training begrüßen konnte, warb er aber um Nachsicht und Geduld. "Die Abläufe funktionieren noch nicht perfekt. Wir machen aber Fortschritte", versicherte der Österreicher.

Das Problem dabei: Da schon am Donnerstag (21 Uhr) die Premiere gegen Fenerbahce Istanbul in der Europa League ansteht, drängt die Zeit enorm. Nach dem blamablen Aus im DFB-Pokal und dem Fehlstart in der Bundesliga muss die Trendwende nun endlich eingeleitet werden, sonst könnte es immer ungemütlicher werden. "Wir brauchen jetzt mal einen Sieg", forderte deshalb auch Glasner. Es wartet noch viel Arbeit.

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