Jobteilung: André Silva und Goncalo Paciencia laufen derzeit nicht zusammen auf.

Während die Frankfurter Eintracht in der Defensive munter rotieren und wechseln kann, sind Trainer Adi Hütter im Angriff die Hände gebunden. Beim Auswärtsduell in Leverkusen wurde das Dilemma wieder deutlich sichtbar. Von der Offensivwucht des Vorjahres ist nichts mehr zu erkennen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht nach der Pleite in Leverkusen

Gegentor für die Eintracht in Leverkusen
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Wie würde die Saison von Eintracht Frankfurt wohl mit einem fitten Bas Dost verlaufen? Der Niederländer zeigte bei seinen Einsätzen als Wandspieler Klasse, erzielte sieben Treffer und strahlte Torgefahr aus. Das Problem: Dost verpasste bereits 15 der ihm möglichen 34 Pflichtspiele verletzungsbedingt und ist bis Anfang April kein Thema bei den Hessen.

Paciencia steht derzeit in der zweiten Reihe

Der Angriff der Eintracht stellt sich somit von alleine auf. Trainer Adi Hütter erklärte plausibel, dass er aktuell nur auf einen Stürmer setzen könne, schließlich brauche er noch einen zweiten Mann zum Nachlegen. Die im Trainingslager in den USA einstudierte System-Variabilität hat somit ihre Grenzen, es mangelt an Alternativen. André Silva oder Goncalo Paciencia lautet Woche für Woche die Frage, beide zusammen auf dem Platz sind wohl nur für die Brechstange in der Schlussphase eine ernsthafte Option. Der Plan war im Sommer ein anderer. "Er wird eine ganz andere Note reinbringen. Wir wollten ja immer mit zwei Stürmern spielen", sagte Sportvorstand Fredi Bobic nach der Silva-Verpflichtung. Doch davon kann nun keine Rede mehr sein.

Vor allem für Paciencia ergibt sich eine unglückliche Konstellation. Hütter wollte den Begriff "Verlierer" in der derzeitigen Situation nicht durchgehen lassen. Neben des Formhochs von Landsmann Silva verrät der Blick auf die Statistik noch etwas anderes: Paciencia glänzte bei den Hessen vor allem mit einem Mann neben sich, alle seine zehn Bundesligatore erzielte der Portugiese in einer Doppelspitze.

Eintracht im Angriff eingeschränkt

Wenn der 25-Jährige dem Team helfen will, wird er seine Spielweise aufgrund der Personallage aber anpassen und robuster werden müssen. Dost verletzt, Dejan Joveljic an den RSC Anderlecht entliehen, Ragnar Ache erst kommende Saison da – und die für 41 der 60 Bundesligatore verantwortliche "Büffelherde" Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic weg. Die Eintracht hat im vorderen Bereich Substanzprobleme. Gegen Bayer Leverkusen standen mit Daichi Kamada, Filip Kostic und Silva nur drei Offensivspieler in der Startelf, später kamen noch Mijat Gacinovic und Paciencia in die Partie.

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Eintrach PK nach Leverkusen
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Mit fünf gelernten Offensivkräften sind die Frankfurter derzeit unterwegs. Zum Vergleich: Bayer startete mit vier Angreifern, wechselte mit Leon Bailey noch einen Stürmer ein und hätte mit Kerem Demirbay und Lucas Alario weiter nachlegen können. Es sind Optionen, von denen Hütter aktuell nicht zu träumen wagt. Anders als die Eintracht haben die Leverkusener derart viele Optionen, dass auch ein längerfristiger Ausfall aufzufangen wäre.

Kein optimales Agieren auf dem Transfermarkt

Die Herausforderungen für Sportvorstand Fredi Bobic auf dem Transfermarkt waren im vergangenen Sommer freilich groß. Der Verkauf von Haller und Jovic brachte zwar viel Geld, aber auch enorme Aufmerksamkeit ein. Die Verhandlungspartner wussten Bescheid und schraubten die Preisforderungen in die Höhe.

Auch im Winter ergaben sich keine Möglichkeiten, dem Kader in der Offensive die dringend benötigten Komponenten Tempo und Variabilität zuzuführen. Der Umbruch fand deshalb vor allem in der Defensive und im zentralen Mittelfeld statt. Vollumfassend zufrieden können sie bei der Eintracht mit den vergangenen beiden Transferperioden nicht sein.

Hütter muss die Defensive schnell wieder stabilisieren

Es ist daher kein Zufall, dass die Eintracht große Probleme bekommt, wenn sie hinten wackelt und die nötige Kompaktheit fehlt. Das Hütter-Team wird auch im Endspurt nur dann Spiele gewinnen können, wenn der Kampf angenommen, die zweiten Bälle gewonnen und weniger individuelle Patzer produziert werden. Ansonsten könnte der Kampf um die nötigen Punkte für den sicheren Klassenerhalt noch sehr schwierig werden.