Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt jubelt

Seitdem Kevin Trapp zuletzt im Kader der DFB-Elf fehlte, blüht er regelrecht auf und sichert Eintracht Frankfurt wichtige Punkte im Abstiegskampf. Seine Leistungsexplosion ist aber auch ein Zeichen an den Bundestrainer.

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Es gab in den vergangenen Wochen tatsächlich ein paar Minuten, in denen Kevin Trapp nicht überzeugte. Als der Torwart von Eintracht Frankfurt nach der schaurigen Partie gegen RB Leipzig (1:1) am Sky-Mikrofon davon sprach, dass die Hessen in der zweiten Hälfte das bessere Team gewesen seien, schüttelten wohl nicht nur Fans der Sachsen energisch mit dem Kopf. Mit dieser Einschätzung, die unter dem Eindruck des Last-Minute-Ausgleichs mal durchrutschen kann, lag Trapp sehr weit daneben. Auf dem Platz ist der Torhüter hingegen seit Wochen eine Klasse für sich.

Trapp ist die Frankfurter Lebensversicherung

Nachdem der 31-Jährige zu Beginn der Saison noch einige Wackler und Fehler eingebaut hatte, steigerte er sich kontinuierlich und sicherte der Eintracht zuletzt gleich mehrmals Punkte. In der Europa League hielt er gegen Fenerbahce Istanbul einen von ihm verschuldeten Elfmeter in der Nachspielzeit, beim noch immer unwirklich wirkenden 2:1 in München zauberte er gleich reihenweise Weltklasse-Paraden auf den Rasen, und auch gegen RB Leipzig hielt er sein Team mit starken Aktionen im Spiel.

Insgesamt entschärfte Trapp in dieser Saison 39 Torschüsse, das ist der drittbeste Wert der Liga und damit gleichzeitig die Rettung der Eintracht vor noch düsteren Zeiten. Ohne ihren Schlussmann, dafür braucht es keine große Mathematik, würden die Hessen noch tiefer im Tabellenkeller und noch tiefer in der Krise stecken. "Es freut mich, wenn ich der Mannschaft helfen kann. Ich fühle mich gut." Trapp, der Fels in der Brandung.

Trapp spricht die Fehler an

Neben seiner sportlichen Performance scheint sich bei Trapp aktuell aber auch abseits des Rasens etwas zu verändern. Der gebürtige Saarländer, der vor allem im Endspurt der vergangenen Saison zu ruhig war und Führungsspieler-Qualitäten vermissen ließ, raffte sich mit etwas Abstand doch noch zu einer richtigen Analyse des Remis gegen Leipzig auf und legte den Finger in die Wunde.

Die Mannschaft sei zwar talentiert, aber oft zu leise, kritisierte er. "Wir könnten uns mehr pushen." Zudem sei die Körpersprache einiger Spieler oft zu negativ. "Wenn wir lamentieren oder uns beschweren, ist das für den kurzen Moment vielleicht okay, aber auf Strecke hilft es nicht." Mit freundlichen Grüßen an Filip Kostic.

Trapp, der bei der Kapitänswahl im Sommer umgangen worden war und nicht einmal zu den Stellvertretern von Sebastian Rode gehört, übernimmt Verantwortung und damit derzeit den Job von Makoto Hasebe und Martin Hinteregger. Beide tragen zwar abwechselnd in Vertretung von Rode die Kapitänsbinde. Der Kopf des Teams steht aktuell aber im Tor.

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Flick sortiert Trapp vorübergehend aus

Eine Entwicklung, die sicher auch Hansi Flick interessieren dürfte. Der Bundestrainer, der sich gerade nach geeigneten Kandidaten für seinen WM-Kader umsieht und dabei beinahe täglich in einem anderen Stadion sitzt, hatte Eintracht-Keeper Trapp bei der letzten Länderspielpause Anfang Oktober nicht eingeladen und in der Begründung gleich den nächsten Tiefschlag mitgeliefert. "Wir haben eine klare Anordnung. Eins, zwei, drei, vier", so Flick. Und in dieser sei Trapp hinter Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen und Bernd Leno aktuell eben nur die Nummer vier. Stand jetzt wäre Trapp also raus aus dem Aufgebot für Katar.

Bezeichnend für Trapp: Statt öffentlich sein Missfallen auszudrücken, schwang er sich nur drei Tage nach dieser Aussage von Flick zur jetzt schon geschichtsträchtigen Leistung gegen den FC Bayern auf und ließ weitere Glanztage folgen. "Jeder kennt meine Ziele und Ambitionen", betonte Trapp und unterstrich das seitdem mit Taten statt Worten.

Am Freitag gibt's den nächsten Kader

Klar ist: Da in der DFB-Elf das Leistungsprinzip gilt, ist die Tür noch lange nicht zu. Trapp muss aber kämpfen. "Jeder kann sich durch Leistung wieder ins Team hereinbringen. Von daher kann er sehr zufrieden sein, wir sind auch zufrieden", so Flick.

Schon am Freitag wird sich zeigen, ob sich Trapps Leistungsexplosion bereits bezahlt gemacht hat. Dann nämlich gibt der Bundestrainer den Kader für die kommenden Länderspiele bekannt und wird sich auch zur Torwartfrage äußern müssen. Entscheidende Tage für Trapp. Und entscheidende Tage für die Eintracht. Wie wichtig ein motivierter und starker Torhüter für die Hessen ist, haben die vergangenen Wochen ja eindrucksvoll gezeigt.

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