Dominik Kohr von Eintracht Frankfurt gegen Basel

Dominik Kohr hat die Corona-Pause genutzt, um bei Eintracht Frankfurt vom Ersatz- zum Stammspieler aufzusteigen. Nun will er noch mehr Verantwortung übernehmen und wieder nach Europa. Sorgen macht derweil Kapitän David Abraham.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kohr über Führungsrolle: "Kann mir das gut vorstellen"

Dominik Kohr von Eintracht Frankfurt gegen Basel
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Die Mittagspause verbringt Dominik Kohr am liebsten im eigenen Bett. Während sich viele seiner Teamkollegen von Eintracht Frankfurt zwischen zwei Trainingseinheiten behandeln lassen oder in den Stadion-Ruheräumen entspannen, tritt Kohr gerne den Heimweg an. "Da schlafe ich am besten, vielleicht regeneriere ich da sogar schneller", berichtete der 26-Jährige am Dienstag. Ein gesundes Nickerchen in gewohnter Umgebung als persönliches Erfolgsrezept? Es sieht fast so aus.

Vor Corona: pfui, nach Corona: hui

Spätestens seit der Corona-Pause, die Kohr genau wie alle Ottonormal-Bürger und Fußball-Profis größtenteils zu Hause verbrachte, ist der Mittelfeldspieler im Team von Adi Hütter durchgestartet. Von elf möglichen Spielen bestritt er acht von Beginn an und gehörte vor allem im Bundesliga-Endspurt zu den Leistungsträgern. Auch im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League in Basel (0:1) war er gemeinsam mit Kevin Tapp einer der Lichtblicke. "Ich habe hart gearbeitet, das spiegelt sich jetzt in den Spielen wider."

Kohr hat sich in den vergangen Monaten an der Seite von Sebastian Rode im zentralen Mittelfeld festgespielt und ist vom Fast-Fehleinkauf zum Stabilisator aufgestiegen. Eine Entwicklung, die nach großen Anfangsschwierigkeiten so nicht zu erwarten war. Eine Entwicklung, die nun aber noch lange nicht abgeschlossen sein soll. Denn Kohr will Führungsspieler werden. "Das kann ich mir gut vorstellen", betonte er. Doch ist der ehemalige Leverkusener wirklich der richtige Mann auf der Frankfurter Kommandobrücke?

Kohr immer noch drittteuerster Eintracht-Neuzugang

Klar ist: Platz wäre reichlich vorhanden. Torhüter Trapp und Kapitän David Abraham gehen zwar schon qua ihres Naturells und Amtes voran, auch Makoto Hasebe oder Rode gehören zumindest auf dem Platz zu den Lautsprechern. Da Innenverteidiger Abraham mit einer Seitenbandzerrung im rechten Knie aber einige Wochen ausfällt und der 36 Jahre alte Grandseigneur Hasebe nicht mehr jedes Spiel bestreiten wird, würde ein weiterer starker Mann dem Gebilde durchaus guttun.

Der Haken bei Kohr: Der mit einer Ablösesumme von 8,5 Millionen Euro noch immer drittteuerste Neuzugang der Frankfurter Vereinsgeschichte sollte nichts überstürzen und sich weiterhin vor allem auf sich konzentrieren. Im Team ist er inzwischen zwar angekommen und scheint derzeit gegenüber Djibril Sow und Stefan Ilsanker die Nase vorne zu haben. Die Zeiten, als viele am Sinn dieses Transfers zweifelten, sind aber auch noch nicht allzu lange her.

Bobic bringt Kohr in Schwung

Kohr, der zweimal mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze als drittbester Jugendspieler seines Jahrgangs ausgezeichnet wurde, hat sicher mehr Potenzial, als seine Anfangszeit in Frankfurt befürchten ließ. Er muss das aber auch weiter und langfristig unter Beweis stellen. Führungsspieler im zweiten Bildungsweg ist eine enorme Herausforderung, zumindest die richtigen Unterstützer hat er aber wohl schon an seiner Seite.

Entscheidend für die plötzliche Verbesserung der eigenen Auftritte, auch das betonte Kohr am Dienstag nach dem Training, waren Gespräche mit Fredi Bobic. Der Sportvorstand habe ihm mehrfach gut zugeredet und den Rücken gestärkt. "Er hat mir gesagt, dass nicht immer alle neuen Spieler in Frankfurt direkt einschlagen." Prominente Beispiele wie Luka Jovic und Sébastien Haller, die ebenfalls Anlaufzeit brauchten und der Eintracht dann in Windeseile entwuchsen, gibt es genug.

Kein Trainingslager? Super!

Nun ist wohl nicht zu erwarten, dass Kohrs Karriere einen ähnlichen Verlauf nimmt. Zumindest am Selbstvertrauen sollte es aber nicht scheitern. "Wir sollten auf jeden Fall die internationalen Plätze angreifen", gab Kohr als Ziel für die kommende Saison aus. "Mit dem Kader, den wir aktuell haben, ist das möglich." Optimistisch stimmen den 26-Jährigen zudem die weggefallene Dreifachbelastung und die Vorbereitung ganz nach seinem Geschmack.

Dass die Eintracht nur vier Wochen Zeit hat, um in Topform zu kommen und wegen der Coronakrise auch noch auf das obligatorische Trainingslager verzichten muss, ist für Kohr nämlich kein Nachteil. Im Gegenteil: "So eine Vorbereitung kann zäh sein. Jetzt geht es direkt in die wichtigen Spiele, das gefällt mir besser", sagte er. Und: "Trainingslager sind zwar gut, aber als Spieler genießt man die freie Zeit zu Hause." Kohr und die Anziehungskraft des eigenen Bettes, wir erinnern uns.